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Leipheim

01.07.2020

Eingesperrter Husky-Welpe bei Leipheim entdeckt: So geht es ihm jetzt

Ein Huskywelpe wurde vom Zoll an der A8 in Leipheim in einem Kleintransporter gefunden.
Bild: Veterinäramt

Plus Eine Horrorfahrt endete für einen 14 Wochen alten Husky in den Händen des Zolls. Er wurde in einem moldawischen Kleintransporter gefunden. Mehr zu den Hintergründen des Hundeschmuggels.

Es ist eine lange Reise, die ein kleiner Husky hinter sich bringen musste. Es ist eine schreckliche Fahrt, die vier Männer aus Osteuropa dem Welpen zugemutet haben. Mehr als 1600 Kilometer war der Hund in einem Kleintransporter mit moldawischer Zulassung unterwegs – eingesperrt in einer verdreckten Transportbox. Seine Horrorfahrt fand erst auf der A8 an der Anschlussstelle Leipheim durch eine Kontrolle des Zolls ein Ende. Wo der Husky nun lebt und was die Hintergründe der Fahrt sind.

Die gute Nachricht vorweg: Der 14 Woche alte Hund hat ein neues Zuhause. Eine Familie aus dem nördlichen Landkreis Günzburg hat den Vierbeiner bei sich aufgenommen. Wie das Tierheim Günzburg, wo der Hund zuletzt gelebt hat, mitteilt, hat es zwischen Hund und Herrchen "super gepasst". Aufgrund seines "tollen und unbelasteten" Wesens, habe es keine Schwierigkeiten bei der Vermittlung gegeben. Doch was war in den Tagen zuvor geschehen?

Im Rahmen einer zollrechtlichen Kontrolle der Kontrolleinheit Verkehrswege des Hauptzollamts Augsburg wurde Mitte Juni auf der Autobahn A8, an der Anschlussstelle Leipheim, ein Husky-Welpe in einem Kleintransporter mit moldawischer Zulassung gefunden.

Eingesperrter Husky-Welpe bei Leipheim entdeckt: So geht es ihm jetzt

Zoll entdeckt bei Leipheim Husky-Welpen in verdreckter Transportbox

Wie Ute Greulich-Stadlmayer, Pressesprecherin am Hauptzollamt Augsburg mitteilt, war der Welpe vermutlich während der kompletten Fahrt aus Moldawien in einer kleinen Transportbox eingesperrt und hatte sich darin bereits übergeben und eingekotet. Um ihn herum lagen persönliches Reisegepäck, Nahrungsmittel, geringwertige Geschenke wie Kleidung und gebrauchte Möbel sowie kleine Mengen Kuriergepäck im Transporter.

Die Zöllner kontrollierten laut Greulich-Stadlmayer die zwei Männer im Kleintransporter – beide sind moldawische Staatsbürger. Die notwendigen Papiere für den Hund seien dem Vernehmen nach nicht vorhanden gewesen, außerdem hatten die Zöllner Zweifel am Alter des Hundes. Laut Impfpass soll er sieben Monate alt sein, doch das erschien den Kontrolleuren deutlich zu alt.

Veterinäramt im Landkreis Günzburg wird wegen Hundewelpen verständigt

Der Zoll informierte das zuständige Veterinäramt des Landkreises Günzburg. Der amtliche Tierarzt Elmar Rammelberg stellte fest, dass die notwendige Tollwut-Titerbestimmung nicht vorlag. „Tierschutzmäßig war nichts festzustellen. Der Husky war in einem insgesamt guten Zustand“, sagt Rammelberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Der gute körperliche Zustand könnte damit zusammenhängen, dass es wohl ein Auftragshund als Einzelbestellung eines Kunden war. Wenn mehrere Hunde zeitgleich transportiert werden, sei das Erscheinungsbild deutlich schlechter.

Amtstierarzt Rammelberg schätzt das Alter des männlichen Welpen auf etwa 14 Wochen – und bestätigt damit die Zweifel der Zöllner an den angegebenen sieben Monaten. Der kleine Husky wurde anschließend zum Tierheim Günzburg gebracht und dort in Quarantäne genommen.

Transporteur muss 750 Euro als Sicherheitsleistung zahlen

Das Veterinäramt des Landkreises Günzburg hat eine Sicherheitsleistung in Höhe von 750 Euro erhoben, da ein Verstoß gegen die sogenannte Binnenmarkttierseuchenschutzverordnung vorlag. Ein Bußgeldbescheid laufe in der Regel im europäischen Ausland ins Leere. Laut Auskunft von Rammelberg hat sich keiner der Beteiligten bezüglich der Abholung des Huskys gemeldet. Es gab lediglich zwei Anrufe bezüglich der Rückzahlung der erhobenen Sicherheitsleistung in Höhe von 750 Euro.

Mit den vermeintlichen Käufern in Deutschland habe es während der Zollkontrolle an der A8 nach Informationen unserer Zeitung kurzzeitig einen telefonischen Kontakt gegeben. Deren Namen sind allerdings unbekannt, sie meldeten sich auch nicht mehr wegen des Huskys.

Husky ist im Tierheim Günzburg und wartet auf neues Herrchen

Der Welpe befindet sich inzwischen nicht mehr in Quarantäne, das Veterinäramt hat ihn danach zur Vermittlung freigegeben. Der Husky lebt nun im nördlichen Landkreis. Eine Tollwut-Impfung hat er natürlich bereits erhalten. Für das Hauptzollamt ist die Angelegenheit erledigt. „Der Zoll kontrolliert und stellt nur fest. Danach ist er nicht mehr zuständig und gibt den Fall an die zuständige Behörde weiter – in dem Fall das Landratsamt“, sagt Greulich-Stadlmayer.

Im Bezirk des Hauptzollamts Augsburg, welches den gesamten Regierungsbezirk Schwaben und Teile von Oberbayern, wie den Raum Ingolstadt umfasst, hat 620 Beschäftigte – viele arbeiten in Teilzeit. Aufgabengebiete sind unter anderem die Kontrolle von Schwarzarbeit, Produktpiraterie und die Überwachung des Warenverkehrs, welche von der Kontrolleinheit Verkehrswege durchgeführt wird. Zuletzt wurde im Landkreis Günzburg kurz vor Weihnachten ein geschmuggelter Hund vom Zoll entdeckt.

Mehr als 100.000 Welpen werden pro Jahr aus Osteuropa nach Deutschland geschmuggelt

Laut einer Studie der Europäischen Kommission werden jedes Jahr etwa 550.000 Hunde illegal über Europas Grenzen transportiert – und das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Realität dürfte viel düsterer sein. Die international tätige Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten schätzt, dass allein aus Osteuropa jährlich mehr als 100.000 Welpen nach Deutschland geschmuggelt werden; das sind mehr als 270 pro Tag. In ostereuropäischen Ländern werden Hundewelpen meist unter miserablen Bedingungen gezüchtet und im Internet verkauft. Wie der Kontakt nun zwischen den Verkäufern aus Osteuropa und den Kunden in Deutschland zustande gekommen ist, ist noch unklar.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unseres Autors: Das lukrative Geschäft mit Hundewelpen

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