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Landkreis Günzburg

24.04.2017

Die neue Pädagogin auf vier Pfoten

Schulpsychologin Sandra Kleiter und Schulhündin Nina.
Bild: Angela Brenner

Im kommenden Schuljahr wird Hündin Nina die Arbeit von Schulpsychologin und Mathematiklehrerin Sandra Kleiter an der Hans-Meier-Realschule in Ichenhausen unterstützen.

Wer kennt sie nicht, die Angst vor den Zahlen? Etwa 80 Prozent der Schüler haben Angst vor dem Fach Mathematik, das hat eine Studie belegt. An der Hans-Meier-Realschule in Ichenhausen haben die Schüler eine ganz besondere Unterstützung, um mit dieser Angst klar zu kommen. Denn die Mathelehrerin Sandra Kleiter bekommt im Unterricht Unterstützung von ihrer Hündin Nina. Die nimmt den Schülern die Angst, beruhigt sie und fördert sogar ihre Konzentration. Wie das geht? Durch die schlichte Anwesenheit des Tieres.

Sandra Kleiter, die auch als Schulpsychologin an der Realschule arbeitet, erklärt: „Es ist erwiesen, dass gerade bei den jüngeren Schülern die Konzentrationsfähigkeit zunimmt und der Lärmpegel ab.“ Die Kinder nehmen Rücksicht auf den sieben Monate alten Dalmatiner, sie sind ruhiger und damit auch konzentrierter.

Im Januar war Hündin Nina zum ersten Mal im Unterricht mit dabei. Anfangs nur für fünf Minuten. „Wir haben langsam angefangen, damit sie sich daran gewöhnt“, sagt Sandra Kleiter. Derzeit läuft sozusagen die Eingewöhnungsphase. Ab September wird Nina an drei Tagen in der Woche den Matheunterricht von Sandra Kleiter begleiten.

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Das Tier kann den Kindern Hemmungen nehmen

Dass ein Schulhund Hemmungen nehmen kann, hat die Schulpsychologin selbst erlebt. „Vor ein paar Jahren war ich als Begleitperson mit den Fünftklässlern im Schullandheim“, erzählt sie. Dabei fiel ihr ein extrem zurückhaltendes und kaum zugängliches Kind auf. „Als mein damaliger Hund Paula zu Besuch war, taute dieses Mädchen spürbar auf, spielt mit dem Tier, fasste Zutrauen und das Eis war gebrochen.“ Heute ist es Hündin Nina, die als „Türöffner“ dient.

Es ist ein langer Weg, bis aus der Dalmatinerin Nina ein richtiger Schulhund wird. Einmal in der Woche besuchte Sandra Kleiter in Ulm die Welpenschule – zusätzlich zweimal in der Woche war sie mit ihr in Burgau auf der Welpenschule. „Zum Auspowern.“ Denn wie die Mathelehrerin berichtet, sind Dalmatiner sehr schnell unterfordert. Sie brauchen viel Auslauf, wollen oft spielen und gelten als sehr intelligent. Deshalb eignen sie sich auch so gut für die Arbeit in der Schule. Mittlerweile hat Hündin Nina die Welpenschule abgeschlossen – die Ausbildung zur Schulhündin geht aber weiter. Zwei Mal pro Woche ist Training im Junghundekurs angesagt, im Sommer besuchen Frauchen Sandra Kleiter und Dalmatinerin Nina einen speziellen Kurs für Schulhunde. Nina hat gelernt vor allem auf Körpersprache zu reagieren. Ein ausgestreckter Zeigefinger nach oben bedeutet zum Beispiel „Sitz“, die Hand nach unten „Platz“.

Es gelten klare Regeln

Für die Schüler selbst gelten beim Umgang mit der Schulhündin klare Regeln: Nina hat ihren eigenen Platz im Klassenzimmer und der ist für die Schüler tabu – das Tier braucht seinen Rückzugsort. „Die Schüler dürfen sie auch nicht rufen oder locken.“ Wenn Nina aber selbst zu den Schülern kommt, dürfen sie sie natürlich streicheln. Abgelenkt seien die Schüler von der Hündin im Unterricht übrigens nicht, sind die Erfahrungen von Sandra Kleiter. Im Gegenteil. Da es im Klassenzimmer ruhiger zugeht, passen auch die Schüler besser auf. „Der Lärmpegel geht sofort nach unten, wenn wir den Raum betreten.“ Sandra Kleiter erhofft sich im neuen Schuljahr, wenn die Arbeit mit Nina richtig losgeht, noch mehr positive Auswirkungen auf die Schüler. „Hunde haben ein Gespür für Nervosität und damit auch für Prüfungsangst.“ Wer bei der Mathe-Ex also in Zukunft nicht weiter weiß, kann durch Nina vielleicht seine Nervosität besser in den Griff bekommen.

Schon jetzt ist Nina das Gesprächsthema an der Hans-Meier-Realschule. Die Schüler dürfen der Dalmatinerin auch Tricks beibringen, sie lernen den richtigen Umgang mit Tieren. Und bei ihrer Arbeit als Schulpsychologin hofft Sandra Kleiter, dass Nina erste Hemmungen abbauen kann.

Mit Hündin Nina möchte die Psychologin im kommenden Schuljahr auch zwei Projekte angehen: Es soll eine hundegestützte Leseförderung für Legastheniker geben und ein Konzentrationstraining für die Schüler mit Nina.

Wichtig ist der Schulpsychologin Sandra Kleiter, dass die Arbeit mit Nina ohne Stress und Zwang verläuft – weder für das Tier noch für die Kinder. Wenn Schüler eine Allergie oder Angst vor dem Hund haben, können sie natürlich die Klasse auswählen, in der die Dalmatinerdame während des Matheunterrichts von Sandra Kleiter nicht anwesend sein wird. „Nina wird nur in einer unserer fünften Klassen zum Einsatz kommen.“ Die Hündin wird sich auch nur in bestimmten Klassenzimmern und im Beratungszimmer der Schulpsychologin aufhalten – Ausweichmöglichkeiten für die Schüler gibt es immer. Und auch Nina kann sich zurückziehen, wenn ihr die Arbeit zu viel wird und wird maximal für zwei Schulstunden am Stück den Unterricht begleiten.

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