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19.02.2015

Die Tücken der Vollbeschäftigung

Noch sind Agentur für Arbeit und das Jobcenter des Landkreises Günzburg unter einem Dach. Mitte März zieht das kommunale Jobcenter in seine neuen Räume im Landratsamt um. An den Aufgaben ändert sich jedoch dadurch nichts.
Bild: Bernhard Weizenegger

Im Landkreis Günzburg steigt die Zahl der Beschäftigten, gleichzeitig sind nur knapp 2000 Menschen ohne Job. Warum es für sie immer schwerer wird

Es geht steil bergauf: Das Diagramm, das die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Günzburg in den vergangenen zehn Jahren zeigt, macht einen großen Bogen nach oben. 47 882 Menschen hatten hier im vergangenen Jahr einen Job, das sind knapp 7200 mehr als noch vor zehn Jahren. Die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent. Doch die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Günzburg machen diese positiven Zahlen nicht gerade arbeitslos – denn für die knapp 2000 Menschen, die sich nicht in diesen Zahlen wiederfinden, wird die Vermittlung zunehmend schwerer. Und auch die Unternehmen haben es nicht leicht, ihre Stellen zu besetzen.

Im Schnitt dauert es 83 Tage, die Stellen, die bei der Agentur für Arbeit im Landkreis Günzburg gemeldet werden, zu besetzen. Leicht gestiegen ist auch der Bestand der Stellen, 864 waren es im vergangenen Jahr, bei denen die Besetzung länger gedauert hatte. „Das ist ein klarer Indikator für Fachkräftemangel“, sagt Franz Zwingmann, der seit November die Dienststelle in Günzburg leitet.

Meistens sind diese Stellen jedoch kein Fall für die Kunden des Jobcenters, das dem Landkreis Günzburg unterstellt ist. Die Vorsitzende der Agentur für Arbeit Donauwörth, Claudia Wolfinger, sagt: „Man kann sagen, hier im Landkreis herrscht Vollbeschäftigung. Doch je weniger Arbeitslose ich habe, desto schwieriger sind die Fälle, die tatsächlich übrig bleiben.“ Das kommunale Jobcenter, so sieht es Leiter Ralf Schreyer, muss sich deswegen in den meisten Fällen weniger mit der Arbeitsvermittlung, als mit der Vermittlung der Arbeitsfähigkeit befassen: der Überwindung gesundheitlicher Probleme beispielsweise, aber auch psychischer Hemmnisse. Doch auch das Jobcenter kann positive Zahlen vorweisen: Mit einer Arbeitslosenquote von 1,0 Prozent liegt die Günzburger Einrichtung in Bayern mit an der Spitze.

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Eine Änderung wird es demnächst für die Kunden des Jobcenters geben, sagt Landrat Hubert Hafner: „Wir wollten ja, dass alle Bereiche für Soziales unter ein Dach kommen – deswegen steht nun der Umzug des Jobcenters an.“ Am 12. und 13. März wird das Jobcenter deshalb nicht erreichbar sein, damit die Mitarbeiter nach dem Umbau ins Landratsamt umziehen können. Viele Akten wird es dabei nicht zu tragen geben, denn die Behörde hat längst auf die sogenannte elektronische Akte umgestellt.

Barrieren und Mauern bauen sich auf

Nach wie vor schwer haben es auf dem Arbeitsmarkt Menschen über 50 und Schwerbehinderte. Claudia Wolfinger: „Ich habe oft das Gefühl, dass sich eine Mauer aufbaut, sobald ich einem Arbeitgeber gegenüber von Schwerbehinderung spreche.“ Die Beschäftingungsquote von fünf Prozent werde in den Betrieben bei weitem nicht erfüllt, nur öffentliche Einrichtungen wie das Landratsamt schafften diese Quote. „Und das trotz der Förderungen, die es hier gibt“, sagt Wolfinger.

Ähnlich große Barrieren sieht sie für Arbeitssuchende, die älter als 55 Jahre sind. „Das sind nach den aktuellen Rentenregeln Menschen, die noch zwölf Jahre Arbeitsleben vor sich haben, also eine ganze Menge Zeit.“ Mittlerweile mache diese Altersgruppe fast 40 Prozent der Arbeitslosen aus, ihre Vermittlung werde nicht einfacher.

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