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Landkreis Günzburg

03.01.2019

Drei Bürgermeisterinnen regieren im Kreis Günzburg   

Fühlen sich wohl als Bürgermeisterinnen und bedauern es, dass zu wenige Frauen dieses Amt ausüben (von links): Gabriele Wohlhöfler (Breitenthal), Sandra Dietrich-Kast (Rettenbach) und Ilse Thanopoulos (Wiesenbach).
Bild: Philipp Wehrmann

Das sind weniger als zehn Prozent. Breitenthal, Wiesenbach und Rettenbach als Ausnahme. Über Frauenwege in die Politik und eine spezielle WhatsApp-Gruppe.      

Wiesenbach, Breitenthal und Rettenbach haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Die drei Gemeinden werden von Frauen regiert. Gabriele Wohlhöfler (Breitenthal) und Ilse Thanopoulos (Wiesenbach) sind inzwischen seit beinahe 17 Jahren im Amt. Sandra Dietrich-Kast steht im elften Jahr ihrer Tätigkeit als Rathauschefin. Bereits an der Anzahl lässt sich erkennen, dass es für Frauen eher noch die Ausnahme ist, politische Verantwortung für eine Gemeinde zu übernehmen. Der Landkreis Günzburg hat 31 andere Städte und Gemeinden, denen ein Bürgermeister und in einem Fall ein Oberbürgermeister vorsteht.

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Das allerdings ficht die Frauen nicht an, die sich in einer ziemlich exklusiven WhatsApp-Gruppe der Bürgermeisterinnen im Landkreis Günzburg zusammengeschlossen haben – mit gerade den drei Teilnehmerinnen. Der letzte Austausch stammt vom 17. Dezember. Da wurden Fotos hin- und hergeschickt, die die Drei mit dem neuen bayerischen Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart zeigen.

Breitenthaler Bürgermeisterin hat vier Büros

Kommunikation und Flexibilität gehören nach eigener Einschätzung zu den Stärken der drei Bürgermeisterinnen. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass Wohlhöfler, 55, gleich vier Büros hat: das wichtigste zu Hause, dann Dependancen in den Amtszimmern von Breitenthal und Nattenhausen. Die Tätigkeit als Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach beschert zeitweise einen weiteren Dienstort.

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Einen Satz betont Ilse Thanopoulos im Gespräch mit unserer Zeitung besonders. Er lautet: „Gut, dass ich dich gerade treffe.“ Die Wiesenbacher Bürgermeisterin hat ihn ungezählte Male gehört. Ihre beiden Kolleginnen nicken zustimmend. Sie kennen ihn ebenfalls zur Genüge. Der Satz steht nicht für sich. Er stellt den Beginn eines Gesprächs dar, in dem es in aller Regel um ein persönliches Anliegen des Gegenübers geht. Das heißt, im Anschluss an den Dialog: sich schlau machen in der Verwaltung, ob der Wunsch verwirklich werden kann; gegebenenfalls mit weiteren Beteiligten ausloten, was geht und was nicht. Und dem Gesprächspartner eine Rückmeldung geben.

Die Amtsinhaberin hört 2020 auf

Eine Bürgermeisterin mit Distanz zur Bevölkerung will keine der drei Frauen sein. Sie sind in ihren Gemeinden oft mit dem Auto oder – noch besser – auf dem Rad beziehungsweise zu Fuß unterwegs und bekommen zumeist ungeschminkt zu hören, was Bürgern nicht passt. Der Job, befindet Thanopoulos, sei anspruchsvoller geworden – auch weil die Anliegen mit mehr Egoismus als früher vorgetragen würden. Da werde von ihr auch mal in Erinnerung gerufen, „dass Gemeinwohl vor Eigenwohl geht“. Freunde schaffe man sich so freilich nicht immer. Sicher ist, dass es in Wiesenbach 2020 eine neue Gemeindechefin oder einen neuen Bürgermeister geben wird. Denn die Amtsinhaberin, im Augenblick 63 Jahre alt, hört auf. Nach dann insgesamt 18 Jahren „reicht es“, findet sie.

Ursprünglich hatte sie es sich überhaupt nicht vorstellen können, im Rathaus zu regieren. Eine Frau, die mit einem Ausländer verheiratet ist? „Spinnst du?“, lautete damals ihre deutliche Rückfrage, als aus dem politischen Umfeld die Idee an sie herangetragen wurde, sich als Bürgermeisterin zu bewerben. „Das kann ich nicht und das mache ich nicht“, sei ihre erste Reaktion darauf gewesen, da sie an eine Akzeptanz nicht geglaubt habe. Als sie aber bei der Nominierungsversammlung von Männern bestürmt worden sei zu kandidieren, entzog sich Thanopoulos der Verantwortung nicht länger.

Gasthaus der Großeltern war der politische Mikrokosmos

Anfangs zögerte auch Sandra Dietrich-Kast. Dabei bekam sie Kommunalpolitik bereits von Kindesbeinen an mit – als sie in Mönstetten im Gasthaus von Oma und Opa Fetzen von Stammtischgesprächen aufschnappte. Der damalige Günzburger Landrat und Bezirkstagspräsident Georg Simnacher war dort nicht selten zu Gast bei politischen Runden. Der langjährige Landtagsabgeordnete Alfred Sauter ebenfalls. „Da war was geboten.“ 2005 zog Dietrich-Kast nach Rettenbach. 2007 stieg sie mit 33 Jahren in den Wahlkampf ein, nachdem klar geworden war, dass ihre Vorgängerin Dagmar Berger schwer erkrankt war und nicht mehr würde antreten können. „Es war eine neue Herausforderung für mich. Und ich liebe Herausforderungen“, sagt die frühere Leiterin einer Sparkassen-Zweigstelle. Außerdem sei es kein Hexenwerk, konnte sie der frühere Offinger Bürgermeister Alois Brunnhuber beruhigen. Er erläuterte der Novizin in einer dreiviertel Stunde, auf lockere Art, was man denn so als Bürgermeister mache und was zu beachten sei.

Es war allerdings nicht ein ungeteiltes positives Gefühl, erinnert sich Dietrich-Kast an ihren Anfang zurück. „Ich habe oft den Eindruck gehabt, dass meine damals vier Jahre alte Tochter zu kurz gekommen ist. Es ging überhaupt nur, weil mich mein Mann und die Omas und Opas so unterstützt haben.“

Nach dem Abendtermin wartet noch die Wäsche

Dass bei Männern und Frauen unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden, glaubt die Rettenbacher Gemeindechefin nicht. „Zu Beginn wirst du auf den Prüfstand gestellt, ob du das überhaupt hinkriegst. Das hat aber in meinen Augen nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern damit, dass du neu bist.“ Wobei die Politikerin eine Einschränkung macht: Die Hausarbeit erledigt sich auch als Bürgermeisterin nicht von selbst. „Da ist es oft so, dass man noch nach einem Abendtermin um 22 Uhr die Wäsche macht.“

Alle drei Bürgermeisterinnen betonen, sie seien von ihren Amtskollegen durchaus wohlwollend und frei von Skepsis aufgenommen worden. Ob das am weiblichen Charme liegt? Das könnten und wollten sie nicht behaupten. Dafür etwas anderes: „Dass wir verlässlich sind. Wir haben noch bei keinem Bürgermeister-Seminar, zu dem der Landrat gebeten hat, gefehlt. Die Frauenquote liegt stets bei 100 Prozent“, führen sie als Beispiel an.

Eines bedauern Wohlhöfler, Dietrich-Kast und Thanopoulos: Dass sie so wenige Frauen im Bürgermeisteramt sind. „Wir Frauen sollten uns mehr zutrauen.“

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