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Medizin

13.02.2018

Dillinger Geburtshilfe wird bis Juni geschlossen

Mehr als 500 Kinder wurden im Dillinger Kreiskrankenhaus im vergangenen Jahr geboren. In Günzburg erblickte Mitte Dezember 2017 das 600. Kind das Licht der Welt. In Günzburg werden es heuer aller Voraussicht nach noch mehr Geburten sein, in Dillingen deutlich weniger. Das liegt daran, dass die Geburtshilfe im Kreis Dillingen wegen Personalmangels vorübergehend schließen muss.
Bild: Waltraud Grubitzsch/dpa (Symbolbild)

Ab 23. März brauchen Schwangere, wenn sie entbinden, eine Alternative. Welche Auswirkungen hat das auf den Klinikstandort Günzburg? Vorstand Dr. Volker Rehbein gibt Antworten.

Mehr als 500 Babys erblickten im vergangenen Jahr in der Dillinger Kreisklinik das Licht der Welt. 2018 werden es weniger sein: Ab 23. März wird die Geburtshilfe am St.-Elisabeth-Krankenhaus vorübergehend geschlossen. Das hat auch Auswirkungen auf die Günzburger Kreisklinik.

Trotz intensiver Bemühungen der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates der Kreisklinik Dillingen-Wertingen gGmbH ist es nach Angaben des Landratsamtes in den zurückliegenden Wochen nicht gelungen, den akuten Personalmangel im Bereich der Geburtshilfe an der Kreisklinik St. Elisabeth in Dillingen zu beheben.

So hatte die Klinik zuletzt neben Ärzten für den Bereich Geburtshilfe und Gynäkologie auch Hebammen gesucht, um den Betrieb der Geburtshilfe nachhaltig sichern zu können. Der bundesweit vorherrschende Mangel an Fachkräften in diesem Bereich hat das Unterfangen nicht einfacher gemacht. Deshalb haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung die unausweichliche Konsequenz gezogen und beschlossen, die Abteilung in gut fünf Wochen fürs Erste zu schließen. Der Neustart der Geburtshilfe in Dillingen soll drei Monate später ab dem 1. Juli 2018 erfolgen.

Der Dienstplan kann nicht aufrechterhalten werden

Ausschlaggebend dafür war letztlich die Erkenntnis, dass mit den noch vorhandenen Hebammen und Ärzten kein Dienstplan aufrechterhalten werden kann, der rund um die Uhr eine qualitativ hochwertige Versorgung der werdenden Mütter und der Neugeborenen garantieren würde.

Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat einvernehmlich beschlossen, am Konzept zur Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) festzuhalten und zunächst die Abteilung Gynäkologie mit neuen Ärzten zu stärken. Im zweiten Schritt wird die Geburtshilfe neu aufgebaut und dafür ein neues Ärzteteam und ein vollständiges Hebammenteam am Krankenhaus in Dillingen etabliert. Wegen der Schließung des geburtshilflichen Bereichs empfiehlt die Klinik schwangeren Frauen, bei denen zwischen 23. März und 30. Juni dieses Jahres eine Entbindung ansteht, sich an die Kliniken in der Umgebung zu wenden. „Wir werden mit den umliegenden Kliniken sprechen, damit sie den betroffenen Frauen aus unserem Landkreis zur Seite stehen“, sagte der Dillinger Landrat Schrell am Montag auf Nachfrage.

In Günzburg wird es wohl mehr Geburten geben

Auch ohne Gespräch ist dem Vorstand der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach, Dr. Volker Rehbein, klar, dass da etwas auf den Standort Günzburg zukommt. Seit gut einem Jahr gibt es dort die Hauptabteilung Geburtshilfe. Und im ersten Jahr des Bestehens kam dort am 15. Dezember 2017 das 600. Baby zur Welt. Die Zahl der Geburten sind dort im Vergleich zu 2016 um 20 Prozent gestiegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass hier mehr Geburten stattfinden.“ Das habe allein schon mit der räumlichen Entfernung zu tun. Neben Günzburg kommen für Schwangere aus dem Kreis Dillingen, sofern sie ihr Kind im Krankenhaus zur Welt bringen wollen, noch Kliniken in Donauwörth, Heidenheim, Ulm und Augsburg in Betracht. Über das Ausmaß der Anfragen will Rehbein nicht spekulieren. „Aber wir wissen, dass wir an sich traditionell schon viele Patienten aus dem Raum Lauingen und Gundelfingen haben.“ Die Hauptabteilung Geburtshilfe sei „in gewisser Weise schon vorbereitet“. Bei der Planung sind die verantwortlichen Mediziner davon ausgegangen, die Zahl der Geburten im Haus um 60 (das entspricht zehn Prozent) in diesem Jahr steigern zu können. Es ist nun gut möglich, dass wegen des vorübergehenden Wegfalls von Dillingen dieser Ansatz nun deutlich übertroffen wird.

In dieser Form war es für den Günzburger Klinikvorstand nach eigenen Worten „nicht absehbar“, dass die Schließung der Geburtshilfe in Dillingen die Konsequenz aus der Personalmisere sei. „Wir sehen uns in der Pflicht, einer Klinik, mit der wir auf vielfältige Weise zusammenarbeiten, auszuhelfen“, so Rehbein abschließend.

Auch die Hebammen kündigten

Dass es für die Schwangeren nicht leicht wird, dessen ist sich Landrat Schrell bewusst. In seinem Verwandtenkreis wird im Mai ein Baby erwartet. Doch nachdem das MVZ vorerst gescheitert ist, hatten die beiden neuen Ärzte Dr. med. Sascha Vietoris und Dr. med. Eva-Maria Link gekündigt. In der Konsequenz kündigten auch die Hebammen – aus verschiedenen Gründen.

Die Sprecherin der Hebammen, Anne Braun-Springer, betont: „Wir lieben unsere Arbeit und es ist immer wieder eine schöne und erfüllende Zeit, Schwangere bis zur Geburt zu begleiten und sie bei der Entbindung hier in der Dillinger Kreisklinik zu unterstützen. Wir wollen für unsere Frauen da sein. Wir Hebammen können aber mit der vorhandenen Personalstärke ab März den Dienstplan rund um die Uhr nicht mehr erfüllen.“ Das Hebammenteam komme an seine körperlichen Belastungsgrenzen und könne die Verantwortung für die Sicherheit der werdenden Mütter und deren Kinder so nicht mehr übernehmen, weil auch Ärztemangel besteht.

Es gibt zu wenig Nachwuchs in der Branche

„Wir sind einfach zu wenige, und neue Hebammen zu finden, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen schwer. Es sind zu wenige Hebammen, die die verantwortungsvolle und zeitintensive Arbeit im Kreißsaal noch ausüben wollen“, so Braun-Springer. Es gebe zu wenig Nachwuchs und Hebammen seien überall gesucht. „So bleibt für uns nur noch der letzte Ausweg: die geburtshilfliche Tätigkeit an der Kreisklinik aufzukündigen.“ Die Vor- und Nachsorge wie auch die Angebote im Hebammenhaus würden auf jeden Fall weiterhin gewährleistet. „Wir sind weiterhin für die Frauen, die eine Hebamme benötigen, da.“

Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz, selbst Mitglied des Aufsichtsrates der Kreiskliniken gGmbH, spricht von einer „ganz bitteren Nachricht für unsere Stadt“. Jeder Tag, an dem in Dillingen kein Kind zur Welt kommen könne, sei einer zu viel. „Deswegen sehen wir die Verantwortlichen in der Pflicht, schnellstmöglich eine tragfähige Lösung für die Geburtsabteilung der Kreisklinik zu finden.“ ioa, zg

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