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Landkreis Günzburg

07.10.2017

Die Sorgenkinder der Region

Der Waldrapp  hat sich bereits ganz verabschiedet. 
Bild: Peter Wieser

Viele der bei uns lebenden Brutvögel gelten als gefährdet. Was die Gründe für ihr allmähliches Verschwinden sind und welche Maßnahmen zur Rettung der Bestände nötig wären.

Mit seiner rockigen Frisur und dem langen gebogenen Schnabel sieht er recht skurril aus. Nur: Im Landkreis Günzburg ist er nicht mehr daheim. Der Waldrapp war einst ein in Europa häufig vorkommender Brutvogel. Durch intensive Bejagung gilt er seit dem 17. Jahrhundert in freier Wildbahn als so gut wie ausgestorben. Mit verschiedenen Schutzprojekten wird seit mehreren Jahren versucht, ihn wieder anzusiedeln.

Das Schicksal des Waldrapps mag sicherlich ein extremes Beispiel sein. Tatsache jedoch ist: Viele der bei uns lebenden Brutvögel gelten inzwischen ebenfalls als gefährdet. Laut dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) habe sich beispielsweise der Rebhuhnbestand in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren halbiert. In Bayern gebe es wohl nur noch zwischen 2000 und 4000 Brutpaare heißt es in einer Pressemitteilung. Von September bis Oktober ist die Jagd auf das Rebhuhn zwar erlaubt, doch in der Region ist das schon seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Erich Frey, Vorsitzender des Jägervereins Krumbach, bringt es auf den Punkt: Was wolle man denn jagen, wenn nichts mehr da sei. Vor Jahren schon hätten die Jäger im Kreis bemerkt, dass die Bestände immer kleiner würden, und frühzeitig aufgehört, diese zu bejagen. „Wir freuen uns über jedes Rebhuhn“, fügt Manfred Borchers, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Günzburg, hinzu. Die Gründe, weshalb das Rebhuhn immer weiter aus seinem Lebensraum verdrängt wurde, sind andere: der massiv zugenommene Maisanbau, intensiv genutzte Wiesen und damit einhergehend eine schwindende Artenvielfalt. „Was wir brauchen, sind artenreiche, nicht gedüngte und feuchte Blumenwiesen“, betont Ottmar Frimmel von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt. Das Gegenteil ist der Fall.

Mehr Insekten, mehr Nahrung

Mehr Pflanzenvielfalt bedeutet: Mehr Insekten und damit mehr Nahrung und Lebensraum für die Vogelwelt. Denn die steht in der Nahrungspyramide nun mal ganz weit oben. Zunehmend wird Land versiegelt und Feldwege asphaltiert. Wo können Rebhühner sonst noch, anstatt an den immer weniger vorhandenen sandigen Plätzen, ihre für sie wichtigen Staubbäder für die Gefiederpflege nehmen? Ähnlich ergeht es der Feldlerche, die ebenfalls immer seltener geworden ist und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat. Abhilfe schaffen bei ihr zumindest sogenannte Lerchenfenster. Dabei handelt es sich um bewusst angelegte Fehlstellen in landwirtschaftlichen Nutzflächen, beispielsweise in Getreidefeldern, auf denen die Vögel nicht nur Lande- und Brutplätze sondern auch genügend Futter vorfinden. Eigentlich ein geringer Aufwand, mit kaum spürbarem Ernteverlust.

Was sagen eigentlich Brachvogel und Bekassine dazu? Beide, vor allem letztere, auch Meckervogel genannt, haben allen Grund zum Meckern: Mit der Trockenlegung von Mooren und Feuchtwiesen schwindet auch deren Lebensraum zusehends. Auf zugepflasterten Parkplätzen oder in großflächig angelegten Monokulturen tun sie sich schwer, Nahrung zu finden. Schuld trägt jedoch nicht allein die Landwirtschaft. Ein ganzes Ursachenpaket trägt zum grassierenden Schwund der Lebensräume dieser Arten bei. Reagieren müsse darauf die Politik. Intelligente Förderprogramme könnten noch mehr dafür sorgen, dass sich die geforderte Blumenwiese neben der dafür etwas kleiner gewordenen landwirtschaftlichen Nutzfläche genauso lohnt. Mit Grünstreifen als Abstand zu Wegen und Gewässern, die zudem Rückzugsmöglichkeiten bieten, hat man schon viel gewonnen, ist sich Frimmel sicher.

Hunde gehören an die Leine

Aber auch jeder einzelne steht mit in der Verantwortung, speziell beim Freizeitverhalten. Querfeldein durch Wald und Wiese zu joggen oder zu radeln, sollte tunlichst vermieden werden, sagt Frimmel. Was im Frühjahr, gerade während der Aufzuchtzeit, wichtig ist, gilt auch im Herbst: Bleibt man auf den Wegen, wird kein Tier gestört – denn darauf haben sie sich eingestellt. Dass Hunde an der Leine geführt werden sollten, verstehe sich ebenfalls.

Nicht Heulen, sondern etwas tun, sei die Devise. Immerhin seien in der Region in der Vergangenheit einige Feuchtflächen und Biotope entstanden. „Viele Arten sind zwar gefährdet, aber sie sind noch nicht weg“, sagt Frimmel. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müsse man weiterhin am Ball bleiben.

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