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A8 bei Günzburg

14.05.2019

Droht Rettungsgassen-Verweigerern eine Strafe?

Die Feuerwehr musste sich die Rettungsgasse auf der A8 nach einem Unfall im April„freikämpfen“.
Bild: Feuerwehr Günzburg

Plus Die Feuerwehr musste nach einem Unfall Ende April stellenweise zum Einsatzort auf der Autobahn zwischen Günzburg und Leipheim laufen. Gibt es jetzt Konsequenzen?

Nach einem Wildunfall auf der A8 zwischen Günzburg und Leipheim Ende April hatten Feuerwehrleute teils zum Einsatzort laufen müssen, da keine ordentliche Rettungsgasse gebildet worden war. Daraufhin hatte es auf der Facebookseite unserer Redaktion viele erboste Reaktionen gegeben: Die Nutzer hatten keinerlei Verständnis für die scheinbare Ignoranz der Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn. Doch droht denen, die der Feuerwehr keinen Platz gemacht haben, nun eine Strafe?

Zu dem Einsatz gab es eine Nachbesprechung zwischen dem Leiter der Autobahnpolizei Günzburg, Werner Schedel, und Christian Eisele, dem Günzburger Feuerwehrchef. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, sagt Schedel. Die Eindrücke der Polizei und der Feuerwehr seien wegen der unterschiedlichen Aufgaben manchmal verschieden, man sei sich aber einig: Eine funktionierende Rettungsgasse muss sein. Er habe den Eindruck, dass dies mittlerweile in den Köpfen vieler angekommen sei. „Aber gerade auf der Autobahn haben wir das Problem, dass die halbe Welt unterwegs ist.“

So etwas hat der Günzburger Feuerwehrchef auch noch nicht erlebt: Die Feuerwehr muss gut einen Kilometer auf der Autobahn laufen, um die Fahrzeuge zum Bilden einer Gasse zu animieren.

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Gepostet von Günzburger Zeitung am  Freitag, 26. April 2019

Beispielsweise seien Österreicher auch wegen der in ihrer Heimat geltenden hohen Bußgelder, die bei einer nicht funktionierenden Rettungsgasse verhängt werden, sehr sensibilisiert. In anderen Ländern, in denen es vielleicht gar keine Autobahnen wie bei uns gibt, könne das anders aussehen. „Der Wissensstand ist unterschiedlich.“ Wie dem auch sei: Die Polizei werde diejenigen, die den Einsatzfahrzeugen den Weg blockieren, zur Rechenschaft ziehen.

Die Polizei konnte kein Fehlverhalten mehr feststellen

Im konkreten Fall jedoch sei die erste Streife zügig zur Unfallstelle gekommen, und als eine zweite später nachrückte, habe die Rettungsgasse funktioniert. Die Beamten konnten also niemanden feststellen, der sich falsch verhielt. Die Feuerwehr sei auch mit zwei kleineren Fahrzeugen durchgekommen, bloß mit einem größeren nicht. Als dann an der Unfallstelle Fahrzeuge vorbeigeleitet werden konnten, sei ein Puffer entstanden, durch den der Verkehr wieder besser fließen konnte, erklärt Schedel.

Günzburgs Stadtbrandinspektor Christian Eisele bestätigt, dass das Gespräch mit der Polizei gut gewesen sei. Dass die Beamten den Fall in ihren Pressemeldungen nicht erwähnt hatten, liege wohl daran, dass sie ihn wegen des Wildunfalls als nicht dringlich angesehen hätten – es sei hier schließlich nicht um die Rettung eines Menschenlebens gegangen. Künftig werde das wohl anders gehandhabt. Die Feuerwehr selbst überlege, künftig auch dann an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn sich Fahrer richtig verhalten. Vielleicht lernten die Leute eher aus guten als aus schlechten Beispielen.

Auch Blaulicht würde Betriebsdienst wohl nicht helfen

Das fände der Chef der Autobahnbetreibergesellschaft Pansuevia, Robert Schmidt, gut. „Das kann schon helfen.“ Es gebe ja nicht nur Egoisten. So habe man kürzlich sogar ein Danke mit einem Karton Bonbons von Leuten erhalten, denen die Pansuevia geholfen hatte. Alles in allem ist Schmidt aber ernüchtert, was das Thema Rettungsgasse angeht.

„Manchmal klappt sie ganz gut, manchmal aber auch überhaupt nicht.“ Letztens habe auch der Betriebsdienst bei einem Unfall auf der A8 bei Adelsried keine Chance gehabt, durchzukommen. Würde es da helfen, wenn die Pansuevia-Fahrzeuge wie die der Autobahnmeistereien in Baden-Württemberg Blaulicht auf dem Dach haben? Wohl kaum, denn die Feuerwehr kam ja zwischen Günzburg und Leipheim auch nicht durch.

Pansuevia-Chef wünscht sich Disziplin von den Fahrern

Schmidt wünscht sich sowohl von Auto- als auch Lastwagenfahrern Disziplin – wozu gehört, auch bei stockendem Verkehr nicht kurz vor einem Hindernis noch schnell zu versuchen, auf Teufel komm raus vorbei zu kommen, und alles zu blockieren. „Wenn sich ein Lastwagen in der Rettungsgasse festgefahren hat, gibt es keinen Platz mehr zum Rangieren.“ Auch das Reißverschlussverfahren funktioniere meist nicht.

Es gebe wohl jetzt eine Generation von Fahrern, die nicht mehr nach dem Erlernten handelt, sondern nur auf Ansagen reagiert. Vielleicht würde es helfen, meint der Pansuevia-Chef, wenn neben den geplanten Schilderbrücken Navigationsgeräte in den Fahrzeugen beim Stau anzeigen und ansagen, dass eine Rettungsgasse zu bilden ist – und wie man das macht. Aber auch dazu seien viele wohl im Wagen zu abgelenkt mit anderem.

Lesen Sie hier den Kommentar von Christian Kirstges: Keine Rettungsgasse: Die Polizei muss endlich durchgreifen

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