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Dürrlauingen

08.05.2020

Edgar Ilg: Früher nah am Bürger, nun nah bei den Enkeln

Edgar Ilg war zwölf Jahre Bürgermeister der Gemeinde Dürrlauingen. Jetzt möchte er sich seiner Leidenschaft widmen: seinem Garten und vor allem seinen Enkeln, von denen drei im Haus leben: Lisa, Jonas und Julian.
Bild: Peter Wieser

Plus Wie Dürrlauingens ehemaliger Bürgermeister Edgar Ilg seine Amtszeit betrachtet. Und wer den 67 Jahre alten Gartenliebhaber künftig auf Trab hält.

Ganz so, wie sich Edgar Ilg die letzten Tage in seinem Amt als Bürgermeister der Gemeinde Dürrlauingen vorgestellt hatte, waren diese, bedingt durch Corona, nicht. Die Abschlusssitzung habe im Bürgerhaus in Mönstetten mit den entsprechenden Abständen stattgefunden und die Abschiedsfeier habe man absagen müssen. Aber das wird nachgeholt, so Ilg. Fest steht auch, dass er im Juni nicht die Insel Lanzarote mit dem Mietwagen erkunden wird. Da müsse man jetzt eben durch. Das Reisen oder in die Berge fahren wird er aber angehen, „wenn es wieder möglich ist“.

Edgar Ilg ist in Herrlingen, heute ein Stadtteil von Blaustein bei Ulm, geboren, durchlief eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten und kam vor 34 Jahren durch die Heirat mit seiner Frau Roswitha nach Dürrlauingen. Das Ehepaar hat zwei Töchter – eine lebt mit ihrer Familie im Haus – und vier Enkel.

In Kindergarten und Grundschule engagiert

Bereits vor seiner Zeit als Bürgermeister war Edgar Ilg im Kindergarten und in der Grundschule engagiert, war unter anderem Elternbeiratsvorsitzender und gründete den Schulgarten. 1996 wurde er in den Gemeinderat gewählt und war bis 2002 Dritter Bürgermeister.

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2007 hätten ihn Listenmitglieder überredet, zur Wahl des Bürgermeisters anzutreten. Er habe lange mit der Familie besprochen, was auf ihn zukommen werde. „Die Familie hängt mit drin. Wenn sie nicht bereit ist, mitzumachen, dann wird es schwierig“, sagt Ilg. Bürgermeister zu sein, heiße, das Vertrauen in der Mehrheit zu erhalten. Das Amt sei eine strapaziöse und zeitaufwendige Aufgabe – vor allem wenn man es ehrenamtlich und neben dem Beruf ausübe. Und es werde zusehends stressiger, da die Ansprüche und Erwartungen in der Bevölkerung stiegen.

94 Prozent Zustimmung vor sechs Jahren

Edgar Ilg war seit 2008 Erster Bürgermeister und in den letzten sechs Jahren zudem Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Haldenwang. Bei seiner Wahl 2014 hatte er 94 Prozent der Stimmen erhalten. „Das hat mich sehr bewegt.“

Aber es gab noch etwas anderes: Ilg meint damit den Bau des Bürgerhauses im Ortsteil Mönstetten und die ziemlich großen Widerstände, die es anfangs gegeben hatte. Nicht des Bedarfs wegen, vielmehr war es um die Verwirklichung gegangen.

Das sei nun vorbei. Seit der Einweihung im September letzten Jahres habe das Bürgerhaus großartigen Zuspruch gefunden. Es seien Gruppierungen entstanden, die es vorher gar nicht gegeben habe. „Es ist eine Identifikation vorhanden mit dem Gebäude selbst, aber auch unter den Bürgern“, erklärt Ilg.

Es sei ihm wichtig gewesen, dieses Projekt noch während seiner Zeit als Bürgermeister der Gemeinde Dürrlauingen zu Ende zu bringen.

Ilg nennt weitere Höhepunkte, wie den Bau der Kinderkrippe, Erneuerungs- und Umbaumaßnahmen an Schule, Kindergarten und Bauhof, aber auch die Generalsanierung der Kanalisation in Mönstetten und die Beauftragung der Planung für die in Dürrlauingen und in Mindelaltheim.

Großer Grundstückskäufer Gemeinde

Es wurden etliche Grundstücke erworben, zum einen für die Erweiterung der Baugebiete, zum anderen für Öko- oder Ausgleichsflächen. Auf allen drei Friedhöfen wurden Urnenstelen errichtet, und die gesamte örtliche Straßenbeleuchtung wurde zur Energieeinsparung auf LED-Technik umgerüstet. „Dürrlauingen ist gut aufgestellt und trotz des Kredits für das Bürgerhaus in Mönstetten praktisch schuldenfrei.“

Möglichst nah am Bürger zu sein, das sei stets sein Motto gewesen. Er habe ganz bewusst keinerlei Vereinsfeste ausgelassen. An manchen Abenden habe er vier Weihnachtsfeiern nacheinander besucht. Seine Art habe es verlangt, bei möglichst jedem Termin oder Fest anwesend zu sein. Möglicherweise habe er sich dabei selbst Stress gemacht, aber das sei ihm eben wichtig gewesen. „Wenn ich im Stress war, dann bin ich in den Garten gegangen, wenn es geregnet hat, habe ich einen Hut aufgesetzt und im Regen gearbeitet,“ sagt Ilg und lacht. Der Garten sei immer sein Ruhepunkt gewesen.

Kein Stress in der Phase der Übergabe

Eines fügt Edgar Ilg ebenfalls hinzu: Den letzten Tagen seiner Amtszeit habe er ganz entspannt entgegengesehen. Bereits einen Tag nach der Wahl hat er mit seinem Nachfolger Friedrich Bobinger mit der Übergabe begonnen. „Wir haben das ganz locker gemacht, sodass ich am Ende keinen Stress mehr hatte“, fährt Ilg fort.

Vor einigen Tagen habe er sich ganz in Ruhe von den Beschäftigten der Gemeinde, des Bauhofs, der Schule und des Kindergartens verabschiedet. Die Kindergartenkinder haben für ihn sogar ein Lied gedichtet, das sie bei der Abschlussfeier vortrugen.

Den 1. Mai hat er dann genossen, die Phasen, in denen es nicht geregnet hat, war der Altbürgermeister dann im Garten. Es hat sich auch ganz schnell eingespielt, dass viel weniger E-Mails bei ihm eingingen.

Und was ist in sechs Jahren?

„Meine Enkel bedeuten mir sehr viel, zumal ja drei mit im Haus leben“, betont Edgar Ilg. Oft ist es vorgekommen, dass diese neben dem Schreibtisch auf dem Boden gespielt oder gemalt haben, während er in seinem Arbeitszimmer gesessen hat. Ilg will jetzt die Zeit nutzen, sich ihnen wie auch seiner Leidenschaft, dem Garten, stärker widmen zu können. Als Bürgermeister hätte er zwar gerne noch weitergemacht, aber er sei jetzt 67 und schließlich „muss man sechs Jahre weiterdenken“. Dann wäre er 73. Mit dieser Überlegung ist er zum Schluss gekommen, dass es nicht schadet, wenn man das Amt Jüngeren überlässt und so damit auch neuen Ideen eine Chance gibt.

„Ich würde den Schritt heute wieder genauso gehen, wie damals. Es war mir eine Ehre, Bürgermeister von Dürrlauingen gewesen zu sein und ich habe mich bemüht, das Amt so auszufüllen, wie es die Bürger von mir erwartet haben.“ Jetzt, nach seinem Ausscheiden, sei ihm besonders wichtig, dass die Dorfgemeinschaft zusammenhält und ein Ortsteildenken hinten angestellt wird. Es habe immer wieder Momente gegeben, in denen manche dabei nicht mitgezogen hätten. „Ein Ortsteil oder eine Gruppierung allein bewirkt gar nichts, es geht alles nur im Miteinander“, sagt er.

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