Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Die Schulweghelfer streiken

Ichenhausen

10.11.2018

Die Schulweghelfer streiken

Cornelia Rausch und Heike Lechner tragen die Schutzkleidung als Schulweghelferin nur für dieses Foto. Der Lotsendienst an der Rohrer Straße in Ichenhausen ruht, weil es nicht genügend freiwillige Helfer gibt.
Bild: Irmgard Lorenz

In Ichenhausen suchen die Ehrenamtlichen dringend Verstärkung. Welche Erfahrungen der Bürgermeister mit dieser Aufgabe an der Rohrer Straße gemacht hat.

Cornelia Rausch ist in Sorge um die mehr als 300 Grundschüler in Ichenhausen, vor allem morgens, wenn viele von ihnen die stark befahrene Rohrer Straße überqueren müssen. „Für die Kinder ist es richtig gefährlich“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule, die bis vor Kurzem als Schulweghelferin für mehr Sicherheit gesorgt hat. Seit September lässt sie dieses Ehrenamt aber ruhen.

Auch Heike Lechner zieht seit Beginn des Schuljahres die leuchtend gelbe Warnweste nicht mehr über, die Kelle bleibt im Schrank. Dabei hat sie sich vor sechs Jahren, als ihre Tochter eingeschult worden ist, „die Hacken abgesprungen“, wie sie sagt. Denn damals war der Lotsendienst eingeschlafen, und Heike Lechner unternahm alles, um ihn wieder zu beleben. „Das war ein Knochenjob“, sagt sie. Und es habe nur mit persönlicher Ansprache geklappt: „300 Briefe – keine Rückmeldung.“

Jetzt ist die Situation ähnlich. Nur noch neun Freiwillige sind im Lotsenteam; zu wenige, um den Dienst fünfmal pro Woche morgens aufrecht zu erhalten. Ideal wäre eine Gruppe von etwa 20 Freiwilligen, dann käme jeder nur ein- bis zweimal pro Monat dran, sagen Cornelia Rausch und Heike Lechner. Schweren Herzens haben sie den Schulweghelferdienst seit Beginn dieses Schuljahres auf Eis gelegt. Aber sie waren nicht untätig.

Alle Aufrufe haben fast nichts gebracht

Bei der Schuleinschreibung haben sie die Eltern auf die Misere aufmerksam gemacht und um Unterstützung gebeten. Es gab eine Plakataktion in der Stadt und einen Flyer, der jedem der mehr als 300 Grundschulkinder mit nach Hause gegeben worden ist – es hat fast nichts gebracht. Nur eine Rückmeldung kam, sodass das Grüppchen der Lotsen auf neun Freiwillige angewachsen ist.

„Wir haben den Lotsendienst ausgesetzt, um ein Signal zu setzen“, sagt Cornelia Rausch. Aber von den Eltern sei nichts gekommen. Jetzt warten Cornelia Rausch und Heike Lechner „auf ein Signal der Stadt“. Sollte der Lotsendienst nicht wieder aktiviert werden können, dann hoffen sie wenigstens auf bauliche Maßnahmen, die den Weg über die Rohrer Straße für die Schüler ein bisschen sicherer machen. Denn die Elternbeiratsvorsitzende hat die Situation morgens vor Schulbeginn beobachtet und festgestellt: Autofahrer halten nicht an, um Kinder über die Straße zu lassen.

So viel Sicherheit können weder Ampel noch Zebrastreifen bieten

Was könnte helfen? Eine Ampel? Ein Zebrastreifen? Die geben nur „vermeintliche Sicherheit“, sagt Ichenhausens Bürgermeister Robert Strobel, das sei „eine klare Botschaft der Verkehrsexperten“: So viel Sicherheit wie Schulweghelfer können weder Ampel noch Zebrastreifen bieten. Dennoch werde die Stadt über einen Umbau der Rohrer Straße nachdenken, aber eine schnelle Lösung sei das nicht.

Strobel appellierte in der Bürgerversammlung nicht nur an die Anwesenden, sondern an alle Bürger der Stadt, sich für den Schulweghelferdienst zur Verfügung zu stellen. Weil immer mehr Mütter berufstätig und damit zeitlich nicht mehr so flexibel sind, sei auch die ältere Generation gefragt, sagte Strobel, „geben Sie sich einen Ruck“.

Der Bürgermeister war schon selber ein Jahr im Einsatz

Und ein Nebensatz von ihm ließ aufhorchen: „Selbst Bürgermeister schaffen das“, sagte er. Tatsächlich war der Ichenhauser Bürgermeister schon selber ein Jahr im Einsatz als Schülerlotse in Ichenhausen. „Sehr spannend“ sei das gewesen, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, denn er habe unmittelbar erfahren, welche Herausforderung es ist, nicht nur den Verkehr aus West und Ost auf der Rohrer Straße, sondern auch noch die Autos auf der vom Süden einmündenden Franz-Schubert-Straße im Blick zu haben.

Dazu nennt Strobel eine weitere Erschwernis: Eltern, die im Halteverbot anhalten und ihre Kinder ein- oder aussteigen lassen, machen die Situation noch unübersichtlicher und gefährlicher.

Dennoch hat der Ichenhauser Bürgermeister auch schöne Erinnerungen an seinen Einsatz als Schulweghelfer. „Die ganz positive Reaktion von Schülern und Eltern“ habe ihn öfters erfreut. Und solche positiven Rückmeldungen habe es nicht nur für ihn als Bürgermeister, sondern für das ganze Schulweghelferteam gegeben.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren