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Handel- und Gastro-Serie (5)

04.12.2020

Die "Sonne" in Röfingen: 140 Jahre Familien-Gasthofgeschichte mit Zukunft

Direkt an der Durchgangsstraße in Röfingen liegt der Gasthof „Sonne“ der Familie Osterlehner. Die Kinder Dominik und Bettina führen den Gastronomiebetrieb von den Eltern Ingrid und Georg (von links) in die Zukunft.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die fünfte Generation übernimmt nach und nach die „Sonne“ in Röfingen. Und mit drei Kindern springt auch die sechste im Haus herum. Eines ist den Gästen hier besonders wichtig.

Einzelhändler, Gastronomen/Hoteliers und „Lebensmittelhandwerker“ wie Bäcker und Metzger machen eine Innenstadt und ein Dorf lebendig. Doch schon vor Corona haben viele um die Zukunft gekämpft, vielerorts haben Betriebe mangels Nachfolger schließen müssen. Corona hat die Probleme verschärft. In einer Zeit, in der durch das Virus und seine Folgen Innenstädte und Dörfer weiter auszubluten drohen, will unsere Zeitung einen Kontrapunkt setzen und über die berichten, bei denen die Nachfolge geregelt ist. So heißt unsere Serie auch, der Einfachheit halber auf Überbegriffe fokussiert: „Handel und Gastronomie mit Zukunft“.

Unter der Woche ist der Gasthof „Zur Sonne“ in Röfingen während des November-Teil-Lockdowns ziemlich ausgebucht gewesen. Dank der hier untergebrachten Arbeiter, die in der Umgebung tätig sind, und dem Essen zum Mitnehmen kam die Inhaber-Familie Osterlehner ganz gut über die Runden, wenngleich es natürlich spürbare Einbußen gebe – und vor allem die abgesagten Weihnachtsfeiern ziemlich schmerzhaft seien. Doch seit 140 Jahren gibt es das Haus nun, seit 40 mit Ingrid und Georg Osterlehner an der Spitze und seit Januar 2017 als GbR, als die beiden Kinder Bettina und Dominik gleichberechtigt einstiegen. Und von Corona unterkriegen lassen wollen sie sich nicht – die Familiengeschichte soll weitergehen.

In der "Sonne" in Röfingen führt die Senior-Chefin in der Küche noch das Regiment

Die fünfte Generation ist also dabei, die sechste gewissermaßen auch: Bettina, 35, hat eine neunjährige Tochter, Dominik, 33, hat zwei Jungs im Alter von sechs und vier Jahren. Wie sie seien sie selbst als Kinder im Gasthof „rumgesprungen“. Beide halfen in der Jugend mit, sie etwa beim Zubereiten der Salate, er im Ausschank. Sie lernte später Köchin und Restaurantfachfrau, er machte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann, währenddessen das Interesse am elterlichen Betrieb wuchs.

Und heute kann er das Kaufmännische gut gebrauchen, kümmert er sich doch vor allem ums Büro, wenn er nicht im Service hilft oder an der Rezeption steht – während seine Schwester ebenfalls im Service, aber auch in der Küche arbeitet und für Organisatorisches zuständig ist. Die Eltern können so etwas kürzertreten, wenngleich Ingrid Osterlehner nach wie vor in der Küche, sozusagen, das Regiment führt. Sie freut sich, dass die Kinder frische Ideen einbringen, „nach 40 Jahren ist man halt in machen Dingen schon etwas festgefahren“.

Der Übergang der Generationen kann Stück für Stück erfolgen

Bettina arbeitet gerne mit Menschen und kann im Haus Neues auf den Weg bringen, ihr Bruder findet es toll, Entscheidungen auf kurzem Weg umsetzen zu können. Die Partner der beiden haben aber eigene Berufe, „es ist auch nicht so einfach, Tag und Nacht miteinander zu schaffen“, meint Ingrid Osterlehner. Dadurch, dass sie und ihr Mann sowie die beiden Kinder im Betrieb sind, gibt es für die Gäste immer einen Chef als Ansprechpartner – diese persönliche Note schätzten viele sehr. „Sie freuen sich einfach, wenn man sie mit Namen begrüßt und sich die Zeit nimmt, mit ihnen zu erzählen“, sagt Bettina. Und so kann der Übergang der Generationen Stück für Stück erfolgen.

Der Gasthof "Sonne" in Röfingen
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Wie überall in der Branche ist es auch für die Osterlehners nicht leicht, neues Personal zu finden, wenn sie welches brauchen. Aber jetzt habe man ein junges, engagiertes Team, betont die 64-jährige „Seniorchefin“, die auch Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands ist. Auch indem moderner gekocht wird, soll der Übergang bereitet, sollen jüngere Gäste angesprochen werden. „Aber der Grundstock ist und bleibt eine bodenständige, bezahlbare Küche“, erklärt Dominik Osterlehner.

Gerade jungen Familien bestellen sonntags gerne einen Braten

Was sich im Laufe der Jahre geändert habe: „Die Leute bleiben am Abend nicht mehr so lange unter der Woche“, erzählt Georg Osterlehner, 65. „Sie dürfen ja auch nicht mehr so viel trinken, sonst gäbe es am nächsten Tag Ärger mit dem Chef.“ Aber, ergänzt der Sohn, „wir können uns nicht beschweren“, das Gasthaus sei noch immer ein Treffpunkt. Und auch wenn sich manche Geschmäcker vielleicht änderten: Gerade junge Familien bestellten sonntags gerne einen Braten, zu Hause werde der schließlich kaum noch gemacht.

Ein Problem, was viele sicherlich von diesem Beruf abschrecke, seien die „Bürozeiten ohne Ende“, meint Ingrid Osterlehner. „Die Bürokratie ist ein großes Hemmnis.“ Und angesichts der Einbußen durch Corona – bei ihnen liege das Umsatzminus im Gastronomiebereich in diesem Jahr sicherlich bei gut 50 Prozent – werde es für viele wohl ohnehin keine Zukunft geben. Denn auch wenn der Staat finanziell helfe, gebe es nach wie vor einfach viele Unwägbarkeiten. Wird der Warenansatz angerechnet? Und was ist mit den Kosten für den Steuerberater, über den die Unterstützung beantragt werden muss?

Die Osterlehners aber wollen zuversichtlich bleiben. Und ab nächstem Jahr weiter in ihren Traditions-Gasthof investieren.

Mitmachen Haben Sie auch ein Einzelhandelsgeschäft, sind Gastronom/Hotelier oder „Lebensmittelhandwerker“, haben Ihre Nachfolge geregelt und wollen uns erzählen, wie es bei Ihnen weitergeht? Dann melden Sie sich in der Redaktion – wir sind gespannt auf Ihre Geschichte! Schreiben Sie an christian.kirstges@guenzburger-zeitung.de – wir kontaktieren Sie dann sehr gerne.

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