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Handball-Bayernliga

12.01.2020

Ein Zaubertor krönt das Spektakel in Günzburg

Konzentriert und kraftvoll: Der Günzburger Michael Jahn erzielte gegen Bayreuth fünf Treffer.
Bild: Ernst Mayer

Der VfL Günzburg bezwingt vor 700 Zuschauern den bisherigen Primus HaSpo Bayreuth. Was die Fans verzückt und warum Trainer Gábor Czakó stolz auf seine Jungs ist.

Nicht einmal Trainer Gábor Czakó wusste nach dem Spektakel, woher seine Jungs diese Energieleistung genommen hatten. „Irgendwas haben sie immer von irgendwo aus dem Keller geholt“, sagte er augenzwinkernd, während die Angesprochenen noch völlig losgelöst durch die Rebayhalle hopsten. Soeben hatten die Handballer des VfL Günzburg den bisherigen Bayernliga-Spitzenreiter HaSpo Bayreuth durch ein höchst überraschendes 23:19 (11:10) vom Thron gestoßen. Um diesen Heimsieg richtig einzuordnen, sind zwei Bemerkungen notwendig: Die Franken hatten zuvor in dieser Spielzeit noch keine Partie verloren und die Günzburger nahmen den schier aussichtslos erscheinenden Kampf gegen diese nordbayerische Super-Mannschaft als Rumpfteam mit lediglich acht gesunden Feldspielern auf. Geradezu überschwänglich fiel das Lob des Trainers nach dem Coup aus. „Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft. Sie hat deutlich über den eigenen Grenzen gespielt“, urteilte Czakó.

Der Auftakt als entscheidende Phase

Als entscheidende Phase der Begegnung machte der VfL-Coach im Rückblick die ersten Minuten aus. Mutig stemmten sich die Seinen gegen die scheinbare Übermacht. Es war ein ungewohntes Gefühl für die Gäste, dass sie konsequent herausgefordert wurden. Also packten sie zu, wollten sich Respekt verschaffen. Schon das allererste Foul der Franken war dermaßen kernig, dass der Verursacher zum Strafbank-Anwärmen geschickt wurde. Die Gastgeber witterten eine frühe Chance, sich einen Vorteil zu erspielen, und warfen in Überzahl zwei Tore zum 3:1 (5.). Kurz danach wuchtete der Günzburger Sportwagen im Format eines Kleinlasters, Michael Jahn, den Ball zum 4:1 ins Netz. Czakó fand’s super und bemerkte: „Da haben wir gleich eine sehr positive Welle erwischt, die uns dann über die ganze Spielzeit trug. Jeder hat plötzlich an die Chance geglaubt und das ist eine ganz andere emotionale Ebene als die, auf der man sich etwas vornimmt.“

Ein Zaubertor krönt das Spektakel in Günzburg

Auch von kleinen Rückschlägen ließ sich Günzburg nie beirren. Die 700 Zuschauer (unter ihnen Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig) erlebten ein Spitzenspiel, das diesem Begriff bis hin zu den Leistungen der Schiedsrichter jederzeit gerecht wurde. Und jedes Mal, wenn die Bayreuther scheinbar herankamen und sich die Günzburger Fans schon angsterfüllt fragten, ob denn die Kraft ihrer Handballer reichen würde, schlugen die Weinroten wieder zu. Aus dem 10:10 (25.) machten sie die knappe Halbzeit-Führung, kurz nach dem Seitenwechsel erhöhten sie auf 13:10.

Julian Ruckdäschel: "Irgendwann geht der halt"

Es folgte der Höhepunkt des Spiels, ach was, der gesamten Saison. Während sich Julian Ruckdäschel völlig unschuldig auf den Weg Richtung Seitenauslinie machte und scheinbar nur nach einer Anspielstation suchte, feuerte er den Ball mit einer urplötzlichen Wurfbewegung hinter dem eigenen Rücken ab und die Kugel zischte an allen düpierten Bayreuthern vorbei zum 14:11 ins Netz (35.). Die Tribüne zollte tosenden Applaus und der Mann aus dem Fichtelgebirge sagte nach der Partie mit einem Grinsen: „Irgendwann geht der halt.“ Auch sein Coach stimmte ins Hohelied ein und formulierte: „Selbst wenn man ein Tor des Jahres über alle Ligen aussuchen würde, hätte dieses Tor gute Chancen auf einen Podestplatz.“

Das Publikum, sofern es mit den Günzburgern sympathisierte, war nun vollends elektrisiert. Es wurde richtig laut in der Halle, es wurde ein bisschen hektisch auf dem Feld, aber der Vorsprung hielt. 15:12 stand es in der 39. Minute, etwas später 16:13 (43.). Noch einmal bäumten sich die Bayreuther auf, kamen auf ein Tor Differenz heran, aber Michael Jahn nutzte die Siebenmeter-Chance zum vermutlich entscheidenden 21:19 (58.). Bayreuth hatte den Glauben verloren, Yannick Meye traf noch zwei Mal zum Endstand.

Gábor Czakó: Aufstiegsfrage kommt zu früh

Angesichts von nur noch zwei Zählern Rückstand auf den neuen Spitzenreiter TG Landshut drängt sich aus Günzburger Sicht nun die Frage auf, wie’s ausschaut mit dem Aufstieg in die dritte Liga. Czakó, nun wieder geerdet, fand den Zeitpunkt dennoch verkehrt. „Darüber reden wir vor dem letzten Saisonspiel“, sagte er.

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