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Günzburg

26.11.2018

Die treuen Kümmerer des Günzburger Rokokojuwels

Die Strahlkraft der Frauenkirche ist zu einem Teil auch dem Wirken des Förderverein zu verdanken, der jetzt sein 25-jähriges Jubiläum feierte.
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Die Strahlkraft der Frauenkirche ist zu einem Teil auch dem Wirken des Förderverein zu verdanken, der jetzt sein 25-jähriges Jubiläum feierte.
Bild: Sandra Kraus

Vor 25 Jahren wurde der Förderverein Frauenkirche ins Leben gerufen. Was er in dieser Zeit bewirkt hat und warum er auch für künftige Aufgaben gewappnet ist.

Seit 25 Jahren kümmert sich der Förderverein Frauenkirche um das Rokokojuwel im Herzen von Günzburg. Vor dem eigentlichen Festakt trafen sich die Vereinsmitglieder in „ihrer Frauenkirche“ zu einem Gottesdienst. Stadtpfarrer Christoph Wasserrab, kraft seines Amtes Mitglied im Vereinsbeirat, stellte in seiner Predigt eine Verbindung zwischen dem Tagesheiligen Columban, einem irischen Wandermönch, der seine innere Überzeugung im Alltag lebte, der in einer Gemeinschaft unterwegs war, und sich immer von Gott begleitet wusste, und dem Förderverein her.

Vor allem während der Musikstücke von Siegfried Ranz, Gerold Foerstl und Christa Wall konnten die zahlreichen Gottesdienstbesucher die Pracht und Schönheit der Kirche genießen. Eigentlich kam Günzburg aus purer Not zur Frauenkirche. 1735 fiel die Vorgängerkirche einem Stadtbrand zum Opfer, nur ein Jahr später wurde Baumeister Dominikus Zimmermann mit dem Neubau beauftragt.

Um die Frauenkirche stand es in den 90er Jahren schlecht

„Die Frauenkirche war und blieb eine Bürgerkirche, kein Kaiser oder Abt gab den Auftrag, sondern die Stadt“, sagte Zweiter Vorsitzender Andreas Satzinger. Anfang der 1990er stand es schlecht um die Frauenkirche. Die Günzburgerin Luise Goßner fragte in einem offenen Brief, wer sich um den baulichen Erhalt des Gotteshauses kümmere, dem morsches Gebälk, feuchte Fresken und viel Schmutz zu schaffen machten, und wer sich der Belebung des Gotteshauses widme und wen der Vorplatz mit den parkenden Autos und dem wasserlosen Brunnen störe.

Kümmerer fanden sich zusammen und gründeten am Freitag, 23. November, 1993 in der Aula des Maria-Ward-Gymnasiums den Förderverein. Genau 25 Jahre später trafen sich dort seine Mitglieder zu einem Festakt. Mit vielen Fotos und einem detaillierten Vortrag erinnerte Erster Vorsitzender Siegfried Ranz an die Leistungen des Fördervereins. Das Gotteshaus wurde innen und außen saniert.

Zehn Mitglieder weniger als im Vorjahr

Über den Förderverein flossen der Frauenkirche Gelder in Höhe von 1,1 Millionen Euro zu. Und der Verein ist für künftige Aufgaben gewappnet. Etwa ein dreiviertel Million Euro beträgt sein Vermögen. „Das ist ein Puffer, falls etwas Dramatisches passiert“, so Schatzmeister Jochen Fischer.

Momentan ist ein Wartungsvertrag für Statik und Fresken, der 7000 Euro im Jahr kostet, der größte Ausgabeposten bei den 7800 Euro Gesamtausgaben. Auf der Einnahmenseite stehen Beiträge (5000 Euro) und Spenden (2000 Euro). 180 Mitglieder zählt der Verein, zehn weniger als im Vorjahr, und 80 Förderer. Fachleute bescheinigen immer wieder den guten Zustand der Frauenkirche. „Die Fresken zeigen sich 14 Jahre nach Instandsetzung in sehr gutem Zustand“, las Satzinger vor und fügte an, dass die Decke heute besser aufgehängt sei, als zu Zeiten von Dominikus Zimmermann.

Luise Goßner hat ihren eigenen Platz

Der Förderverein kümmerte sich auch um den Bestand an Messgewändern, die in der Posamenten-Stickerei in Dillingen restauriert worden sind, und um die prunkvollen Kelche, Hostienschalen, Monstranzen und Weihrauchfässer. Einen eigenen Platz mit einem Portraitbild wurde der im Sommer verstorbenen Luise Goßner eingeräumt. Sie war nicht nur Schriftführerin, sondern die „gute Seele des Vereins“. Die Frauenkirche lag ihr täglich am Herzen. „Wenn alle Kniebänke hochgestellt waren, nichts auf den Sitzen lag und die Gesangsbücher in Reih und Glied standen, wusste ich, dass sie da gewesen sein musste“, erzählte Siegfried Ranz.

Die Liste, der Günzburger und Günzburgerinnen, die sich in den 25 Jahren über den Förderverein in der Kirche engagiert hatten, ist lang. „Ich spreche denen meinen Dank aus, die vor 25 Jahren den Mut hatten, den Förderverein zu gründen und sich der großen Aufgabe zu stellen, sich um das Wahrzeichen der Stadt zu kümmern,“, sagte Oberbürgermeister Gerhard Jauernig.

Gerhard Jauernig hält christliche Werte für entscheidend

Es gehe darum, das Baudenkmal zu erhalten und einen Treffpunkt für den Glauben am Leben zu erhalten. „Christliche Werte sind gerade heute von entscheidender Bedeutung“, führte Jauernig an, der zwölf Jahre Ministrant in der Pfarrei Heilig Geist gewesen war.

Die Frauenkirche gehört für viele Touristen zum Pflichtprogramm, kaum eine Stadtführung führt nicht zu ihr. Eine Besonderheit sind die beliebten und kostenlosen Konzerte „Eine Kleine Kirchenmusik“, jeden zweiten Dienstag am Wochenmarkttag. Und viele Günzburger Ehen wurden in der Frauenkirche geschlossen.

Ein Musikstück des Flötentrios der Städtischen Musikschule leitete über zum letzten Programmpunkt des langen Abends. Vorstand und Beirat mussten turnusmäßig neu gewählt werden. Wahlleiter Peter Lang zählte eine einstimmige Entlastung des Vorstands, auch alle Wahlergebnisse waren einstimmig.

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