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Wasserwand

30.03.2015

Ein schwäbischer Tüftler

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Die Metallbaufirma Franz Stegmann in Behlingen-Ried wagt sich an Aufträge, vor denen andere kuschen

Wer kennt die Sorgen nicht? Trockene Luft in Büro- und Geschäftsräumen, die oft Verwerfungen bei Möbeln und Bodenbelägen, aber auch gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Im neuen Werkverkaufscenter der Alko Kober SE am Kleinkötzer Bahnhof trat dieses Problem bald nach der Eröffnung auf. Der Grund: In den großen Schau- und Verkaufsräumen wurde lediglich eine Luftfeuchtigkeit von zwölf Prozent gemessen. Der Tüftler und innovative Handwerker Franz Stegmann aus Behlingen-Ried wurde um Rat gebeten und schlug eine großformatige Wasserwand vor, die inzwischen im Raum für eine 40-prozentige Luftfeuchtigkeit sorgt und darüber hinaus ein optisches Schmuckstück darstellt, das ein Gefühl von Leben, Wärme und Ruhe ausstrahlt.

Stegmann konstruierte die ins Verkaufscenter passende Anlage und entschied sich für eine sieben Meter breite und vier Meter hohe Glasplatte mit einem schmucken Grasdekor, die sich als „offener Schrank“ darstellt. In einer Stunde plätschern an ihr rund 35 000 Liter entkalktes Wasser nach unten, werden gesammelt, gereinigt und mittels Pumpen beidseitig wieder nach oben transportiert. All dies passiert vollautomatisch, was auch für die Zufuhr des notwendigen Frischwassers gilt. So wird nicht nur die Raumluft befeuchtet. Ein auswechselbares Regal an der Vorderseite dient gleichzeitig als Ausstellungsfläche von Gartengeräten. Für Stegmann besagt dies: „Einmal versorgt die Wasserwand die Räume mit sauerstoffhaltiger Frischluft und zum anderen stellt sie einen echten Blickfang dar.“

Dem 51-jährigen aus Langenhaslach stammenden Betriebsinhaber macht es sichtlich Spaß, extreme Wünsche seiner Kunden zu erfüllen und in der Praxis zu verwirklichen. Nach mittlerer Reife, Schlosserlehre und Meisterprüfung machte er sich 1991 auf der Freifläche zwischen den Kammeltaler Ortsteilen Behlingen und Ried selbstständig und erweiterte den Betrieb baulich mehrmals. Ihm zur Seite stehen seine Frau Anita und Tochter Kerstin im Büro sowie Sohn Steffen als Metallbau-Meister und zertifizierter Schweißfachmann in der Technik. Hinzu kommen drei weitere Facharbeiter.

Schwerpunkte der Fertigung sind im Bereich Metallbau Besucherstege, Absturzsicherungen und Treppen für die Industrie sowie Schiebesysteme für Terrassen. Ein weiteres Standbein bildet der Bau von privaten Schwimmbädern aus Polyester, Folienauskleidung oder Edelstahl und die dazu passenden fahrbaren Abdeckungen. Schon einmal sorgte der junge Handwerksbetrieb für Furore. Durch die Vermittlung einer weltweit tätigen Fassadenbaufirma wurde er von BMW in München beauftragt, in der dortigen Automobil-Erlebniswelt Teile der Innenausstattung aus Edelstahl zu fertigen, wobei im Mittelpunkt eine 60 Meter lange Treppe stand, die spezielle ellipsenförmig gebogene Handläufe erforderte. Stegmann erinnert sich noch gut: „Wir haben in diesem Bau, in dem es keine gerade Linie gibt, rund 700 Meter Stahlrohre verbaut.“

In ähnlicher Form tätig war die Firma inzwischen auch bei Großkonzernen wie Daimler-Benz, die Deutsche Bahn sowie MAN und die Stadt Augsburg. Besonderen Spaß hat Stegmann an „Herausforderungen“, die er auf seine Art löst: „Wir machen gerne mal Sachen, an die sich andere nicht heranwagen.“

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