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Hilfsprojekt

09.02.2017

Ein neues Dorf für 525 Menschen

Das Dorf Sekuchet in Nepal gibt es seit dem Erdbeben im Frühjahr 2015 nicht mehr. Die 525 Bewohner leben derzeit in einer Behelfsunterkunft.
Bild: Karola Wood

Für einen Günzburger Verein ist es ein riesiges Projekt: Erdbebenopfer in Nepal wollen eine neue Heimat aufbauen

Der Günzburger Verein Ladakh-Hilfe hat in seiner Geschichte schon viel bewegt. Ein Projekt dieser Art ist allerdings auch für die erfahrenen Helfer neu: Kinder und Familien in Nepal, die durch das Erdbeben 2015 alles verloren hatten, wollen mit Unterstützung aus Günzburg ein komplett neues Dorf aufbauen.

Schon vor dem Erdbeben in Nepal zählte das christliche Dorf Sekuchet mit seinen 525 Einwohnern in den Bergen des Rasuwa Gebietes zu den ärmsten der Armen. Karola Wood von der Ladakh-Hilfe beschreibt den Alltag der Menschen vor dem Beben: „Sie lebten vom Ertrag ihres Landes und Schafen, Ziegen und Hühnern. Das Erbeben zerstörte diese Grundlage völlig.“ Die Häuser waren zerfallen, viele Familienangehörige umgekommen, das Land unbrauchbar. Wochen nach dem Erdbeben erklärte die nepalesische Regierung das Land für unbewohnbar. Schon wenige Tage nach dem Erdbeben packten die Dorfbewohner ihre Habeseligkeiten und wanderten den weiten Weg runter an die Straße in die Stadt Bogetar. Die Regierung wies sie in eine Behelfsunterkunft. Hilfsorganisationen bauten Wellblechhütten für die vielen Familien. Dort fand Karola Wood das ganze Dorf im April 2016, ein Jahr nach dem Erdbeben. „Es gab kaum Arbeit, keine Möglichkeit zur Landwirtschaft, keine Beschäftigung, kaum zu Essen, kurzum ein Dorf ohne Hoffnung.“

Im Herbst 2016 keimte Hoffnung auf: Die Dorfbewohner hatten ganz in der Nähe der jetzigen Behelfsunterkunft ein größeres Stück Land gefunden, das zum Verkauf bereitstand. „Es ist eine Hanglage, aber ganz in der Nähe einer Straße und Infrastruktur wie Schulen und medizinischen Einrichtungen“, sagt Karola Wood. „Das Stück Land sollte 48 946 Euro kosten und genügend Raum bieten, um ein Haus für jeden der 105 Haushalte zu bauen und ein kleines Stück Land für jede Familie zum Bewirtschaften. Aber woher das Geld nehmen?“ Banken würden den mittellosen Menschen keinen Kredit geben, so die Vorsitzende der Ladakh-Hilfe. So wandten sich die Dorfbewohner an den Günzburger Verein – denn auch der Mietvertrag für das Land, auf dem sie jetzt leben, läuft Ende April aus.

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Das Land werde von der Dorfgemeinschaft gerecht unter den Familiengruppen aufgeteilt und gehöre dann der jeweiligen Familie. 105 Häuser soll es geben. Die Fußwege wollen die Bewohner selbst anlegen, Strom und Trinkwasser würde die nepalesische Regierung kostenlos umsonst zur Verfügung stellen.

Im Januar 2017 kam die schockierende Nachricht: Der örtliche Vermittler und die Kontaktperson zur Ladakh-Hilfe, Sanze Lama, berichtete, dass die Menschen in Aufruhr und Trauer sind. Die Regierung hatte einen sehr langsam arbeitenden Minister mit einem schnellen ersetzt und die Subventionen zum Wiederaufbau der Häuser sollten plötzlich Mitte Februar 2017 ausgezahlt werden. Aber dazu war ein Nachweis von Grundbesitz notwendig. Genau das hatten die Bewohner jedoch nicht. Anfang Februar gab es dann eine Einigung: Sanze und ein Rechtsanwalt konnten eine gute Vereinbarung zwischen Regierung und den Dorfbewohnern aushandeln. Die Bewohner von Sekuchet erhalten das Zertifikat der Garantie ihrer Erstsubvention zum Wiederaufbau ihrer Häuser aufgrund des Titels des Landeigentums, welches sie vor dem Erdbeben hatten. Das ist eine vorübergehende Lösung. Wenn das neue Land gekauft wird, wird der Eigentumstitel auf das neue Land übertragen und die Menschen können dann dort ihr Haus bauen mit den garantierten Geldern. „Nun haben alle Haushalte von Sekuchet die Sicherheit, dass sie das Geld für den Hausbau bekommen und sie sind sehr glücklich darüber“, freut sich Karola Wood. Jetzt gehe es darum, schnellstmöglich die 20 Prozent Anzahlung, insgesamt 9789 Euro, zu sammeln, um das Grundstück für das Dorf zu sichern. 316 der 525 Dorfbewohner seien Kinder und Jugendliche, die durch ein neues Dorf wieder Hoffnung schöpfen können auf eine bessere Zukunft. Die Ladakh-Hilfe Günzburg hofft, dass viele Freunde aus Deutschland und Günzburg diese Menschen beim Landkauf unterstützen.

Der Verein hat dazu ein Spendenkonto bei der Sparkasse Günzburg eingerichtet mit IBAN DE237205184 00008187981. Spenden mit dem Vermerk „Dorf Nepal“ werden nach Auskunft der Vorsitzenden zu 100% an die Dorfbevölkerung weitergeleitet. (zg)

Mehr Informationen unter

www.ladakh-hilfe.de

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