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Krumbach

01.10.2017

Dieses Schloss gibt viele Rätsel auf

Das Hürbener Wasserschloss in Krumbach ist eines der wenigen noch erhaltenen Wasserschlösser. Erwin Bosch ist gebürtiger Hürbener und hat intensiv über die Geschichte geforscht.
Bild: Peter Wieser

Das Hürbener Wasserschloss in Krumbach ist ein ganz besonderes baugeschichtliches Denkmal. Warum vieles, was darüber berichtet wird, nicht ganz richtig ist.

Welche Jahreszahl stimmt eigentlich? Wann wurde das Hürbener Wasserschloss in Krumbach denn nun tatsächlich erbaut? Einmal ist vom Jahr 1474, dann wieder von 1478 die Rede. Schon dies gibt erste Rätsel auf.

Die Quellen im Staatsarchiv geben widersprüchliche Informationen

Erwin Bosch, ein gebürtiger Hürbener, der inzwischen in Nördlingen lebt, befasst sich seit Langem intensiv mit dem Krumbacher Ortsteil Hürben, der bis 1902 eine eigenständige Gemeinde war. Von Erwin Bosch gibt es auch eine alte Häuserchronik über den Ort Hürben. Tatsache jedoch ist: Es ist so gut wie nichts vorhanden, was einen genauen Aufschluss über die Entstehung des Wasserschlosses geben könnte. Mit der Altersbestimmung eines Holzbalkens habe sich zwar eine Datierung um das Jahr 1478 ergeben, doch lasse sich mit solchen Untersuchungen keine exakte Jahreszahl bestimmen. Zudem sei nicht sicher, um was für einen Balken es sich dabei genau handle. Möglicherweise könnte er auch für den Umbau eines dort bereits bestehenden Gebäudes gedient haben. Für Bosch ist dies völlig unbefriedigend. Denn damit stellt sich für ihn die Frage: Wo lebten die Herrschaften eigentlich vorher? Gab es zuvor einen einfachen Bau, der mit der Errichtung des Hürbener Wasserschlosses ersetzt wurde, oder ist das Schlösschen möglicherweise noch älter? Ganz von der Hand zu weisen wäre dies zwar nicht. Zumindest aber passt die Ausstattung des Schlosses in die genannte Datierung.

Jemand hat irgendetwas durch Quellen nicht Belegbares behauptet, der nächste hat es übernommen, abgeschrieben oder gar verdreht, dann steht ein Fehler im Raum und wird wieder weitergegeben, bemerkt Erwin Bosch, der vieles im Staatsarchiv zu den zahlreichen Ungereimtheiten recherchiert hat. Auch über eine angebliche Renovierung in den Jahren zwischen 1780 und 1790 existieren unterschiedliche Aussagen. Dass der Baumeister Joseph Dossenberger beauftragt wurde, die Kosten für eine notwendige Reparatur des zwischenzeitlich ruinösen und vom Einsturz gefährdeten Gebäudes zu ermitteln, sei erwiesen.

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Je tiefer man in die Quellen eintaucht, desto mehr Rätsel geben sie auf

Ob tatsächlich eine Renovierung stattgefunden hat, ist jedoch nicht nachweisbar. Richtig ist, dass das marode Gebäude im Vollzug einer Versteigerung 1786 von der christlichen Gemeinde Hürben erworben und umgehend an zwei Krumbacher und einen Hürbener Bürger weiterverkauft wurde. Was die drei neuen Eigentümer tatsächlich aus dem Gebäude machten, ist nicht mehr nachvollziehbar. Immerhin hatten sie seinerzeit einen weit überhöhten Preis bezahlt, nachdem sich die christliche und die jüdische Gemeinde gegenseitig hoch gesteigert hatte. Macht es Sinn, ein teuer erworbenes Gebäude, schon lange kein Herrschaftssitz mehr, sondern nur noch von einigen ärmlichen Familien bewohnt, für viel Geld zu renovieren? Eine Antwort wäre vielleicht bei der damals herrschenden Wohnungsnot zu finden: Die bisherigen Mieter könnten auf die Straße gesetzt und die Räume für viel Geld neu vermietet worden sein. Doch auch darüber lässt sich nichts finden.

Weiter wird von einer in den 1780er Jahren angebrachten Fassadenmalerei berichtet, die dem bekannten Maler Jakob Fröschle zugeschrieben wird. Diese vor dem Verkauf anzubringen ist unlogisch. Wer würde so etwas bei einem baufälligen Gebäude an einen wohl nicht ganz billigen Maler in Auftrag geben? Sollte dies danach geschehen sein, wäre der Künstler mit Sicherheit nicht Jakob Fröschle gewesen. Denn der verstarb bereits im Jahr 1782.

Was ist richtig, was ist falsch? Sich auf vorhandene Literatur zu berufen, bringe nichts, meint Erwin Bosch. So wurde aus der Familie Rottengatter, in deren Besitz sich das Schloss in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts befand, im Lauf der Zeit schon einmal eine Familie Erdengatter. Und Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger wurde gar zum „Wettenhausener Schiffsbaumeister“ umbenannt. Dies dürfte jedoch eher einer fälschlichen Rechtschreibung zuzuschreiben sein, nachdem in Wettenhausen auch zu damaligen Zeiten kaum Schiffe produziert wurden.

Eines der wenigen erhaltenen Wasserschlösser

Eines jedoch ist sicher: Das Hürbener Wasserschloss, bei dem in einem Urbarium aus dem Jahr 1580 von einem Wassergraben die Rede ist, ist eines der wenigen noch erhaltenen Wasserschlösser, auch wenn es sich heute auf dem Trockenen befindet. In den vergangenen 200 Jahren wechselte es sehr oft seine Besitzer und hatte, dadurch, dass sich mehrere Wohnungen darin befanden, fünf verschiedene Hausnummern. Im Jahr 1970 hat es die Stadt Krumbach gekauft und anschließend für damals 2,4 Millionen Mark grundlegend saniert. Heute ist in den ehrwürdigen Räumen die Volksmusikberatungsstelle des Bezirks Schwaben untergebracht. Vielleicht kommt mit der vorgesehenen Umgestaltung des Vorplatzes und seinen Wasserfontänen schon bald wieder Wasser zum Hürbener Wasserschloss. Dann würde es seinem Namen erst recht wieder alle Ehre machen.

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