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Galakonzert

27.03.2017

Dottores in concert

Deutsches Ärzteorchester feiert mit Benefizkonzert für den Raphael Hospiz Verein einen triumphalen Erfolg

Ein Klangkörper im Promotionsmodus. Praktisch jedem der Namen im Deutschen Ärzteorchester ist ein Dr. vorangestellt. Nur seinem Leiter nicht. Der heißt schlicht Alexander Mottok, kommt aus Hamburg, ist Violinist, Komponist, Chorleiter, Dirigent und seit 2003 künstlerischer Leiter des Orchesters mit mehr als 150 ehrenamtlich tätigen Instrumentalisten aus der gesamten Bundesrepublik, drei davon aus Günzburg. Drei- bis viermal jährlich kommen sie zu mehrtägigen Arbeits- und Probenphasen mit anschließendem Konzert zusammen. Diesmal war es das Kloster Roggenburg, in dem sie sich professionell auf ein Konzert zugunsten des 20-jährigen Bestehens des Günzburger Raphael Hospiz Vereins im voll besetzten Forum vorbereiten.

In seinen Grußworten bezeichnete Vereinvorsitzender Dr. Peter Müller die palliativmedizinische Versorgung durch die Stiftung als „Dienst am Nächsten, den man nicht hoch genug einschätzen“ könne. Oberbürgermeister und Schirmherr Gerhard Jauernig sprach von einem „Beispiel gelebter Hilfeleistung“. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Max Kaplan, sah diese Benefizgala als „schönen Dreiklang aus Musik, Medizin und sozial-karitativem Engagement“.

Dann hatte – ein Einführungsvortrag von Erich Broy war vorausgegangen – die Musik das Wort. Die böhmisch-erdige Ouvertüre zur Oper „Der Kuss“ machte den Anfang, geschrieben von dem 52-jährigen tschechischen Komponisten Bedrich Smetana (1824-1884) zwei Jahre nach seiner völligen Ertaubung. Eine Oper aus dem slawisch-folkloristischen Luxusbauern-Milieu, in dem der unselige Held des Komödiendramas, von Beruf Tenor, seine widerspenstige Sopranistin mit einem Verlobungskuss beglücken will. Davor allerdings muss er in drei Stunden zwei Akte durchleiden und einen singend-tänzerischen Personalbestand in Kompaniestärke aufwenden. Eingebettet in Wonnen hörenswerter Gefühlsverstärkung, dauert im Riesengebirge halt alles ein bisschen länger.

Ähnliches findet sich bei seinem Landsmann und Kollegen Antonin Dvorák (1841-1904). Bevor es ihn nämlich in den letzten Monaten seines vierjährigen Amerikaaufenthaltes zurück in seine Heimat zog, brachte er 1894/95 mit seinem op. 104 noch ein bodenständiges Werk zu Papier, bestimmt für Orchester und – wie er es nennt – ein „Stück Holz, das unten kreischt und oben brummt“. Gemeinhin bekannt als Violoncello. Mit diesem h-Moll-Konzert schuf er ein monumentales Meisterwerk, das zum Glanzstück für dieses Instrument zählt, zu einem der Bedeutendsten seiner Gattung. Der Augsburger Musikprofessor und Solocellist Julius Berger machte daraus eine geschliffene Partnerschaft von Solist, Orchester und Dirigent. Mitreißend, wie der analytisch-moderne Musikdenker, die schlüssigen Dispositionen des Dirigenten erspürte, sich in die wohlphrasierte, slawisch glitzernde Leidenschaft des Orchesters einfügte, seine virtuos gestalteten Klangwelten in fluoreszierenden Steilkurven in das pulsierende Ganze einbrachte und dabei diesen unerschöpflichen Musikantenton porträtierte. Wie er im Kopf- und Schlusssatz dem grottenschweren Fingersatzpanoptikum der jeweiligen Coda die Vehemenz eines perfekten Sturmfanals verlieh. Und wie er das im Mittel- und Schlusssatz verarbeitete Gedenken des Komponisten an seine plötzlich verstorbene, vergeblich umworbene Jugendliebe zum melancholischen Requiem machte, respektive auf vier Saiten sang. Ergreifend. Die Dottores in concert zärtelten dazu lyrische Erhabenheit. Als wandle man, pianissimo, durch mondbeglänzte Trauernoblesse. Die ergriffenen Zuhörer erjubelten sich zwei Zugaben.

Elf Jahre nach der vierten, dann aber innerhalb weniger Wochen endlich die fünfte Sinfonie. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) hielt wenig von seinem op. 64 in e-Moll. „Misslungen“ urteilte er, „zu bunt, zu künstlich, zu lang“. Dirigent Alexander Mottok teilte diese Meinung nicht. Sah in der Fünften keine süffig verdickte Salonmusik, die er zum russischen Reißer aufdonnern müsste. Nein, er legte sein Augenmerk nicht auf tiefsinniges Ausloten der Partitur, sondern das Erspüren von Kontrasten, ein wenig auch auf Nuancen von Wolga-Sentimentalität und weitläufige Steppenmelancholie. Vor allem aber auf den thematischen Zusammenhang, den Bogen, der die „Schicksalssymphonie“ in vier Sätzen zusammenhält, mit melancholischer Schönheit in episch pulsierendem Klangpanorama, mit Russisch-walzer, schwerelosen Bläsermelodien und tutti-donnernder Schlussapotheose.

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