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Musikkabarett

25.10.2016

Ein Gstanzl für das Gartenhallenbad

Mitglieder er Großfamilie Well sangen und musizierten in Leipheim: (von links) Jonas, Tabea, Hans und Sarah.
Bild: Gah

Mit den „Wellbappn“ tritt im Leipheimer Zehntstadel eine politische bayerische Familienmusik auf

Vom Leipheimer Zehntstadel ist Hans Well begeistert: „Toll, wie die Stadt Leipheim das Gebäude hergerichtet hat. So was ist mehr Traditionspflege, als wenn Menschen mit Trachten rumlaufen.“ Bis vor vier Jahren stand Hans Well mit zwei seiner Brüder als „Biermösl Blosn“ auf der Bühne. Im Zehntstadel gastierte er jetzt mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas unter dem Namen „Wellbappn“. Das Prinzip des künstlerischen Programms blieb gleich: Virtuos dargebrachte bayerische Volksmusik mit politisch-satirischen Texten.

Wie bei der Biermösl Blosn beginnt der Abend mit Gstanzln über den Ort. Und weil Hans Well von Leipheim so begeistert ist, hilft er der Stadt im Streit mit dem Landkreis um das Gartenhallenbad, „wo sich der Landkreis windet, und schaut, ob si a Bleeda, der´s übernimmt, findet“.

Doch die Leipheimer sind nicht die Einzigen, denen die Wellbappn mit Texten zu Hilfe eilen. Dazu gehört auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mit ihrem „Wir schaffen das!“ unter Beschuss geriet: „Ach Himmel, es ist verspielt, meine Allmacht ist verloren! Ich, die mächtigste Frau der Welt, von Parteifreunden schändlich bloßgestellt!“ Auch die Milchbauern bekommen Unterstützung von den Musikanten. Sie besingen mit einem Boarischen die Geschichte von Sepp, der sich von den Subventionsversprechen der EU ködern lässt und einen Kredit für einen Freilaufstall aufnimmt. Doch als der Milchpreis weiter fällt, ist es vorbei mit den günstigen Konditionen der Raiffeisenbank. Trotzdem gilt in Bayern: „Der Liter Milli liegt bei 20 Cent, aber die Schwarzen bei 50 Prozent.“

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Die Schandtaten von bayerischen und deutschen Prominenten werden ebenfalls angeprangert. Der BayernLB widmen die Wellbappn eine bayerisch-lateinische Litanei: „Pro Hypo Alpe Adria Cassa Finanza Bavaria ozapft is. Banda di Banca creavit Probleme extreme.“ Ebenso bergab ging es mit einer bayerischen Lichtgestalt, die jetzt in Österreich wohnt. Dieser widmen sie die Moritat von den drei Rittern des DFB, die ihn in seiner Wahlheimat aufsuchen: „Kaiser Franz, gib alles preis von dem Sommermärchen-Scheiß!“ – „Bei Gott, so is´ gwesn, i kann zwar schreiben, aber ned lesen!“ Im musikalischen Gewand einer Ballade wird auf ehemalige Bundespolitiker geschossen. Diese nutzten, quer durch alle Parteien, die Kontakte aus ihrer Amtszeit, um in die Wirtschaft zu wechseln. Dies tat nicht nur der „Gazpromi“ Gerhard Schröder. Mit dem CDU-Mann Ronald Pofalla „hat die Bahn jetzt an Oberleitungsschaden“.

Des Weiteren werden Geschichten aus dem Familienleben der Wells satirisch überspitzt. So kam zum Beispiel der Vater oft erst in den frühen Morgenstunden von Auftritten heim, musste aber bald darauf seine Kinder in den Kindergarten fahren. Das wurde zeitlich oft knapp. Daraus entstand eine mit jazziger Musik unterlegte Parodie auf Goethes „Erlkönig“: „Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“ – „Siehst Vater du das Tempo 30-Schild nicht?“

Kontrastreiche Instrumentalstücke runden das Programm ab. Jedes Mitglied der Well-Familie ist versiert auf Blas-, Streich-, Saiten- und Tasteninstrumenten. Das begeisterte Publikum bekommt drei Zugaben. Dann ist aber Schluss, denn die Gruppe ist gewerkschaftlich organisiert. (mgh)

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