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Interview

28.02.2015

Eine Bäuerin, die das Gefühl der Unabhängigkeit liebt

Maria-Luise Leidel freut sich jedes Jahr auf den Landfrauentag. Sie hat uns verraten, warum sie das Leben auf dem Land so schätzt – und was ihr derzeit große Sorgen macht

Warum kommen Sie jedes Jahr zum Landfrauentag?

Ich bin seit etwa 30 Jahren bei den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband und 17 Jahre Ortsbäuerin in Burtenbach. Für mich ist dieser Tag immer etwas ganz Besonderes im Jahr. Mir gefällt die Mischung aus Sachvortrag und buntem Programm. Und das Schönste ist die Geselligkeit. Man kommt weg von der Arbeit und trifft Landfrauen – auch aus dem Altlandkreis Krumbach. Da gibt es viel zu reden.

Wenn Sie über das bäuerliche Leben sprechen – hat sich für Sie viel verändert?

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Ja, es hat sich viel getan. Die körperliche Arbeit ist durch die Technik leichter geworden. Der Druck in der Landwirtschaft ist aber viel größer als früher. Am meisten stört mich der ganze Verwaltungsaufwand. Die Bürokratie ist ausgeufert. Wir haben auf unserem Hof in Burtenbach Milchviehhaltung, und ich bin eigentlich schon Austragsbäuerin. Dennoch gefällt mir die Entwicklung nicht.

Lieben Sie das Landleben?

Ja, es hat etwas Wunderbares. Wir sind unabhängig und selbstständig. Ich kann, wenn es die Arbeit zulässt, in die Stadt zum Einkaufen fahren und da einfach mal eine halbe Stunde ratschen. Man ist draußen in der Natur. Und das gemeinsame Arbeiten mit meinem Mann habe ich ebenfalls als schön empfunden. Zudem waren unsere beiden Töchter zu Hause nie allein. Es war immer jemand für sie da.

In Burtenbach ging es heute im Sachvortrag um das aktive Ehrenamt. Ist das noch vorhanden?

Das schrumpft gewaltig. Es gibt immer weniger Landwirte – auch in Burtenbach. Und es ist immer mehr geboten. Der Zusammenhalt im Dorf schwindet.

Die Situation für Landwirte ist nicht einfach. Es gibt viele Diskussionen über Missstände in der Massentierhaltung.

Mich regt das auf, dass Landwirte oft zu Unrecht an den Pranger gestellt werden. Gerade ist es die Massentierhaltung, die ich auch nicht so gut finde. Aber die Frage ist: Wo beginnt die Massentierhaltung? Viele Verbraucher sind da inkonsequent. Sie kritisieren Massentierhaltung und kaufen dann im Supermarkt oft das billigste Fleisch. Ich sehe die Entwicklung mit Sorge, dass die Höfe immer größer werden müssen. Alles wird teurer – das Kraftfutter, die Maschinen und, abgesehen von der jüngsten Entwicklung, der Diesel. Und bei uns sinkt der Milchpreis. Wir bekommen nicht die Preise, die wir für eine bäuerliche Landwirtschaft brauchen. Und dies versuchen Landwirte, durch Größe zu kompensieren.

Dennoch lieben Sie Ihre Heimat und Ihren Beruf?

Ich habe es nie bereut, Bäuerin zu sein. Anfangs war die Umstellung für mich hart, denn ich war im Kindergarten tätig und habe dann in die Landwirtschaft eingeheiratet. Es gibt gewiss auch Schattenseiten der glänzenden Medaille. Wir haben keinen Samstag und keinen Sonntag frei. Dennoch überwiegt das Positive, das Gefühl der Unabhängigkeit. Interview: Berthold Veh

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