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Landkreis Günzburg

10.06.2020

Ein besonderes Fronleichnam auch ohne Prozession

Bilder einer Fronleichnamsprozession, wie hier in Röfingen, wird es heuer im Bistum Augsburg keine geben, da keine Prozessionen erlaubt sind. Andere Wege sind für den Feiertag nötig, je nach Pfarrei sehen sie ganz unterschiedlich aus.

Plus Normalerweise ziehen am Feiertag die Gläubigen durch die Orte und begleiten die Monstranz. Doch in diesem Jahr ist auch hier alles anders im Kreis Günzburg.

Katholische Christen feiern 60 Tage nach Ostern Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi und damit ein Fest zu Ehren der Eucharistie. Im Neuen Testament sagt Jesus am Gründonnerstag beim Abendmahl über Brot und Wein: „Dies ist mein Leib. Dies ist mein Blut.“ Bei der Feier der Eucharistie wandeln sich nach katholischem Glauben Hostie und Wein in Leib und Blut Christi. Ein eigenes Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Altarsakrament geht zurück auf eine Vision der Juliana von Lüttich im Jahr 1209. Es wird quasi der Gründonnerstag nachgeholt, an dem die Kirche die Einsetzung des Altarsakraments feiert, die Stille der Karwoche jedoch feierliche Gottesdienste und Prozessionen verbietet. In Bayern gab es die erste Fronleichnamsprozession im Bistum Augsburg im Jahr 1286 in Benediktbeuern. Rund 735 Jahre später wird es heuer am Fronleichnamstag, dem 11. Juni 2020, im ganzen Bistum Augsburg wegen der Corona-Virus-Pandemie keine Prozession geben.

Burgaus Stadtpfarrer: Fronleichnam geht auch ohne Prozession

Das „Schutzkonzept für Sakramentefeiern“, das das Ordinariat Anfang Mai herausgegeben hat, legt fest, dass Fronleichnamsprozessionen in diesem Jahr nicht stattfinden. „Nur weil es keine Prozession gibt, heißt das aber nicht, dass Fronleichnam ausfällt. Fronleichnam findet statt, nur ganz anders!“, bezieht Burgaus Stadtpfarrer Simon Stegmüller ganz klar Stellung. Es wird in Burgau und dem Stadtteil Unterknöringen jeweils einen Festgottesdienst geben mit anschließender eucharistischer Anbetung. „Danach kann jeder selbst als Monstranz durch die Straßen ziehen und den Segen in die Stadt bringen.

Ganz ohne Folklore, Prozession und Blumenteppich ist dazu jeder aufgerufen. Über den Leib Christi, den wir in der Kommunion empfangen, sind wir mit Gott verbunden. Wir haben ihn empfangen und tragen ihn mit uns. Sichtbar wird das in einer Prozession, heuer ist es nicht so deutlich sichtbar. Das wird die große Herausforderung sein,“ fährt Stadtpfarrer Stegmüller fort.

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Fronleichnam: entspannt und ohne Aufwand

Befreit vom organisatorischen Aufwand, den Fronleichnam sonst mit sich bringe, könne es heuer möglich sein, sich auf das Wesentliche einzulassen. Sonst achten die vielen Helfer bis zur letzten Minute im Morgengrauen an Fronleichnam auf den Wetterbericht, um sicher zu gehen, dass die vier Altäre, vor denen jeweils eine Statio gehalten wird, aufgebaut werden können.

Und natürlich, ob die Blumenteppiche in mühevoller Handarbeit aus frischen Blüten und Gräsern auf den Boden gelegt werden können. Heuer geht es viel entspannter zu. Fahnenabordnungen der Vereine und Musikkapellen müssen sich ebenso wenig organisieren wie Himmelträger, Ministranten und Erstkommunionkinder, die es im Übrigen wegen des Coronavirus und den abgesagten Erstkommunionen noch gar nicht gibt.

Krumbach will im Grünen Fronleichnam feiern

Dass die Prozession, in der die gewandelte Hostie in einer Monstranz durch die Straßen getragen wird, ausfällt wegen schlechtem Wetter, ist also nicht ungewöhnlich. Neu ist, dass die Absage wegen der Corona-Pandemie schon seit Wochen feststeht. Während Burgaus Stadtpfarrer Gangolffest, Fronleichnam, Antoniusfest, Skapulierfest und Pfarrfest – alles Feste, für die man sich in Burgau und Unterknöringen ab Juni gutes Wetter wünscht – in die Kirche verlegt hat, hofft man in Krumbach schon auf gutes Fronleichnamswetter. Stadtpfarrer Josef Baur möchte den Festgottesdienst auf der Wiese an der Nordseite des Pfarrheims im Grünen feiern.

„Ein Gottesdienst im Freien ist einfach schön, vor allem an Fronleichnam, dem Fest, an dem wir zeigen, dass Jesus nicht nur drinnen in der Kirche ist, sondern uns nach draußen begleitet. Er ist da, wo wir leben und arbeiten, in der Freizeit und im Homeoffice, überall,“ sagt Baur. Der Altar auf der Wiese wird auf jeden Fall festlich sein, es gelten Maskenpflicht und Mindestabstand, Ordner werden da sein. Wer das Neue Testament kennt, weiß, dass Jesus sich gezielt um Kranke, Aussätzige und Ausgegrenzte kümmert. „Jesus ist in den Zeiten der Corona-Pandemie bei uns“, ist sich Stadtpfarrer Baur sicher. An Fronleichnam würden Katholiken in der Öffentlichkeit zeigen, dass sie zu ihrem Glauben stehen und dass Jesus nicht an ein Haus gebunden sei. Ganz kurzfristig hat sich Baur dazu entschieden, nach dem Gottesdienst an vier Plätzen, die für Kranke, Freizeit, Kinder und Arbeitswelt stehen, eine Statio zu halten.

Neuinterpretation des Fronleichnamstags

Im Garten des Altersheims (11.15 Uhr), am Spielplatz in der Talstraße (11.35 Uhr), vor dem Simpert-Kraemer-Gymnasium (11.55 Uhr) und an der Bahnhofstraße auf dem Parkplatz der Firma Transpack (12.15 Uhr) wird mit Evangelium, Fürbitten, Lied und Segen der Fronleichnamstag neu interpretiert. Die Strecke fährt Pfarrer Baur mit der Monstranz im Auto.

Einen ganz besonderen Fronleichnamstag wird es auch in der Pfarreiengemeinschaft Jettingen-Scheppach geben. In zwei Gottesdiensten wird Erstkommunion gefeiert. Acht der 36 Kommunionkinder hatten sich in einer Umfrage eine möglichst schnelle Erstkommunion gewünscht. „Am Fest der Eucharistie gibt es doch keine schönere Feier als eine Erstkommunion“, findet Pfarrer Franz Wespel und wählte den Fronleichnamstag. „Sie können noch als Erwachsene sagen, weißt du noch, damals als Corona war, hatten wir an Fronleichnam Erstkommunion“, sagt Jettingens Pfarrer, der sich bereits auf das Fest freut.

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