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Zwölf Stämme

12.12.2013

Dürrlauinger protestieren gegen Polizeiaktion

Der Dürrlauinger Manfred Hermann ist Sprecher von Eltern, die den harten Polizeieinsatz am Montagmorgen kritisieren, bei dem sieben Kinder von ihren Müttern getrennt und an unbekannte Aufenthaltsorte gebracht wurden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mit Polizeigewalt wurden sieben Kinder am Montag aus der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme gerissen. Sechs Familie sind mit dem Vorgehen nicht einverstanden.

Sechs Familien aus Dürrlauingen haben sich in einem Brief an das Amtsgericht Nördlingen und das Jugendamt gewandt und das Vorgehen kritisiert, wie am Montag die sieben Kinder der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme aus dem Förderungswerks St. Nikolaus in Dürrlauingen geholt worden sind. Ihre Kinder waren gemeinsam zur Schule gegangen. Der Sprecher der Eltern, Manfred Hermann, betont: „Wir unterstützen nicht die Glaubensgemeinschaft, uns geht es darum, wie die Aktion abgelaufen ist.“

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Kein Abschied von den Freunden

Seit September waren drei Mütter und sieben Kinder der Glaubensgemeinschaft im Mutter-Kind-Haus in Dürrlauingen untergebracht. Am Montag wurden in einer Polizeiaktion die Kinder von ihren Müttern getrennt. „Geschockt mussten wir teilweise als Augenzeugen miterleben, wie die Kinder von ihrem momentanen Zuhause mit massiver Polizeigewalt früh morgens um sieben Uhr entfernt worden sind“, schreiben die Dürrlauinger Eltern in ihrem Brief.

Bereits im September mussten die Kinder der Zwölf Stämme ihr Zuhause in Klosterzimmern im Landkreis Donau-Ries verlassen, sie durften aber bei ihren Müttern bleiben, weil einige der Kinder noch gestillt worden sind. „Dass nach dieser nunmehr zweiten Aktion von einer Traumatisierung der Kinder auszugehen ist, noch dazu die Kinder jetzt in ein fremdes Umfeld verfrachtet wurden, entbehrt für uns jeglicher Nachvollziehbarkeit“, heißt es in dem Brief weiter.

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Einige der Kinder der Zwölf Stämme gingen in den vergangenen drei Monaten in die Grundschule nach Dürrlauingen und haben dort Freundschaft mit ihren Klassenkameraden geschlossen. „Auch unsere Kinder sind entsetzt“, berichten die Eltern, die den Brief unterzeichnet haben. Denn sie hätten sich nicht einmal von ihren Freunden verabschieden können. Aus ihrer Sicht wäre es die bessere Lösung gewesen, wenn die Mütter der Glaubensgemeinschaft weiterhin mit ihren Kinder gemeinsam „im geschützten Umfeld des Förderungswerks“ hätten bleiben können, bis das Gericht ein endgültiges Urteil gefällt hätte. Sie hoffen, dass die zuständige Richterin ihre Entscheidung nun noch einmal überdenkt.

Den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft wird vorgeworfen, dass sie ihre Kinder mit Stöcken und Ruten schlagen würden. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung.

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