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Corona-Nachverfolgung

04.04.2021

Die Luca-App breitet sich aus - aber im Landkreis Günzburg noch nicht

Der Landkreis Dillingen testet sie bereits, der Landkreis Günzburg hat noch keine Entscheidung getroffen: Die Luca-App erleichtert den Gesundheitsämtern im Falle des Falles die Nachverfolgung von Kontakten infizierter Personen.
Foto: Paul Zinken/dpa (Symbolbild)

Plus Wie die digitale Kontaktverfolgungsmöglichkeit genutzt werden kann. Und was der Landkreis Dillingen dem Landkreis Günzburg voraushat.

Während im Landkreis Günzburg nach Auskunft einer Landratsamtssprecherin noch „geprüft“ wird, kommt im Nachbarlandkreis Dillingen als einer der ersten Landkreise in Bayern die sogenannte Luca-App schon zum Einsatz. Dort wurde mit dem Anbieter der App, „culture4life“, ein Kooperationsvertrag als Modellregion abgeschlossen und das entsprechende Zertifikat erteilt. Nun ist die App funktionsfähig.

Sie hat die Aufgabe, die Kontaktnachverfolgung zu optimieren, was durch eine Schnittstelle zum Gesundheitsamt sichergestellt wird. Bei notwendigen Behördengängen oder beruflichen Veranstaltungen wird dadurch eine unkomplizierte Kontaktpersonenerfassung sichergestellt – und die App ermöglicht in Zukunft bei entsprechenden Öffnungen den „coronakonformen“ Besuch von Ladengeschäften, Gastrobetrieben und Kulturveranstaltungen.

Der Nachbarlandkreis als Referenzobjekt

„Die Nutzung der App, die von allen Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis kostenlos heruntergeladen werden kann, erlaubt bei Einhaltung aller einschlägigen Corona-Hygienevorgaben eine schrittweise Rückkehr zu einem weitgehend normalen gesellschaftlichen Leben im Landkreis“, betont der Dillinger Landrat Leo Schrell. Der Landkreis selbst muss zunächst nichts zahlen, dient aber gewissermaßen als Referenzobjekt und soll sich für die App in der Wirtschaft – insbesondere in Handel und Gastronomie – stark machen. Das aber ist inzwischen gar nicht mehr nötig, sagt Peter Alefeld, Jurist im Dillinger Landratsamt, der in die Vertragsaushandlungen involviert war. „Als die Wirtschaftstreibenden mitbekommen haben, dass wir an der Luca-App dran sind, war die Nachfrage groß.“

Die App ist natürlich kein Ersatz für einen Corona-Test. Aber sollte beispielsweise der Gast eines Restaurants positiv auf das Virus getestet sein, kann seine digitalisierte Kontakthistorie schnell vom Gesundheitsamt überprüft werden – falls die Anwesenden in dem Lokal über diese App verfügen. Diese Gäste erhielten dann vom Amt eine standardisierte Nachricht auf ihr Smartphone und sind dann informiert darüber, was gegebenenfalls zu tun ist. Damit sei jedenfalls ein Ende der Zettelwirtschaft in Sicht.

Keine Einwände vom Datenschutzbeauftragten

Datenschutzkonform sei es auch nicht zwingend gewesen, wenn Papierlisten zum Eintragen im Eingangsbereich des Gasthauses herumgelegen haben, sagt Alefeld, in der Behörde unter anderem für den Bereich Gesundheit verantwortlich. Der Datenschutzbeauftragte der Dillinger Kreisverwaltungsbehörde habe jedenfalls keine Einwände gegen die Luca-App gehabt.

Wegen der aktuell stark steigenden Fallzahlen im Nachbarlandkreis sei, wie der dortige Landrat Schrell jedoch betont, zunächst davon auszugehen, dass im Landkreis Dillingen bald die „Notbremse“ gezogen werden müsse – was Öffnungen in weitere Ferne rücken lässt. „Es ist schade, dass der Start von Luca damit faktisch verzögert wird“, sagt Alefeld. Geht es wieder in die andere Richtung, „müssen vor allem die Bürger von der Sinnhaftigkeit überzeugt werden“. Öffnungen würden mit einem damit einhergehenden vermehrten Einsatz der Luca-App erst mit einem Abflachen der dritten Welle möglich sein, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes Dillingen.

Im Kreis Günzburg will man noch abwarten

Im Günzburger Kreisgebiet würden die aktuellen Werte dem Einsatz dieser App eigentlich in die Hände spielen. Aber eine Entscheidung, ob eine App zur Kontaktnachverfolgung eingesetzt und welche das sein wird, ist noch nicht gefallen. Man wolle abwarten, bis die Bayerische Staatsregierung sich dazu geäußert habe, hieß es am Donnerstag aus dem Günzburger Landratsamt. Und auch „intern bekommen wir kommende Woche weitere Informationen“, so die Sprecherin, die bestätigte, dass das Günzburger Gesundheitsamt „keine Schnittstelle“ mit der Corona-Warn-App der Bundesregierung habe. Durch sie können also nicht Daten übermittelt werden, die es der Behörde erleichtern, Kontakte nachzuvollziehen und Übertragungsketten zu unterbrechen. Diese App soll aber aufgerüstet werden.

Das Team hinter der Luca-Initiative setzt sich zusammen aus der Nexenio GmbH, entstanden aus dem Hasso-Plattner-Institut und einigen Kulturschaffenden, wie der Band Die Fantastischen Vier.

Bayerns Entscheidung ist bislang nicht gefallen

Seit Ende November ist die App verfügbar und wird auch schon in zahlreichen deutschen Städten und Landkreisen erfolgreich eingesetzt. Um es genau zu machen: Es sind 126 Gesundheitsämter, die momentan Luca nutzen. Das sagt Markus Bublitz, Sprecher des Luca-App-Betreibers. In vier bis sechs Wochen sollen es zwei Drittel aller Gesundheitsämter in Deutschland sein. Das Ziel der Anbieter ist es, dass möglichst auf Bundesländerebene Vereinbarungen getroffen werden. Laut Bublitz sind zwölf der 16 Bundesländer bereits dabei. Es fehlen noch Nordrhein-Westfalen, Thüringen Sachsen und Bayern. Dort sei die Ausschreibungsfrist inzwischen abgelaufen, allein die Entscheidung fehle.

Sollte sich der Freistaat gegen die Luca-App entscheiden, könnten das einzelne Landkreise dennoch in Eigenregie weiterverfolgen. Wie sinnvoll dann so etwas ist, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Testphase dauert in der Regel acht Wochen

Die kostenfreie Testphase ist im Kreis Dillingen jedenfalls angelaufen. Die dauert nach Auskunft des Betreibers „normalerweise acht Wochen“. Und auch im Großraum Augsburg (Stadt und Landkreis Augsburg, Kreis Aichach-Friedberg) soll über Kreisgrenzen hinweg zusammengearbeitet werden – mit der Luca-App. Das hat Aichach-Friedbergs Landrat Klaus Metzger vor einigen Tagen angekündigt.

„Eine schnelle und lückenlose Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten durch eine digitale Lösung ist ein wichtiger Baustein für mögliche Öffnungsschritte“, sagt Hans Reichharts Dillinger Amtskollege, Landrat Leo Schrell.

Die Luca-App kann dazu beitragen, die Kontaktnachverfolgung zu optimieren und Infektionsketten gezielt zu unterbrechen, sagt er. Gleichzeitig sei eine schnelle und verschlüsselte digitale Meldung an das zuständige Gesundheitsamt gewährleistet. (mit zg)

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