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Landkreis Günzburg

20.01.2019

Die Schulen brauchen jetzt einen Digitalpakt

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Bild: Bernhard Weizenegger

Die meisten der Einrichtungen im Landkreis Günzburg haben ihr eigenes Medienkonzept, eigene Hard- und Software. In Ichenhausen sind mögliche Wege aus dem Wirrwarr gezeigt worden.

Das leuchtet eigentlich ein: „Digitalisierung an Schulen geht nur gemeinsam.“ So lautete das Thema eines Vortrags- und Informationsabends am Donnerstag in Ichenhausen. Die Praxis sieht aber noch überwiegend anders aus. Die meisten Schulen haben, wenn überhaupt, ihr eigenes Medienkonzept. Und ihre individuelle Hard- und Software. Kaum vernetzt, aber verbunden mit einer Vielzahl von Nachteilen. Das soll sich im Landkreis nach und nach ändern. Mögliche Wege zeigten vier Experten bei der von Schulamt und Medienzentrum organisierten Veranstaltung im Festsaal des Schulmuseums in Ichenhausen auf.

Die digitale Landschaft an den Schulen mag bunt und vielfältig sein. Zukunftsfähig ist sie nach Überzeugung der Referenten nicht. Möglicherweise, so erklärte Jürgen Schlieszeit, Beratungsrektor am Schulamt in Krumbach und Leiter des Medienzentrums in Ichenhausen, seien Gemeinden und Schulen in der Vergangenheit von der raschen Digitalisierung „etwas überrollt worden“. Daher gebe es ein gewisses Durch- und Nebeneinander. Nun sei es an der Zeit, die Dinge zu strukturieren, zu vereinheitlichen und zu zentralisieren. Zum Vorteil aller. Die Stadt Nürnberg ist schon zehn Jahre voraus. Die Vorgehensweise der fränkischen Metropole schilderte der zuständige Amtsleiter Christian Büttner. Ganz wichtig: „Unsere Kunden waren zunächst nicht die Techniker.“ In einer Vielzahl von Workshops seien vielmehr vorab die Verantwortlichen der Schulen befragt worden, was sie brauchen und was sie wollen. Vorrangig im Sinne von Schülern, Eltern und Lehrern. „Die IT-Systeme müssen um den Unterricht herumgebaut werden, nicht umgekehrt“, betonte auch Georg Achterling von der Firma Cancom. Das Unternehmen aus Jettingen-Scheppach hat bereits eine Vielzahl von Schulen entsprechend ausgerüstet.

Es gibt nur noch die digitale Tafel

Anhand der Ergebnisse in den Nürnberger Workshops wurde ein Warenkorb entwickelt, aus dem sich die Schulen je nach spezifischen Anforderungen bedienen können. Der Warenkorb ist bei allen Anschaffungen für die 140 Nürnberger Schulen verpflichtend. Extrawürste werden nicht mehr gebraten. Büttner: „Ich diskutiere nicht mehr.“ Die grüne Tafel ist abgeschafft, es gibt nur noch die digitale. Er frage die Schulleiter auch nicht mehr, „wie viele Steckdosen wollt ihr“. Wird eine Schule neu ausgestattet, sind zudem Fort- und Weiterbildungen für die Lehrerinnen und Lehrer Pflicht.

Die Vorteile des Nürnberger Modells liegen auch nach Überzeugung von Stefan Körner (Firma Prodyna SE), der für das kommende Cloudcomputing warb, und Michael Tuchscherer, dessen Firma Team Tuchscherer Schulen bei der digitalen Umstellung berät und begleitet, auf der Hand: geringere Kosten durch höhere Stückzahlen, für alle Schulen einheitliche und deshalb leicht nutz- und vernetzbare Hard- und Softwaresysteme, ein zentrales Betreuungs- und Fortbildungskonzept sowie ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch, an dem alle Zuständigen mit dem gleichen Wissensstand teilnehmen. Fazit der Experten: Es könne nicht länger sein, dass jede Gemeinde und jede Schule ihr eigenes Ding mache.

Ein gemeinsames Digital-Konzept erstellen

Wie berichtet, war über eine zentral gesteuerte weitere Digitalisierung an den Schulen im Kreis im Schul- und Kreisausschuss am Montag diskutiert worden. In Ichenhausen wiederholten namentlich die CSU-Kreisräte und Bürgermeister Hans Reichhart (Jettingen-Scheppach) und Georg Schwarz (Thannhausen) ihre Forderung nach einem raschen Beschluss, Wege wie in Nürnberg zu gehen. Die Strukturen wären gegeben – über das Medienzentrum in Ichenhausen unter Leitung von Jürgen Schlieszeit.

Wie viel Geld dafür in den Haushalt des Kreises eingestellt wird, sei eher zweitrangig, so die Expertenrunde. Entscheidend sei, dass möglichst bald ein Gremium aufgebaut wird, das die ersten Schritte für ein gemeinsames Digitalkonzept einleitet. Gelinge es dem Landkreis und den Kommunen, ein solches Konzept zu erstellen, werde das Signalwirkung über die Region hinaus haben. Denn eine einheitliche Ausrüstung der Schulen sei nicht nur ein Stück Bildungsgerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Standortvorteil. Vor allem für kleinere Gemeinden. Schlussappell von Tuchscherer: „Sie sind nur in der Gruppe stark.“ Oder, wie Schulamtsdirektor Josef Seibold sagte: „Wir brauchen im Landkreis jetzt einen Digitalpakt für unsere Schulen.“

Lesen Sie hier: "Wer wartet Computer und IT-Geräte an Schulen?"

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