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Historisches Fest

20.07.2013

Die Wächter von Burgau

Einmal im Jahr schlagen die Stadtsoldaten bei einem Mittelalterfest in der Region ihr Lager auf.
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Einmal im Jahr schlagen die Stadtsoldaten bei einem Mittelalterfest in der Region ihr Lager auf.

Die Stadtsoldaten sorgen beim Historischen Fest für Recht und Ordnung. Sie patrouillieren durch die Markgrafenstadt und lassen die Besucher am Lagerleben teilhaben. Doch manche enden auch am Pranger.

Eine feste Größe beim Historischen Bürgerfest Burgau sind seit Jahren die Stadtsoldaten. Heuer schlagen sie ihr Lager im Hof des Binderwirts auf, nur einen kurzen Fußmarsch entfernt von den Wachhäuschen am Stadttor, wo sie ihren Aufgaben als Stadtwache nachkommen werden. Dieses Mal sind sie außerdem das Gesicht des Bürgerfests, denn drei wackere Stadtsoldaten zieren alle Plakate und Handzettel. Bei einer Lagerbesprechung kurz vor dem historischen Bürgerfest waren Horst Tippel, Markus Heindl und Jürgen Paluk die Vorfreude schon deutlich anzumerken.

In voller Truppenstärke, das sind momentan 30 Mann, wollen sie fünf Tage lang für Recht und Ordnung sorgen, Wache schieben, Patrouillengänge durch die dann mittelalterliche Markgrafenstadt Burgau durchführen und Besucher am Lagerleben teilhaben lassen. „Verkauft wird bei uns nichts“, sagt Horst Tippel. Die tapferen Männer, die sich zeitlich im späten Mittelalter vom 14. bis Ende 15. Jahrhundert ansiedeln, wollen lieber zeigen, wie damals gelebt und gearbeitet wurde.

Zum Lagerleben gehört deshalb das geräumige Rundzelt, eine Küche mit offenem Feuer, ein großer Tisch für das gemeinsame Mahl der Stadtsoldaten und – heuer ganz neu – ein Badezuber. Es wird gemunkelt, dass ein Badezuber nötig wurde, nachdem etliche Stadtsoldaten das mittelalterliche Leben überaus ernst nahmen und während der fünf Festtage vor vier Jahren gar nicht mehr nach Hause gingen.

Die Wächter von Burgau

Gegessen wird im Lager alles, was auf offenem Feuer zubereitet werden kann. Eintöpfe, aber auch ein knuspriges Spanferkel. Riecht es allzu lecker, müssen die Stadtsoldaten durchaus zum Absperrband greifen, um forsche Besucher abzuhalten, denn verköstigt werden nur die Stadtsoldaten. In deren Gefolge finden sich ihre Frauen, Freundinnen und Kinder. Ein Feuerspucker und Koch Bertram haben sich ebenfalls angeschlossen. Bewaffnet ist jeder Stadtsoldat mit einer Hellebarde und einem Dolch oder Messer am Gürtel. Außerdem besitzen sie Kanone und Armbrust. Zu spaßen ist mit ihnen also nicht unbedingt. Schließlich haben sie auch Schandgeige, Pranger und Gefangenenwagen. Dem Vernehmen nach sind die ersten Steckbriefe schon gedruckt. „Die Verhandlungen über die Auslöse enden meist in Form von Naturalien“, verrät Jürgen Paluk, der vielleicht als Vereinskassier die Finanzen für die Verköstigung ganz besonders im Blick hat.

Vor gut einem Jahr wurde der Verein Stadtwache Burgau e.V. – Stadtsoldaten gegründet. Vorsitzender ist Horst Tippel. Er erklärt, dass die Stadtsoldaten aber schon viel länger aktiv sind. Sie gehören seit Jahrzehnten am Rosenmontag mit ihren rot-weißen Gardeuniformen zum Trommler Albert und der Kinderbrotspeisung.

„Nach dem historischen Fest 2005 war dann Schluss mit den Faschingskostümen“, erzählt Horst Tippel. Jeder Soldat ließ sich ein Gewand aus Tuch oder Leder schneidern, Farbe und Schnitt sind im Großen und Ganzen vorgegeben. Bezahlen muss es jeder selbst. Stellvertretend für die 30 Stadtsoldaten im Alter von 21 bis 45 Jahren aus Burgau und Umgebung beantwortet Markus Heindl, die Frage nach dem Reiz dieses Hobbys: „Ich habe Spaß am mittelalterlichen Lagerleben, so ganz weit weg von unserem Alltag.“ Eben kein Handy in der Hosentasche, begründete Notfälle sind ausgenommen, keine Armbanduhr, wenn doch die Kirchturmuhr in Sicht- und Hörweite ist, keine Scheinwerfer, sondern Kerzen und Fackeln.

Jedes Jahr nehmen die Stadtsoldaten an einem historischen Fest in der Region teil, pflegen Lagerleben und Geselligkeit, aber auch so manche Fehde mit anderen Gruppen wie dem Frundsberg Fähnlein Mindelheim. Die Rangordnung ist ganz einfach geregelt. Hauptmann Rainer Miehle wechselt sich mit Christian Moravec ab, die anderen marschieren als Fußvolk und erfüllen bei der Wachablösung und dem Zapfenstreich die Befehle.

Das Jahr über trifft man sich einmal im Monat zum Stammtisch und tüftelt an Verbesserungen und Neuerungen. Ein Bogenschießstand zum Beispiel ist in Planung, der Erwerb von Faustfeuerwaffen oder ganz praktisches wie der Bau von Holztruhen als Sitzgelegenheit. „Dann haben die Strohballen ausgedient“, freuen sich die drei Stadtsoldaten und man merkt ihnen an, dass in ihren Köpfen das Stadtsoldaten-Lager im Binderwirthof schon längst Gestalt angenommen hat.

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