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Kreis Günzburg

26.06.2018

Eine ganz entspannte Wahl

Bis zum 27. Juli stimmen die Mitgliedsunternehmen der IHK im Landkreis darüber ab, wer sie in der Regionalversammlung vertreten soll. Die Stimmberechtigten können unter anderem auch beim Johannisempfang in der kommenden Woche ihre Stimme abgeben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Mitgliedsunternehmen der IHK im Landkreis haben einen Monat Zeit, ihr neues „Parlament“ zu bestimmen. Doch was ist das eigentlich, die Regionalversammlung?

Es ist ein großes Versprechen, das der Wahlausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben am Ende des Anschreibens an die Wahlberechtigten gibt: „Gemeinsam können wir die Zukunft Ihrer Region gestalten.“ Aber wie? Aus Sicht der schwäbischen Wirtschaftskammer geschieht dies durch die IHK-Regionalversammlung für den Landkreis Günzburg, die für fünf Jahre gewählt wird – jetzt ist es wieder so weit. Alle 9100 Mitgliedsunternehmen im Kreis haben inzwischen ihre Unterlagen für die Briefwahl erhalten.

Eile ist nicht geboten. Die IHK-Wahl läuft seit gestern. Ihre Stimmen können die Berechtigten bis 27. Juli abgeben – jeder für seine Wahlgruppe. Wer also beispielsweise etwas herstellt, der wird auch und nur in der Gruppe Produktion aus den Kandidaten auswählen können. Aus den in diesem Bereich 24 zur Wahl stehenden Bewerbern haben im Prinzip die 16 mit den meisten Stimmen einen Sitz in der Günzburger Regionalversammlung der IHK.

Dieses „Wirtschaftsparlament“ verfügt über insgesamt 31 Sitze. Dass die Produktions-Branche einen Platz mehr einnimmt als die übrigen vier Wahlgruppen (Gruppe 2: Distribution; Gruppe 3: Freizeit, Kultur und Gesundheitswesen; Gruppe 4: Transport und Logistik, Information und Kommunikation; Gruppe 5: Finanzwirtschaft) lässt die Wichtigkeit dieses Sektors im Landkreis Günzburg erkennen. Je größer die Bedeutung einer Branche ist, desto stärker ist sie auch im jeweiligen Regionalparlament der IHK vertreten.

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Das Sprachrohr eines großen Teils der Wirtschaft

Hermann Hutter (Hutter Büro GmbH und Co. KG), der aktuelle Vorsitzende der Regionalversammlung, betrachtet diese Interessensvertretung als wichtigen Baustein in der Selbstverwaltung. „Wir sind das Sprachrohr eines Großteils der Wirtschaft“, sagt der Günzburger Unternehmer, „und damit auch wichtiger Ansprechpartner für die Politik.“ Der rege Austausch mit dem Landrat und den Bürgermeistern in der Region funktioniere gut. „Und das ist keine Selbstverständlichkeit“, bemerkt Hutter.

Dass die Wirtschaft keine homogene Einheit ist und die Zielrichtung von Mitgliedsunternehmen manchmal ziemlich unterschiedlicher Natur sind, bestreiten weder Hutter noch Roland Kober (Adinco GmbH, Kötz), einer von elf Vizepräsidenten in der schwäbischen IHK. Dann werde die Regionalversammlung auch zum Gremium, das sehr um Interessensausgleich bemüht sei.

Geschlossenheit ist aus Sicht der beiden Geschäftsmänner nicht zu unterschätzen, wenn es um den Wettbewerb unter den Regionen gehe. Ein Selbstläufer sei die gute wirtschaftliche Situation im Landkreis jedenfalls nicht. Günzburg müsse sich zwischen Ulm und Augsburg profilieren. Und die günstige Verkehrsanbindung im Norden gilt für den Landkreissüden schon nicht mehr. Kober erinnert an den notwendigen Ausbau der Bundesstraße 16. Dies sei eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte.

Der Arbeitsmarkt ist abgegrast

Ständiger Begleiter wird für die Betriebe in der Region Günzburg der Fachkräftemangel sein. Die geringe Arbeitslosenquote von aktuell 1,6 Prozent verschärft die Situation auf Arbeitgeberseite noch, denn der Arbeitsmarkt ist abgegrast.

Hutter zufolge gilt es, „schlummernde Potenziale“ zu wecken. Er denkt dabei an Frauen, denen der Wiedereinstieg in ihren erlernten Beruf nach einer Babypause erleichtert werden könne – zum Beispiel mit Teilzeitmodellen oder Homeoffice-Lösungen. Und er denkt an Flüchtlinge, die auch wegen gesetzlicher Vorgaben in der Arbeitswelt nicht so Fuß fassten, wie es sich die Wirtschaft vorgestellt habe. Dabei „ist ein Arbeitsplatz die beste Integrationsmöglichkeit“, wie Hutter sagt.

Ein Dauerthema, mit der sich die Regionalversammlung in der nächsten Legislaturperiode schwerpunktmäßig beschäftigen wird, benennen der Vorsitzende der Regionalversammlung und der Vizepräsident mit dem Kampf gegen ausufernde Bürokratie. Anfängern soll eine Gründerberatung helfen, Hindernisse auf dem Weg zum eigenen Geschäft zu überwinden. Außerdem ist Expertenrat zur neuen Datenschutzgrundverordnung wichtig, damit kleine und mittlere Unternehmen nicht allein gelassen werden und sich überfordert fühlen.

Den Satz eines Günzburger Händlers hat Hutter heute noch im Ohr. Er vermutete angesichts immer neuer Anforderungen: „Weißt Du was, die wollen, dass ich aufhöre.“

Das ist die IHK-Regionalversammlung im Landkreis in Zahlen

Größe Die gesteigerte Wirtschaftskraft der Region kann man auch an der Größe der Regionalversammlung ablesen. Günzburg bekommt künftig 31 statt bislang 27 Sitze. Von den elf Regionalversammlungen, die deckungsgleich mit den zehn schwäbischen Landkreisen und der Stadt Augsburg sind, bleiben die Gremien in den Kreisen Lindau, Dillingen und in Augsburg gleich. Alle anderen wachsen.

Kandidaten 20 der 51 Bewerber für das Gremium schaffen es nicht in die neue Regionalversammlung. 37 Prozent der Kandidaten kommen aus Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern. Insgesamt 58 Prozent der Kandidaten sind neu. 27 Prozent der Bewerber sind Frauen. Und 16 Prozent der 51 Kandidaten gehören den Wirtschaftsjunioren an.

Mitgliedsunternehmen 9100.

Bruttoinlandsprodukt 5,1 Milliarden Euro.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 52400.

Ausbildungsbetriebe 334.

Auszubildende gesamt 1360.

Neue Auszubildende (2017) 591

Vorsitzender und Vizepräsident Hermann Hutter ist seit 1990 Mitglied der IHK-Regionalversammlung Günzburg, Roland Kober seit 1999. Hutter ist seit dem Jahr 2003 Vorsitzender der Regionalversammlung, Kober seit 2014 einer der elf weiteren IHK-Vizepräsidenten, die neben dem Präsidenten (aktuell Andreas Kopton) und drei Stellvertretern das Präsidium bilden. Das Präsidium wird von der Vollversammlung gewählt, die sich aus insgesamt 100 Mitgliedern der Regionalversammlungen zusammensetzt.

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