Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Einbruch ins Gartenhallenbad endet vor Gericht

Leipheim

26.01.2019

Einbruch ins Gartenhallenbad endet vor Gericht

Das Gartenhallenbad in Leipheim.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Der 28-jährige Angeklagte aus Ulm ist bereits mehrfach vorbestraft. Was ihn nun erwartet.

Der Fall erregte im vergangenen Frühling Aufsehen: In einer Nacht im Mai war in Leipheim in das Vereinsheim des VfL und in das Gartenhallenbad eingebrochen worden. Die Beute hielt sich in Grenzen, das erbeutete Bargeld belief sich auf rund 600 bis 700 Euro, das Diebesgut hatte einen geschätzten Wert von einigen Tausend Euro, der Schaden belief sich auf 1500 Euro – ohne die danach notwendigen Aufräumarbeiten miteingerechnet. Denn die beiden Diebe hatten auf der Suche nach Geld und Wertsachen ziemlich gewütet: Schubladen und Schränke wurden aufgerissen, der Inhalt herausgenommen und auf den Boden geworfen – allerdings wurde nichts zerstört. Einer der beiden Täter, ein 28-jähriger Ulmer, stand nun für seine Tat in Günzburg vor Gericht.

Der Ulmer gestand die Taten

Der reuige Dieb, gegen den noch eine auf Bewährung ausgesetzte Haftstrafe läuft, gestand zu Beginn der Verhandlung die beiden Taten, konnte sich aber nach eigenen Angaben nicht mehr genau an den Tathergang erinnern. Er sei, erklärte er, von seinem 22-jährigen Kumpan angesprochen worden, ob er nicht wüsste, wo Geld zu holen sei, um Mietschulden zu begleichen. Er sei so dumm gewesen, nicht nur die beiden Lokalitäten zu nennen, sondern bei dem Einbruchdiebstahl auch noch mitzumachen, was er sehr bereue. Sie seien durch ein Kellerfenster zunächst in die VfL-Gaststätte eingedrungen, hätten im Keller nach Wertsachen gesucht, dann im Erdgeschoss. Wer was mitgenommen habe, wisse er nicht mehr. Die Überwachungskameras an der Gaststätte zeigten zwei Männer, die an verschiedenen Türen versuchen, in das Gebäude einzubrechen.

Der Angeklagte hat 13 Vorstrafen

Auf den Kameraaufnahmen, ergab die Verhandlung, konnte lediglich die Person identifiziert werden, der nun in Günzburg der Prozess gemacht wurde. Auch der Einbruch ins Gartenhallenbad war nach dem gleichen Muster abgelaufen. Der Angeklagte, versicherte sein Anwalt Uwe Böhm, wolle sich endgültig aus seinem alten Leben verabschieden und sich von den ehemaligen Kumpeln distanzieren. Als angehender Vater will er Verantwortung übernehmen, eine geregelte Arbeit suchen und sich nach einer langen kriminellen Karriere – 13 Vorstrafen sind im Zentralregister festgehalten, einige davon einschlägig – gesetzestreu verhalten. Schon seit vergangenem Jahr habe der Angeklagte alle ihm aus früheren Verurteilungen auferlegten Pflichten erfüllt, sei nach einer Entzugstherapie nicht mehr rückfällig geworden.

Der Angeklagte half, den Mittäter zu identifizieren

Dank der Mithilfe des Angeklagten konnte sein Kumpan, der zwischenzeitlich in einer Haftanstalt in Ulm einsitzt, ebenfalls identifiziert werden, so dass die Doppeltat schnell aufgeklärt werden konnte. Er entschuldigte sich persönlich bei jedem einzelnen Geschädigten, die als Zeugen aussagten. Dennoch wollte die Staatsanwaltschaft keine positive Sozialprognose stellen: Zu viele Vorstrafen stünden dem entgegen, auch hatte der Angeklagte bereits zum Tatzeitpunkt die Freundin mit Kind, ohne dass sich dies auf sein Verhalten ausgewirkt hätte. Sie forderte ein Jahr und einen Monat Haft ohne Bewährung. Uwe Böhm interpretierte das Handeln der Täter als eine Tat und gab zu bedenken, dass der Angeklagte wesentlich zur Aufklärung des Falls beigetragen habe. Sein „Verrat“ mache deutlich, dass er ein neues Leben beginnen wolle, mit seinem Verhalten habe er alle Bindungen zur Szene durchschnitten. Dieses Lossagen und die Familiengründung erlaubten eine gute Sozialprognose, weshalb er für seinen Mandanten auf eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung plädierte.

Die Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt

Richter Martin Kramer kam zu einem eigenen Schluss: Er wertete die Einbrüche als zwei Taten für die er eine Strafe von einem Jahr und vier Monaten verhängte, allerdings setzte er die Haftstrafe noch einmal zur Bewährung aus. Auf fünf Jahre, so viel wie das Strafgesetzbuch maximal hergebe, wie der Richter erläuterte. Er würdigte die Mitarbeit des Angeklagten, ohne die ein schwieriger Indizienprozess notwendig geworden wäre. Auch die Reue, die Einsicht des Angeklagten und seine Entschuldigungen trugen zur positiven Sozialprognose bei. Der Angeklagte, der derzeit von Arbeitslosengeld 2 lebt, muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, die er, sollte er einen Arbeitsplatz finden, auch in eine Geldauflage umwandeln lassen kann. Zwar wurde vom Gericht auf das Einziehen vor Wertersatz verzichtet, doch der Angeklagte, der rund 15.000 Euro Schulden hat, muss Schadenswiedergutmachung in Höhe von rund 250 Euro leisten und die Kosten des Verfahrens tragen.

Martin Kramer ließ es nicht dabei bewenden, das Urteil zu verlesen und zu erläutern. Er nahm den jungen Mann danach ins Gebet: „Das ist ihre allerletzte Chance.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren