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Ruhestand

20.05.2015

„Die kompetente Frau der Grundschule“

Beim Abschied (von links): Willy Leopold (Regierung von Schwaben), Evelyn Schier (Schulamtsdirektorin), Klaus Mader (Schulleiter), Ursula Seitz (Schulamtsdirektorin), Josef Seibold (Schulamtsdirektor) und stellvertretende Landrätin Wilhelmine Waltenberger-Olbrich.
Bild: Helmut Kircher

Für Schulamtsdirektorin Ursula Seitz gab es bei ihrer Verabschiedung einen Nachmittag lang viele rote Rosen

Einer, der gar nicht da war, brachte das Abschiedsevent auf den Punkt: Der kleine Janick, der seiner geliebten Lehrerin Ursula Seitz bei ihrem Weggang von der Grundschule Südost in krakeliger Schrift bekannte: „libe frau seitz, du felst mir so, bisst aber noch in meinem herzen und das wird lange so bleiben!“ Am Montag wurde Ursula Seitz in den Ruhestand verabschiedet, nach über 40-jähriger Lehrer- und sechsjähriger Dienstzeit als Schulrätin und Schulamtsdirektorin.

Man sollte nicht glauben, zu wie vielen Wortschöpfungen, Variationsmöglichkeiten und Herzblut beinhaltender Linguistik der lapidare Begriff „gut“ in Anspruch genommen werden kann. Der Barocksaal im Ichenhauser Schloss jedenfalls konnte ihm kaum standhalten, dem eigenschaftswörtlichen Tsunami, der, ausgelöst vom Lehrer-Kollegen-Vorgesetzten-Verbund, ungebremst über die Ruhestandskandidatin hereinbrach.

Als durchaus willkommene Unterbrechung der Lobeswallfahrt erwiesen sich die locker dazwischen gemischten Musikbeigaben der Mittelschule Ichenhausen, die sensibel animierende Abschiedslyrik, vorgetragen von Lehrerkolleginnen oder ein Landkreislehrerchor, der in Wort und Stimme gefassten Vergangenheitszauber intonierte: „Lange Zeit sind wir mit dir gegangen.“ Nicht zuletzt mischte das musik-kabarettistische Trio „d’Lehrer“, spitzbübisch und frech, Kompetenz-Strategieplanung und Ministeriumsweisheiten auf: „Wie stellen wir uns ein Nichts vor?“

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Den Reigen der Lob- und Danksager eröffnete Schulamtsdirektorin Evelyn Schier, eine langjährige Weg- und Aufstiegsbegleiterin, mit der Überbringung des „amtlichen Danke“ für „sechs Jahre persönlicher, menschlicher Begegnung im Schulamt“, für eine beeindruckende Vielfalt im Engagement (SOS Kinderdörfer) und die persönliche Zugewandtheit zu Schülern, Eltern und Lehrern. Ein „dickes, fettes Dankeschön“ überbrachte Willy Leopold im Namen der Regierung von Schwaben, für moderne, wertschätzende Schulaufsicht und zuverlässige Kollegialität und Professionalität. So viel Power und Elan hätte man „in solch einem Persönchen“ gar nicht vermutet, bekannte stellvertretende Landrätin Wilhelmine Waltenberger-Olbrich: „Sie war eine besondere Erziehungspersönlichkeit, die kompetente Frau der Grundschule“, deshalb sei ihr der Landkreis zu großem Dank verpflichtet.

Allmählich machte sich im Saal zunehmend Rot bemerkbar. Alle bisherigen Wortbeiträge nämlich endeten mit der Überreichung roter Rosen oder ließen diese zumindest von Hilde Knef regnen. Als vierter Redner werde es allmählich schwer, der Wortauswahl etwas Neues hinzuzufügen, bemerkte unumwunden Schulamtsdirektor Josef Seibold, Ursula Seitz’ direkter Vorgesetzter, und brachte deshalb die Rede auf eines ihrer Lieblingsthemen, den Neubau der Grundschule Südost in Günzburg. „Maßgeblich beteiligt“ sei sie am Neubau gewesen, habe die Schullandschaft entscheidend mitgeplant und mitgeprägt, bis es endlich an höherer Stelle verkündet wurde: „Jetzt bauen wir der Uschi eine neue Schule.“

Viel mehr sei sie gewesen als nur eine Vorgesetzte, meinte Klaus Mader im Namen aller Landkreisschulleiter. Als er sie am Beginn ihrer Schulamtslaufbahn zum ersten Mal in Augenschein nahm, so gibt er zu, habe er das seltsame Gefühl gehabt: „So eine nette Frau – und geht an die Schule!“ Dieses Gefühl, klar, habe sich grundlegend gewandelt: „Wir werden dich vermissen.“

Und die Nachricht der Hauptdarstellerin? „Diesen Nachmittag werde ich nie, nie vergessen!“ Noch lange leben müsse sie, um all das auszukosten, was ihr heute gewünscht wurde.

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