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Landkreis Günzburg

26.04.2017

Die schöne neue Einkaufswelt der Firma Wanzl

Der Stammsitz der Metallwarenfabrik Wanzl ist Leipheim. Das Foto zeigt den Eingangsbereich. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Einkaufswagen. Und die haben es künftig in sich.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wie das Leipheimer Unternehmen den stationären Einzelhandel aufmöbeln will. Ein „Klassiker“ der Firma spielt dabei eine tragende und bald auch kommunikative Rolle.

Gabriele und Gottfried Wanzl können es einfach nicht lassen, wenn sie geschäftlich oder auch privat in der Welt unterwegs sind: In den Hotels schauen sie schon mal nach, mit welchem Gepäckwagen der Page die Koffer aufs Zimmer bringt. Und oft huscht dann ein zufriedenes Lächeln über die Gesichter des Ehepaars. Denn schnell erkennen die beiden: Auch dieser rollende Koffertransporter ist „made by Wanzl“. Und wenn es ganz gut läuft, dann war der Kofferkuli auf dem Flughafen auch von der global agierenden Metallwarenfabrik mit Stammsitz in Leipheim.

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Rollcontainer in Warenlagern, Zugangsschranken an Flughäfen, Zimmermädchenwagen auf Kreuzfahrtschiffen – überall hat das Unternehmen seine Fertigungsfinger mit drin. Der Klassiker war, ist und bleibt aber der Einkaufswagen, der mit seinen verschiedenen Modellen weltweit ungefähr 2,5 Millionen Mal pro Jahr verkauft wird. Und der Warenkorb auf Rollen geht auch mit der Zeit, wie das neue digitale Projekt des Unternehmens, „Wanzl connect“, beweist. „Keiner ist so nah dran am Kunden im Supermarkt wie wir“, sagt Marketingleiter Jürgen Frank und spielt damit auf die Wagen an, in denen die Auswahl der Kunden aus der großen bunten Warenwelt Platz findet.

Unter der Grifffläche ist Elektronik verbaut

Die schöne neue Einkaufswelt der Firma Wanzl

Der Einkaufswagen wird demnächst zwar noch nicht mit demjenigen sprechen, der ihn schiebt. Aber er wird kommunizieren. Unter der Grifffläche ist dann Elektronik eingebaut. In der Regel an der Decke der Märkte werden künftig Geräte hängen, die dann mit den Wagen ständig Daten austauschen. Möglich macht das die sogenannte RFID-Technologie. Die Buchstaben stehen für englische Worte und heißen übersetzt: „Identifizierung mithilfe elektromagnetischer Wellen“. Mithilfe der Sender-Empfänger-Systeme lassen sich Objekte und Lebewesen automatisch und berührungslos lokalisieren.

Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass der Marktleiter stets erkennen kann, wo sich der Einkaufswagen im Supermarkt befindet, wie der Weg des Kunden durch den Laden verläuft und wie lange die Einkaufszeit ist.

Mit der digitalen Technologie sollen außerdem Diebstähle verhindert werden. „Atypische Verweildauern im Kassenbereich können ein Indiz dafür sein“, erklärt der 38-jährige Frank.

Und wer seinen Münzchip vergessen und das Ein-Euro-Stück gerade nicht zur Hand hat, muss künftig wohl in immer weniger Supermärkten zur Kasse, um Geld wechseln zu lassen für das „Ausparken“ des Einkaufswagens. Das „Parkbox-Management“ funktioniert in absehbarer Zeit vermutlich ohne Münzgeld oder Chip. Wer seinen Warentransporteur nach dem Einkauf wieder einreiht, bekommt fürs nächste Mal einen kleinen Betrag gutgeschrieben. Oder aber die Supermarktketten spenden einer sozialen Einrichtung pro zurückgebrachtem Wagen. Die eigenen Vorräte auffüllen und dabei etwas Gutes tun – das scheint eine gelungene Kombination zu sein.

Live-Betrieb in drei Testmärkten

Wanzl connect“ jedenfalls kommt an. Das konnten die Verantwortlichen im vergangenen Monat in Düsseldorf auf der Euroshop sehen. Das ist die Leitmesse für den Einzelhandel, die alle drei Jahre stattfindet. In fünf Tagen hätten sich 5000 Menschen über die neuen Möglichkeiten informiert – alles Multiplikatoren, die in ihre Handelsunternehmen das weitertragen, was bald auf die Verbraucher zukommen wird. Das Interesse sei immens, sagt Frank. „Ich muss unsere Kunden bitten, dass sie sich noch in Geduld üben.“ Momentan gebe es nur einen Prototypen. In drei Testmärkten soll geprüft werden, wie der Live-Betrieb funktioniert. In einem Discounter in Wales läuft diese Phase bereits. Im Württembergischen wird der zweite Markt liegen. Und im Kreis Günzburg wird Supermarkt Nummer drei ausprobieren, was die Technik wirklich bringt und wo es Schwachstellen gibt.

Der Verantwortliche des Lebensmittelmarktes soll seinen Nutzen daraus ziehen, weil er frühzeitig erkennt, wenn mehr Personal an den Kassen sein muss oder die Rücknahmesysteme mit Pfandflaschen gefüllt sind. Und der Einkaufende selbst kann sich mit seinem Smartphone, wenn er will, registrieren lassen. Dann ist es ihm möglich, sich einen digitalen Einkaufszettel zu schreiben. Scannt er den Barcode des gesuchten Lebensmittels in seiner Verpackung ein, verschwindet die elektronische Notiz. Überhaupt kann der Einkauf beschleunigt werden. Wer partout seinen Lieblingsweißwein nicht findet, dem wird mittels Smartphone und der nötigen Software Hilfestellung gegeben. Und bargeldloses Bezahlen soll so auch einfacher funktionieren.

Neben dem Internet bietet die Digitalisierung auch dem stationären Handel Vorteile, die er ausspielen kann – davon sind die Macher bei Wanzl überzeugt. „Nur wer in allen dieser Welten aktiv ist und sich nichts verschließt, wird Erfolg haben“, sagt Gabriele Wanzl, die in der Firma die Öffentlichkeitsarbeit und das Sponsoring verantwortet.

Wanzl 4900 Mitarbeiter arbeiten in 14 produzierenden Werken in zehn Ländern und 27 Vertriebsgesellschaften.

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