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Günzburg

07.08.2017

Die etwas andere Schlafmusik

Standesgemäß kamen Karsten Menzinger (58) aus Mainhardt, Wolfgang Losert (50) aus Gärtringen und Gebhard Fischer (53) aus Salzstetten zum Konzert.
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Standesgemäß kamen Karsten Menzinger (58) aus Mainhardt, Wolfgang Losert (50) aus Gärtringen und Gebhard Fischer (53) aus Salzstetten zum Konzert.
Bild: Peter Wieser

Mit Barock endete am Samstag das Rogz Open 2017. Was die Fans zur AC/DC-Tribute-Band gezogen hat und warum an diesem Abend Erinnerungen geweckt werden.  

Drei Tage lang Rock vom feinsten: Am Donnerstag und am Freitag hatten schon Bonfire und Helter Skelter beim Rogz open 2017 den Schlossplatz beben lassen. Für den Samstag hatte sich Barock, die wohl beste AC/DC-Tribute-Band angekündigt. Kaum jemand dürfte den Australiern so nahekommen wie die fünf Profi-Musiker aus Nürnberg stammenden Cover-Band.

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Samstag kurz nach 19 Uhr: Der Schlossplatz füllt sich langsam, aber sicher. Als Vorband heizt „Mission Rock’n Roll“ aus Thannhausen schon einmal mächtig ein. Guter alter Rock, ehrlich und handgemacht, von „Poison“ (Alice Cooper) bis zu den „Warriors oft he World“ (Manowar). Bei „La Grange“ (ZZ Top) denkt man unwillkürlich an die amerikanischen Männer mit ihren langen Bärten. Die Stimmung ist bestens. Unter den Besuchern ist auch Monika Wiesmüller-Schwab. „Die Musik ist einfach gut“, trifft es die stellvertretende Landrätin auf den Punkt. Was tatsächlich auffällt, ist das Publikum: Fast alle befinden sich im „Mittelalter“, ab 40 Jahren aufwärts – und bis zum Auftritt von Barock werden gerade diese Fans immer mehr. Ihr Blick ist bereits auf die riesige „Hell Bell“ über, auf die vier Kanonen auf und auf die „Rosie-Gummipuppe“ vor der Bühne gerichtet.

Fans in Schuluniformen

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Warum geht man zu Barock, vor allem wenn man schon um die 50 ist? Die Antwort ist einfach: Es ist der Rock’n Roll, mit dem man aufgewachsen ist. Und dass Barock eine Coverband ist, das stört keinen. Schon gar nicht die beiden Fans im Angus-Young-Outfit, in Schuluniform, weißen Tennissocken und den Gibson-Holzgitarren: Karsten Menzinger (51) aus Mainhardt bei Schwäbisch Hall und Gebhard Fischer (53) aus Salzstetten bei Freudenstadt, die zusammen mit Wolfgang Losert (50) aus Gärtringen bei Böblingen extra nach Günzburg angereist sind drei ganz eingefleischte Fans. „Ich hör’ AC/DC seit dem 15. Lebensjahr“, sagt Gebhard Fischer. Nur den Bon Scott, den habe er nicht mehr live erlebt. Barock seien eben die Besten, weil sie alles von AC/DC spielten.

Claus Affeld (55) aus Jettingen ist mit seiner Tochter Anne (31) da. „Die beste Musik aller Zeiten“, sagt Anne und vor allem sei es die, die der Papa hört und schon immer gehört hat. „AC/DC ist die Schlafmusik aus meiner Kindheit. Da hat schon der Schnuller vibriert“, fügt Anne lachend hinzu. „Ich bin zwischen 50 und 60“, mehr will Robert Kaiser aus Burgau nicht mehr verraten. Gekommen sei er, um mit AC/DC, oder vielmehr mit Barock, die guten alten Zeiten wieder zu erleben und um die „alten Säcke“ von früher auf einem Haufen mal wieder treffen“, sagt er scherzend. Und außerdem: Der Angus Young sei, so wie er sich schon damals auf der Bühne bewegt habe, als Rockmusiker etwas ganz außergewöhnliches. Und seine Frau Gerlinde (56)? „A bissle“ gefalle ihr AC/DC schon, zwar nicht alles. Aber trotzdem sei sie mit ihrem Mann mitgekommen. Sebastian (22) und Christina (17) aus Bibertal dagegen sind zwei der relativ wenigen jüngeren Fans. Für sie sei die AC/DC und Barock fast wie eine Rückreise in alte Zeiten.

Feuerbälle über der Bühne

„Rock’n Roll Damnation“ und „Back in Black“: Inzwischen röhrt Grant Forsters Stimme – kaum zu unterscheiden von AC/DC-Sänger Brian Johnson – über den Schlossplatz. Leadgitarrist Eugen Torscher hüpft über die Bühne wie der leibhaftige Angus Young höchstpersönlich. Bei „Bad Boy Boogie“ entledigt er sich seiner Schuluniform und streckt den Fans für einen kurzen Moment sein Hinterteil entgegen. Zu „Hells Bells“ fährt die große Glocke von der Bühnendecke herunter und als „For those about to Rock“ ertönt, spucken die vier Kanonen abwechselnd Feuerbälle über die Bühne.

Die Fans singen „She’s got the Jack“, tanzen mit oder genießen ganz locker mit ihrem Bier oder der Cola in der Hand das Gewitter aus Schwermetall und satten Rock’n Roll, das von der Bühne herabdonnert. Trotzdem ist alles ganz entspannt und friedlich.

„Die Band ist saugut. Ganz nahe am Original“, sagen Peter Gillitzer (50) und Brigitte Balzer (49) aus Gerstetten. Das sind „Freiheit und Musik“, die sie mit ihrer Jugend verbinden. Nach gut zwei Stunden extremer Power und zwei Zugaben dürfen die Fans wieder herunterfahren. Grant Forster, Eugen Torscher, Wolf „Baba“ Hail, Nick Young und Erwin Rieder verneigen sich ein letztes Mal.

„Die Band ist einfach der Wahnsinn“, meint Peter Weißenhorner aus Röfingen am Ende. „Es wär’ jammerschad’, wenn sie nicht mehr kommen würden.“ Immerhin spielte Barock am Samstag bereits zum sechsten Mal in Günzburg. Seine Gibson-Holzgitarre hat Gebhard Fischer aus Salzstetten übrigens immer noch auf dem Rücken: „Wenn es AC/DC mal nicht mehr gibt, dann gibt es immerhin noch Barock. Halt als Ersatz“, meint er und grinst.

Sicher ist eines: Veranstalter Joe Jaitner, inzwischen ebenfalls schon 60, hat am Samstag mit Barock und auch mit Mission Rock’n Roll voll ins Schwarze getroffen.

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