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Ichenhausen

27.01.2020

Die Stuckdecke im Unteren Schloss bröselt

Jagdgöttin Diana stützt die Stuckdecke im Festsaal des Unteren Schlosses. Dort sind kleine Partikel abgeplatzt, der Saal wurde gesperrt.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Plus Die Stadt Ichenhausen hat den Festsaal vorübergehend geschlossen. Farbabplatzungen und Risse werden überarbeitet. Was ist die Ursache?

Die Reinigungsfrauen waren aufmerksam. Gipsbröselchen und kleine Farbbröckchen haben sie nicht einfach vom Holzparkett im Festsaal des Unteren Schlosses gewischt, sondern sofort das Bauamt der Stadt Ichenhausen informiert. Eine Fachfirma wurde umgehend eingeschaltet, um etwaige Schäden an der kostbaren Stuckdecke im Festsaal festzustellen und zu beheben.

Stadtbaumeister Adolf Stapf gibt Entwarnung: „Wir haben kein statisches Problem“, sagt er, „die Untersuchung war fast mehr Arbeit als die Reparatur." Fast ein Drittel der Fläche im zweiten Obergeschoss des Ende des 17. Jahrhunderts erbauten Unteren Schlosses nimmt der zentral gelegene, nahezu quadratische, Festsaal ein. Die Stadt nutzt ihn nicht nur für besondere offizielle Anlässe, sondern auch für Konzerte und Lesungen. Blickfang im Festsaal sind neben dem stadtgeschichtlich bedeutsamen Gemälde „Huldigung der wiedervereinigten Ortsteile“ von 1784 die imposanten Portale, die in den Saal und die dahinterliegenden beiden Räume führen – und vor allem die Stuckausstattung.

Jagdgöttin Diana scheint die Decke zu stützen

Wer durch die Doppelflügeltür den Festsaal betritt, blickt direkt auf den Stuck-Kamin an der gegenüberliegenden Wand. Die von vier Hunden flankierte Jagdgöttin Diana krönt ihn und scheint gleichsam die Decke des Saals zu stützen. Wie ein mächtiger Bilderrahmen rahmt der Stuck die Decke des Festsaals. Stuckierte Kindergestalten symbolisieren in vier Eckmedaillons die vier Jahreszeiten. An der Decke des Festsaals sind Muscheln zu entdecken, Putten, Lorbeer- und Eichenbündel und, so berichten Bernt von Hagen und Angelika Wegener-Hüssen in der Reihe Denkmäler in Bayern, „antikisierende Akanthusblätter, aus deren Knospen teilweise weibliche Büsten sprießen“.

Während das Innere des 1697 von Franz Marquard vom Stain und seiner Ehefrau Maria von Freyberg erbauten Schlosses immer wieder umgestaltet worden ist, blieb der Festsaal im zweiten Obergeschoss „weitgehend erhalten“, wie Stadtarchivarin Claudia Madel-Böhringer in der zweibändigen Ichenhauser Stadtchronik schreibt. Die Deckenstuckaturen werden auf die Zeit zwischen 1715 und 1720 datiert, ihr Schöpfer könnte der Graubündener Gaspare Mola gewesen sein.

In den 80ern wurde das Schloss gründlich saniert

Anfang der 1980er-Jahre hat die Stadt das Untere Schloss innen und außen gründlich saniert. Damals ging es laut von Hagen und Wegener-Hüssen unter anderem um gravierende Schäden bei den Fundamenten vor allem an der Westfassade, und auch von einem „starken Durchhängen der Decke des Festsaales“ schreiben der Kunsthistoriker Bernt von Hagen und die Archäologin Angelika Wegener-Hüssen in Denkmäler in Bayern. Das Durchhängen der Decke habe sich jedoch später als „unproblematisch“ erwiesen, heißt es in Band 91/1 von Denkmäler in Bayern, der sich mit dem Landkreis Günzburg beschäftigt.

Prachtvoller Renaissancebau: Franz Marquard vom Stain und seine Ehefrau Maria von Freyberg haben das Untere Schloss in Ichenhausen 1697 erbauen lassen.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Kein allzu großes Problem sind wohl auch die kürzlich festgestellten Schäden an der Stuckdecke im Festsaal. Auch, wenn die von den Reinigungsfrauen entdeckten Teilchen auf dem Boden fast als winzig bezeichnet werden können – Stapf spricht von einer „Größenordnung von zwei Millimetern“ – , wollte die Stadt Ichenhausen die Angelegenheit aber nicht als Kleinigkeit abtun.

Eine gründliche Untersuchung

Unverzüglich, noch vor Weihnachten, wurde nach Auskunft von Stefan Blösch vom Stadtbauamt eine Fachfirma eingeschaltet und gleichzeitig bei der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Günzburg die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für die notwendigen Arbeiten beantragt. Mitte Januar wurde dann die Decke nicht nur im Festsaal im zweiten Stock des Unteren Schlosses gründlich untersucht, sondern auch in den beiden an der Südseite angrenzenden Giebelzimmern. Die Untersuchung war gründlich, wie Stadtbaumeister Stapf versichert, nicht nur der Stuck wurde inspiziert, sondern auch dessen Unterkonstruktion und die Deckenbalken. An weniger als zehn Stellen, „ziemlich verteilt“, laut Stapf, habe die Fachfirma Abplatzungen und Risse festgestellt, die so klein sind, dass man fast von „Haarrissen“ sprechen müsse.

Farbabplatzungen gab es nach Auskunft von Stefan Blösch an Stellen, wo handgeschlagene, aufgeraute Latten als Träger des Stucks mit Nägeln an der Decke befestigt sind. Die Nägel waren korrodiert, der Rost hatte die Überdeckung, also den Stuck, gesprengt, sodass kleine Farb- und Mörtelpartikel zu Boden rieselten. Der Stuckateur legte solche rostigen Nägel frei, indem er etwa zwei Zentimeter große Löcher um sie herum machte, um die Nägel zu entrosten. Diese Arbeiten sind mittlerweile fast abgeschlossen.

Zur Höhe der Kosten wird noch nichts gesagt

Jetzt muss noch mit Farbe nachgearbeitet werden und alles trocknen, dann können der Festsaal und die beiden angrenzenden Räume, die seit Weihnachten aus Sicherheitsgründen ebenso wie für die Untersuchung und Restaurierung der maroden Stellen gesperrt waren, wieder für Veranstaltungen genutzt werden.

Über die Höhe der Kosten für Untersuchung und Restaurierung der Stuckarbeiten kann Stadtbaumeister Adolf Stapf noch nichts sagen, Zuschüsse seien voraussichtlich nicht zu erwarten.

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