1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Eine Gefälligkeit mit Schlagstock

Günzburg

19.08.2016

Eine Gefälligkeit mit Schlagstock

Das neue Amtsgericht in Günzburg.
Bild: Bernhard Weizenegger

Warum ein Ex-Mitglied der berüchtigten Black Jackets in Günzburg auf der Anklagebank saß.

Es sollte wohl eine kleine Gefälligkeit unter „Brüdern“ sein, die alle die gleiche Kutte tragen: Eine schwarze Bomberjacke mit einer stilisierten Bulldogge auf dem Rücken. Das ist die Uniform der rockerähnlichen Gruppierung Black Jackets, die mittlerweile etliche Polizeiakten füllt. Der junge Burgauer musste nicht viel tun, als ein paar Einrichtungsgegenstände aus einer Bobinger Spielothek „abzuholen“. Der Besitzer der Gerätschaften war leider verhindert, er saß gerade hinter Gittern. So bat er denn den jungen Mann, den er im Gefängnis kennengelernt hatte, um einen kleinen Gefallen. Die Sachen gehörten zwar dem Mann im Knast, der die Spielhölle eine Zeit lang gepachtet hatte, doch sein Nachfolger benutzte sie weiterhin und würde sie wohl nicht freiwillig rausrücken. Deshalb nahm der Burgauer noch einen Kumpel mit, packte den Teleskopschlagstock ein und kaufte sich eine Schreckschusspistole.

So ausgerüstet tauchte er in dem Bobinger Etablissement auf. Über den folgenden Dialog ist nichts bekannt, jedenfalls rief das Spielothekenpersonal zügig eine Vereinigung zu Hilfe, die ebenfalls einheitliche Kleidung bevorzugt: die Polizei. Damit war der Beschaffungsausflug in den Großraum Augsburg schlagartig beendet. Der junge Burgauer muss sich darüber ziemlich geärgert haben, denn einen Tag nach der kläglich gescheiterten Aktion rief er bei den Betreibern an und drohte: „Ich bring euch um, ihr Hurensöhne.“ Auch das hätte er besser bleiben lassen, denn das brachte ihm ein weiteres Strafverfahren ein.

Als er jetzt als Angeklagter vor dem Günzburger Schöffengericht saß und der Vorsitzende Walter Henle ihn ins Gebet nahm, war der für seine 20 Jahre sehr kräftig gebaute Mann türkischer Abstammung eher still und kleinlaut. Er gab alles zu, ohne ins Detail zu gehen. Seine Kutte trug er nicht mehr, denn die hatte er angeblich schon vor einem Vierteljahr an den Nagel gehängt. Das war aus Sicht des Gerichts gut so, denn Amtsgerichtsdirektor Henle machte keinen Hehl daraus, wie er zu den Black Jackets steht: „Aus meiner Sicht ist das eine kriminelle Vereinigung.“ Und er deutete an, dass er sehr wohl Bescheid wisse über die Gruppierung, „denn ich wohne im Landkreis Heidenheim“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Richter hat Zweifel an den Worten des Angeklagten

Der ist die Wiege dieser Gang, die sich in Auftreten und Kleidung an den klassischen Rocker-Gruppen orientiert. Im April hatte ein Mitglied der Black Jackets in Heidenheim ein Mitglied einer verfeindeten Gang erschossen sowie ein weiteres lebensgefährlich verletzt. Kann man aus solch einer „Bruderschaft“ einfach austreten, wie der Angeklagte behauptete? Der Richter mochte es nicht glauben. Doch, sagte der junge Mann, er habe es den Mitgliedern seines Chapters mitgeteilt und am nächsten Tag habe er das Okay bekommen. Das Motto der Black Jackets lautet übrigens „forever friends“, Freunde auf ewig. Dabei war er zum damaligen Zeitpunkt ein führendes Mitglied. Der Angeklagte hatte sich nach oben gedient und es bis zum Vize-Präsidenten gebracht. Sein Vorstrafenregister ist beachtlich, er hatte auch schon für längere Zeit eine Haftanstalt von innen gesehen.

Eindringlich bemühte sich der Richter, dem Angeklagten ins Gewissen zu reden, künftig ein straffreies Leben zu führen, andernfalls werde „die Geduld der Ausländerbehörde zu Ende gehen“. Der Angeklagte hatte früher für einen Sicherheitsdienst gearbeitet, doch das sei ihm jetzt zu gefährlich. Nun schafft er als Tankreiniger, was ihm immerhin zu einem regelmäßigen Einkommen verhilft. Für Miete muss er nichts ausgeben, denn er lebt noch bei seinen Eltern.

Dieser Umstand trug auch dazu bei, dass er noch einmal glimpflich davon kam. Das Gericht sah bei ihm – ebenso wie Staatsanwaltschaft und Verteidiger – gewisse Reifeverzögerungen, weshalb die Kammer ihm eine Bewährungschance einräumte. Er muss zunächst 1500 Euro Strafe bezahlen. Sollte er innerhalb der Bewährungszeit noch einmal straffällig werden, werde gegen ihn mit Sicherheit eine Haftstrafe verhängt, kündigte Henle an.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Laserpistole_Nov09(1).tif
Landkreis Günzburg

Bei schönem Wetter blitzt es öfter

ad__web+mobil@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Zugang zu allen Inhalten, mtl. kündbar, 4 Jahre Abopreis-Garantie.
So attraktiv waren Heimatnachrichten noch nie!

Zum Web & Mobil Starterpaket