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Günzburg

11.01.2019

Einige Barrieren in der Stadt waren zu hoch

Günzburg ist auf der Suche nach einer neuen Behindertenbeauftragten. Nach drei Jahren hat Doris Schwarz ihr Ehrenamt nämlich abgegeben.
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Günzburg ist auf der Suche nach einer neuen Behindertenbeauftragten. Nach drei Jahren hat Doris Schwarz ihr Ehrenamt nämlich abgegeben.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Doris Schwarz hat ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Behindertenbeauftragte in Günzburg Ende des Jahres beendet. Das sind ihre Gründe.

Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. Nach drei Jahren im Ehrenamt der Behindertenbeauftragten der Stadt Günzburg stand Doris Schwarz Ende 2018 vor der Frage, ob sie ihre Aufgabe verlängert – oder sich zurückzieht. Die Günzburgerin hat sich für Letzteres entschieden. Zu hoch waren einige der Barrieren, die der Rollstuhlfahrerin im Wege standen.

„Auch wenn der Schluss ein sehr schwerer und enttäuschender war, bin ich dankbar für die Begegnungen mit den vielen betroffenen Menschen aber auch mit den Menschen, die ein ehrliches Interesse an positiver Veränderung in Sachen der Barrierefreiheit und Inklusion dazu haben“, sagt Doris Schwarz im Gespräch mit unserer Zeitung. Solche Begegnungen und auch solche Menschen habe es durchaus einige gegeben. Besonders die Stadträte Ursula Seitz und Manfred Büchele (SPD), Angelika Fischer (GBL) und Johann Kaltenecker (UWB) hebt Schwarz als engagierte und interessierte Gesprächspartner im Gremium hervor. (Lesen Sie hier: Im Rollstuhl einen neuen Blickwinkel erlebt) Auch das ehrliche Interesse von Kulturamtschefin Karin Scheuermann und Museumsleiter Raphael Gerhardt an ihren Hinweisen bezüglich Barrierefreiheit im Forum am Hofgarten und beim Museum habe sie riesig gefreut.

Hilfen und Hinweise wurden als Vorwurf aufgefasst

Aber die Arbeit hatte eben nicht immer nur Spaß gemacht. Oft hätte sie gerne im Vorfeld ausführlichere Informationen über geplante Projekte erhalten, ob es nun städtische Vorhaben oder durch die Stadt geförderte gewesen seien. Dies sei jedoch in vielen Fällen nicht der Fall gewesen, sagt Doris Schwarz. „Ich kann doch auch keine Stellungnahme abgeben, wenn ich keine Pläne davon habe.“ Nicht alles, was sie zum Thema Barrierefreiheit und behindertengerechter Gestaltung zu sagen hatte, sei bei der Stadtverwaltung auch so verstanden worden. „Es wurde nicht als Hilfe, als Hinweis gesehen, sondern als Vorwurf. Und so war es definitiv nicht gedacht.“

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig bedauert persönlich ausdrücklich, dass Doris Schwarz nicht weiter als Behindertenbeauftragte der Stadt im Einsatz sein will. „Vor allem beim Thema öffentlicher Personennahverkehr und bei Hochbauten haben wir den Sachverstand von Doris Schwarz schätzen gelernt.“ (Lesen Sie hier: Was den Einstieg nicht einfach macht) Dass dieser Sachverstand auch auf Problemstellungen verweist, die nicht auf Anhieb lösbar sind, ist dabei auch Jauernig bewusst. „Eine Behindertenbeauftragte darf aber auch unbequem sein mit dem, was sie vertritt.“

Doris Schwarz formuliert es so: „Ich habe versucht, in klarer, aber stets freundlicher Art und Weise verständlich zu machen, warum Barrierefreiheit (seien sie baulicher Art oder mentaler Art) für alle Bürger wichtig ist.“ Damit hat sie in den vergangenen drei Jahren auch einiges bewegt: Dank ihrer Hartnäckigkeit ist inzwischen auch über die Regierung von Schwaben geklärt, dass Busfahrer eine Rampe, wie sie Rollstuhlfahrer beispielsweise für das Einsteigen in den Bus benötigen, selbst auslegen müssen – dafür also keine Begleitperson notwendig ist. Auch auf die Tatsache, dass Rollstuhlfahrer die Kassenautomaten in der Tiefgarage nicht benutzen können, weil sie nicht an den Geldeinwurf heranreichen, hat die Behindertenbeauftragte erfolgreich hingewiesen – eine Korrektur ist erfolgt. Korrigiert wurde auch die stark frequentierte Stadtbushaltestelle Reindlstraße Nord, sodass diese nun auch von Menschen mit Rollator oder Rollstuhl nutzbar ist. Verbreitert wurde der Gehweg vor dem Stadttor. Erreicht hat sie weiter, dass beim Arbeitskreis Barrierefreiheit nun gehörlose Menschen dabei sein können. Die Stadt übernimmt Kosten für den notwendigen Gebärdendolmetscher. All das sind Veränderungen, die Doris Schwarz freuen.

Es gibt noch viel zu verbessern in der Stadt

Aus ihrer Sicht gebe es aber noch deutlich mehr zu verbessern im Stadtgebiet – doch sie selbst bringt nicht mehr die Kraft dafür auf, im Ehrenamt für diese zu kämpfen. Dabei macht Doris Schwarz aber deutlich: „Ich werde mich auch weiterhin für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzen.“ Schließlich war ihr im Rückblick auf ihre Tätigkeit vor allem wichtig, „dass ich hilfesuchenden Bürgern direkte Ansprechpartnerin sein konnte. Hilfestellung bei der Suche nach entsprechenden Fachberatungsstellen und Einrichtungen leisten konnte. Sozusagen ein offenes Ohr und ein weites Herz für die Anliegen der Menschen hatte.“ Dass sie dafür auch von den Betroffenen Dank erfahren habe, berühre sie. „Ein junger Mann im Rollstuhl schrieb mir: Ich bin Ihnen so unfassbar dankbar, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Sie sind einfach super“.

Seit dem Jahresende ruht das Ehrenamt der Behindertenbeauftragten – es ist übrigens keine Pflichtposition, welche die Stadt anzubieten hat, informiert Oberbürgermeister Jauernig. Nicht nur, weil die Stadt als Modellkommune im Projekt „Bayern barrierefrei“ mit dabei ist, soll es aber eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger von Doris Schwarz geben. „Wir schauen, dass es in einer der nächsten Sitzungen eine Nachbestellung der Position geben wird“, sagt Gerhard Jauernig. Mögliche Kandidaten gebe es schon, wer, darüber möchte der Oberbürgermeister im Moment noch nichts sagen. Anfragen und Mails an die bisherige Mailadresse behindertenbeauftragte@guenzburg.de kommen jetzt bei der Stadtverwaltung an.

Lesen Sie hier den Kommentar von Rebekka Jakob: "Günzburgs Behindertenbeauftragte hat viel bewegt"

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