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Kemnat

08.01.2019

Die Theaterfreunde betätigen sich als Autoren

Das Stück „Dia ibr Grenza gand“ feierte in Kemnat nicht nur Premiere, sondern auch Uraufführung: Die Kemnater Theaterfreunde haben es selbst geschrieben.
Bild: Manuel Amort

Weil sie kein passendes Stück fanden, griffen die Laienspieler selbst zur Feder. Das ist dabei heraus gekommen.

Die Theaterfreunde Kemnat haben sich in diesem Jahr etwas besonderes einfallen lassen: Weil es immer schwieriger wird, einen passenden Text für eine Laienbühne zu finden, haben sie kurzerhand den Stift in die Hand genommen und ihr Stück selber geschrieben. Herausgekommen ist eine kurzweilige Geschichte, die ebenso spannend wie dramatisch, aber immer auch lustig ist. Man darf lachen und fiebern und muss bis zum Ende aufpassen, denn die Lösung ergibt sich erst zu Schluss. Musikalisch umrahmt von der Ballade von Mecki Messer, die Heidi Stadie live mit neuen Texten singt, entfaltet sich vor dem Zuschauer ein vielschichtiges Spiel um Geld und Liebe.

„Dia ibr Grenza gand“ erzählt eine Geschichte, die oben auf dem Berg in einer zugigen Hütte spielt. Franz Bader, Autor, einer der Hauptdarsteller, Spielleiter und Bühnenbildner in einer Person, hat eine wunderbar stimmige Kulisse auf die Bühne gezaubert, die von Reinhold Seibold immer wieder ins passende Licht gerückt wird. Mit liebevoll ausgesuchten Kostümen (Gertrud Seibold), stilistisch und farblich abgestimmt, wird die ärmliche Hütte mit ihren Besuchern zum Augenschmaus. In ihr agieren die Laiendarsteller leicht, aber konzentriert, immer in kompromisslosem Schwäbisch, was bei manchem „Reigschmeckta“ durchaus zu Verständnisproblemen führen kann.

Der Alte hat ein düsteres Geheimnis

Das Stück „Dia ibr Grenza gand“ rankt sich um die drei Hauptpersonen: Hinke, dem selbst ernannten Patron, der seine Helfer und Helfershelfer mit Jovialität, kleinen Geschenken und großen Versprechen bei Laune hält und mit Schmuggel und Wilddieberei sein Vermögen macht. Der Alte hat wohl ein düsteres Geheimnis und auch seine Frau, die schöne, junge Marie, hat einiges zu verbergen.

Zur Dreiecksgeschichte wird die Schmugglerballade durch Hans, den neuen Oberzöllner, Maries „Hans von damals“. Mit ihm ändert sich alles auf dem Berg: Aus dem selbstgefälligen Hinke wird ein Verunsicherter, der erkennen muss, dass die Warnung seiner Helferin Wilma, „Der Feind kommt näher“, kein ängstliches Weibergeschwätz, sondern bittere Realität ist. Und es stellt sich die Frage: Wird Hinke sein letztes großes Geschäft über die Bühne bringen und mit Marie in die Stadt gehen können? Oder wird Marie Hinke verlassen und den Verlockungen des zurückgekehrten einstigen Geliebten erliegen? Und wie sieht ein Happy End aus? Der Zuschauer ist aufgefordert, genau hinzusehen und genau hinzuhören, dann entpuppt sich hinter der plakativen Lösung ein raffinierter Plan.

Franz Bader, Viviane Ostermeier und Johannes Bader ergeben ein kongeniales Trio, in dem es ihnen gelingt, die vielen Facetten ihrer Bühnencharaktere glaubwürdig und spannend in Szene zu setzen. Für die heiteren Seiten des Stücks kommen die Schmuggler Ambros und Ignaz (Manfred Stanzel und Roman Müller) ins Spiel, die Hinkes Aufträge erledigen, während es die Grenzer (Willi Demel und Hans Schnabel) mit den ihnen auferlegten Pflichten nicht so genau nehmen und auf ihren Patrouillengängen gerne eine Ruhepause mit üppiger Brotzeit beim Schmugglerkönig einlegen. Wilma, Erna und Fanny (Susi Schnabel, Elisabeth Demel und Valeska Kuhn), die „Damen vom Transport“, müssen in schöner Regelmäßigkeit „dau rauf schnaufa“, denn ohne die Einnahmen aus ihrem illegalen und heimlichen Warentransport würde es schwer stehen um die Ernährung ihrer Familien. Ihre wohlverdienten Ruhepausen in der Hütte wollen sie sich auch durch Maries Launen nicht verderben lassen. Da kann ihnen deren Mutter Zenz (Heidi Stadie) schon eher die Freude an der Geselligkeit verderben, wenn die energische Dame grundsätzlich überraschend auf dem Berg auftaucht.

„Dia ibr Grenza gand“ ist ein Stück, in dem Menschen immer wieder an Grenzen kommen, und sie immer wieder Grenzen überschreiten: lokal und moralisch. Schmuggler, die es sich zur Profession gemacht haben, staatliche Abgaben zu umgehen. Aber auch Grenzer, die ihre Familien mit dem Staatssold nicht ernähren können: Rechtschaffene Männer, die für ihre kleine Welt das Beste wollen und sich dafür korrumpieren. Herrlich Willi Demel als altgedienter Zöllner, der seinen jungen Kollegen (Hans Schnabel) in die Raffinessen des Berufs einführt. Schließlich die Frauen, die pragmatisch denken, die ihre Kinder ernähren müssen und sich dort ihren Lebensunterhalt verdienen, wo sie ihn bekommen können. Und Mutter Zenz, die überhaupt keine Grenzen zu respektieren scheint, und mit ihren polternden Auftritten ein Garant für Lacher ist.

Es gibt noch eine Zusatzvorstellung

Ein Stück zum Lachen, zum Nachdenken, zum Genießen. Dargeboten von hervorragend eingestimmten Schauspielern.

Alle regulären Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Deshalb gibt es nun am Sonntag, 13. Januar, um 18 Uhr eine Zusatzaufführung. Karten unter 0157 / 817 622 87, täglich 18 bis 20 Uhr. (zg)

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