Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. "Die Perle aller Pfarrer in Waldstetten"

20.07.2010

"Die Perle aller Pfarrer in Waldstetten"

An Pfarrer Johann Ulrich Mayrhofer erinnert eine Gedenktafel an der Außenwand Waldstetter Kirche, deren Erbauer er war. Foto: Rebekka Jakob
3 Bilder
An Pfarrer Johann Ulrich Mayrhofer erinnert eine Gedenktafel an der Außenwand Waldstetter Kirche, deren Erbauer er war. Foto: Rebekka Jakob
Bild: Rebekka Jakob

Waldstetten Die meisten Kirchenchorsänger unserer Gegend kennen seinen Namen. In vielen Kirchen Schwabens erklingt auch heute noch die deutsche Adventmesse aus der Feder von Johann Ulrich Mayrhofer (1810 - 1857). Aber auch viele andere Kompositionen sind inzwischen wieder aufgetaucht, nachdem im Zweiten Weltkrieg viele Originale vernichtet wurden. Allein sein früher Tod mit 47 Jahren verhinderte, dass Mayrhofer noch größere Berühmtheit erlangen konnte.

Für Waldstetten war der Amtsantritt von Pfarrer Mayrhofer ein großes Glück. Die damalige Kirche war einsturzgefährdet und es galt, schnell zu handeln. Was dieser Priester dann in den nur acht Jahren bis zu seinem Tod in Waldstetten zustande brachte, ist sehr bemerkenswert. Sein Freund und ab 1879 Pfarrer in Waldstetten Georg Meyerle schreibt in seiner Chronik: "Da Ulrich Mayrhofer meist mit vornehmem Stande in Augsburg und Pfersee verkehrte, so gewöhnte er sich einen besonders noblen Ton an, der am Lande ungewohnt war. Ulrich Mayrhofer war die Perle aller Pfarrer in Waldstetten, ein tüchtiger Theologe, ein ausgezeichneter Musiker. Bischof Peter Richarz wollte ihn selbst zum Domkapellmeister in Augsburg machen. Mayrhofer war ein Virtuos im Orgelspiel, ebenso im Klavierspiel, im Königreich Bayern werden ihn wenig Geistliche übertroffen haben, so urteilten kompetente Musiker."

Schon im Herbst 1849 musste die Kirche von Waldstetten wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Das baufällige Gebäude wurde 1851 abgebrochen, um ganz neu wieder aufgebaut zu werden. Um die Finanzierung der Inneneinrichtung kümmerte sich Pfarrer Mayrhofer selbst und legte zusammen mit den Künstlern die Ausgestaltung des neuen Gotteshauses fest. Durch sein unsägliches Bemühen um Opferspenden brachte Mayrhofer eine schöne Ausstattung der Pfarrkirche zustande. Heute zeigt die Kirche allerdings ein anderes Bild, da vieles der Renovierung in den Fünfzigerjahren zum Opfer fiel. Allein die Deckenbemalung im Altarraum lässt die damalige Pracht erahnen.

Im Jahre 1852 entwarf Mayrhofer auch die Disposition der Orgel selbst und übertrug die Ausführung des Werkes an Joseph Bohl aus Augsburg. Auffallend an der 21 Register umfassenden Orgel ist die nahezu gleiche Registerausstattung der beiden Manuale; Prinzipal 8', Gedeck 8', Oktav 4', Oktav 2' sind in beiden Werken ohne große Klang- und Charakterdifferenz vorhanden.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Trotz ständigem Arbeiten des Holzwurms ist die Orgel bis heute in ihrem Originalzustand erhalten. Lediglich die Prospektpfeifen mussten 1817 abgeliefert werden und wurden durch Pfeifen aus Aluminiumlegierung ersetzt. Wie Gottfried Küster in der Chronik zur Wiederweihe von Kirche und Orgel im Jahr 1991 schreibt, ist es dem Umstand zu verdanken, dass die jeweilige "knappe Kasse" die Orgel über die Zeiten gerettet hat. Dank regelmäßiger Wartung ist sie auch heute noch bei allen kirchlichen Anlässen zu hören.

In einem Gottesdienst hat die Pfarrgemeinde Waldstetten am Wochenende ihres berühmten Pfarrers, Kirchenerbauers, Komponisten und Organisten, der in dieser Gemeinde so segensreich gewirkt hat.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren