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Landkreis Günzburg

21.01.2021

Einbruchserie in Burgau und der Umgebung: Vier Täter werden verurteilt

Auch mit einem Brecheisen hantierten die Einbrecher. Jetzt wurden vier verurteilt.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus In Burgau und der Umgebung hatten die jungen Männer wiederholt zugeschlagen. Doch sie handelten wohl nicht allein – die Verhandlung gegen weitere Angeklagte steht noch aus.

Eine Serie von fast 20 Einbruchdiebstählen innerhalb weniger Wochen hat sich im Frühjahr 2019 auf Burgau und die angrenzende Region erstreckt. Der Beuteschaden lag zwar bei insgesamt nur rund 6900 Euro, doch der Sachschaden war mit knapp 15700 Euro deutlich höher. Eine Bande von sieben jungen Erwachsenen beziehungsweise Jugendlichen steckt nach Überzeugung der Justiz dahinter. Vier jungen Männern aus der Region, die während der Taten zwischen 17 und 19 Jahre alt waren, ist nun am Amtsgericht in Günzburg bereits der Prozess gemacht worden.

Wie Gerichtsdirektor Walter Henle erklärte, wurde das Verfahren gegen die weiteren drei mutmaßlichen und gleichaltrigen Mittäter abgetrennt, weil sie sich im Gegensatz zu den anderen noch nicht zu den Vorwürfen geäußert hätten. Eine umfangreiche Beweisaufnahme stehe bevor. Außerdem gebe es für so viele Angeklagte plus Verteidiger und weitere Beteiligte nicht genug Platz im Sitzungssaal des Gerichts. Die Verhandlung musste auch kurz zum Lüften unterbrochen werden, weil die Luft in dem Raum schon zu sehr belastet war, wie ein Gerät dem Richter anzeigte.

Einer der Angeklagten: "Ich war jung und dumm"

Gleich mehrfach war die Mittelschule in Burgau das Ziel der jungen Einbrecher gewesen. Denn einer von ihnen hatte während seiner Schulzeit einen Schlüssel der Einrichtung gefunden, mit dem sie sich Zutritt verschafften. Bei einer Tat wurde unter anderem das Lehrerzimmer verwüstet. Ebenfalls auf der „Liste“ standen unter anderem das Vereinsheim der Faschingsgesellschaft Burgavia und das angrenzende Musikheim, die Radlertankstelle in Offingen, Jugendtreffs, ein Friseursalon, eine Waschanlage und der Netto-Markt in Burtenbach. Nicht immer waren die Einbruchversuche erfolgreich, mitunter vertrieben Alarmanlagen die jungen Männer oder sie scheiterten an stabilen Fenstern und Türen.

Die Taten der Serie wurden, so die Justiz, in wechselnder Besetzung begangen, nicht alle haben dieselbe Zahl von Delikten zu verantworten. Die vier Angeklagten der jetzigen Sitzung entschuldigten sich allesamt für das, was geschehen ist, sie bereuten ihr Verhalten. „Ich war jung und dumm“, meinte einer, ein anderer sprach von „Gruppenzwang“. Man habe anfangs an das schnelle Geld gedacht und irgendwann die Kontrolle verloren.

Einer der Beteiligten hat sich schriftlich bei den Einbruchopfern entschuldigt

Richter Henle, in diesem Fall auch Vorsitzender des Schöffengerichts, wies die Angeklagten darauf hin, dass solche Taten Angst bei der Bevölkerung verursachten. Zwar gehe die Zahl der Einbruchdiebstähle zurück, doch das Sicherheitsgefühl der Menschen verschlechtere sich – auch durch derartige Serien. Das führe beispielsweise dazu, dass sich die Leute bewaffneten.

Einer der Angeklagten hat sich nach seinen Worten und denen seines Verteidigers bereits bei allen Betroffenen schriftlich entschuldigt. Ein anderer sagte, man werde sich mit den Anwälten zusammensetzen und überlegen, wie man den Schaden wiedergutmachen könne.

Zwei der Beteiligten haben jeweils einen strafrechtlichen Eintrag, bei einem datiert er auf die Zeit nach der Serie. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe konnte sich aber bei keinem der vier erklären, wie sie dazu kamen, bei den Einbrüchen mitzumachen. Sie könne sich höchstens den Gruppenzwang beziehungsweise die Gruppendynamik vorstellen. Und so betonte die Staatsanwältin die „enormen Tatvorwürfe“ – wären die Angeklagten älter gewesen, hätte man wohl über Haftstrafen ohne Bewährung sprechen müssen. „Das waren keine Spaßtaten“, das könne man auch nicht mit einem Ladendiebstahl vergleichen. Enorme Schäden seien entstanden. Doch sie nehme den jungen Männern ihre Entschuldigungen ab. Bei allen sei das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Einer der jungen Männer litt nach den Taten unter Panikattacken

Sie forderte teils Geldauflagen von 500 und 1000 Euro plus Arbeits- beziehungsweise Sozialstunden und einen Wertersatz. Bei dem Beteiligten, der als Fahrer fungierte, ging es auch um ein Fahrverbot. Jetzt seien schädliche Neigungen nicht zu erkennen – doch wäre früher verhandelt worden, wäre ein mehrere Wochen dauernder Arrest nicht unwahrscheinlich gewesen.

Die Verteidiger – einer der Angeklagten war ohne erschienen – schlossen sich dem Plädoyer der Staatsanwältin an. Einer der Anwälte betonte für seinen Mandanten, dass er sich wegen Panikattacken in psychologische Behandlung begeben musste. Diese seien, so sagte der junge Mann selbst, erst durch die Taten richtig zum Vorschein gekommen. Auch er sei der Gruppendynamik erlegen, aber erst wesentlich später dazugestoßen.

Alle Beteiligten verzichten auf Rechtsmittel

Da die Angeklagten und ihre Verteidiger schon vor dem Beginn des Prozesses angedeutet hätten, dass sie sich zu den Vorwürfen äußern, hatte das Gericht auf das Laden von Zeugen verzichtet. So konnte der Prozess relativ schnell über die Bühne gehen, alle Beteiligten inklusive der Staatsanwältin verzichteten dann auch auf Rechtsmittel gegen das Urteil, für das sich Henle und die beiden Schöffen etwas mehr Zeit nahmen. Jeder der vier Beteiligten erhielt mindestens einen Freizeitarrest, außerdem muss teilweise gemeinnützige Arbeit geleistet werden oder gemeinnützige Einrichtungen erhalten etwas Geld. Hinzu kommt ein Wertersatz in unterschiedlicher Höhe, zwei Angeklagte müssen die Verfahrenskosten tragen. Und gegen den Fahrer der Bande wurde ein einmonatiges Fahrverbot verhängt.

Alle, betonte der Richter, hätten gewusst, dass ihre Taten Unrecht darstellten. Doch die Serie sei aus der Dynamik der Gruppe heraus entstanden. Es seien jugendtypische Fälle, weshalb bei allen das Jugendstrafrecht angewendet wurde. Die Geständnisse seien positiv zu werten, bei einem der Angeklagten auch seine Entschuldigungen bei den Betroffenen. Beim „Drumherum“, also in der Familie, im Arbeitsleben oder der (schulischen) Ausbildung, passe alles. Doch die Freizeitarreste sollten das deutliche Signal an die vier jungen Männer und auch die Bevölkerung sein: Hätten hier Erwachsene gesessen, wären diese nicht so glimpflich davon gekommen. Das Gericht, betonte Direktor Walter Henle, habe die Bewertung der Taten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen – und das sollten die Angeklagten ebenso wenig tun.

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