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17.09.2007

Einst verfemt, jetzt Ehrenbürger

Konzenberg "Die Heimat ist das teuerste, was Menschen besitzen", sagte Dichterfürst Friedrich Schiller. "Heimat kann man überall finden, aber der Platz meiner Geburtstadt Temeschburg oder Temesvar gleicht in meinem Herzen einer duftenden Blumenwiese, "bekennt der 70-jährige ehemalige Handball-Weltstar Hans Moser, erhebt aber zugleich ein frohes Lied auf den Landkreis Günzburg, in dem er sich seit 1972 viele Jahre als Sportlehrer am Dossenberger Gymnasium und Handballtrainer in Günzburg, Burgau und Leipheim zu Hause fühlte und das heute mit Wohnsitz in Konzenberg noch tut.

Grundstein für die Faszination Handball gelegt

So wie Moser aber über Jahrzehnte in der Ferne seine Vaterstadt nie vergessen hat, so löschten ihn die Menschen im wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Zentrum des rumänischen Banats auch nicht aus ihrem Gedächtnis.

Im Trikot des Temeschburger Traditionsvereins "Stiinta" spielte Moser den brillantesten und witzigsten Handball. Mit seiner außergewöhnlichen Klasse verzauberte er nicht nur die Sportfans. Er legte den Grundstein für die in Temeschburg bis heute anhaltende Faszination für diesen Sport. Jetzt wurde ihm in einer Feierstunde ihm Temeschburger Rathaus von Oberbürgermeister Gheorge Chiuhaudu mit einstimmigem Beschluss des Rates der Stadt anlässlich des 60. Jubiläums des Handballklubs Stiinta die Ehrenbürgerschaft verliehen.

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Moser hat in seiner langen und so erfolgreichen Sportlerlaufbahn viele große Ehrungen für große Erfolge erhalten: für zwei Weltmeistertitel, elf rumänische Landesmeisterschaften, für einen Europapokalsieg. Geehrt als WM-Torschützenkönig 1964, als weltbester Handballer 1964 und als Jahrhunderspieler des 20. Jahrhunderts. Bejubelt als Meistermacher in Milbertshofen, Günzburg, Augsburg, Leipheim und Burgau.

Die Heimkehr nach sechs Monaten einfach "vergessen"

Doch diese letzte Ehrung mit der Ehrenbürgerschaft bedeutet ihm mehr. Sie ist auch mehr. Wenn sich auch seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ein dichtes Netz an Verbindungen zwischen Ost und West gebildet hat, so ist eine solche Auszeichnung noch immer eine Seltenheit. Sie hat fast politische Dimension. Denn sie ist eine unglaubliche Rückkehr eines lange in seinem Geburtsland Verfemten.

Als Erfolgsgarant der großen rumänischen Handballepoche ließ ihn die menschenverachtende rumänische Diktatur der untergeordneten Rolle fast aller Menschen erst entkommen. Als ihn 1968 der Drang nach den Wundern der Fremde nach München führte und er dann nach den gestatteten sechs Monaten die Heimkehr "vergas", durfte er nicht mehr existieren. Selbst auf den Erinnerungsbildern an die Weltmeisterteams wurde er mit graphischer Kunst durch einen Baumstamm ersetzt. Doch so sehr sportlicher Ruhm vergänglich sein kann, bei Moser hat er bis zur Gegenwart gehalten. Selbst 40 Jahre nach seiner Abkehr von einem Regime erfuhr er bei seiner Rückkehr immer noch unvorstellbare Sympathiebeweise.

Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft gar stellte Oberbürgermeister Gheorge Chiuhhaudu Mosers Popularität in Rumänien mit der von Franz Beckenbauer und Boris Becker in Deutschland. "Er hat in seiner Vaterstadt die Grundschule die Lehrerbildungsanstalt, danach das Baugymnasium besucht und nach dem Abitur in Temeschburg Agronomie studiert. Er war und ist ein großer Sohn unserer Stadt," sagte das Stadtoberhaupt bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft, die vor ihm nur ein kleiner Kreis von Temeschburgern erhalten hatten.

So der legendäre Olympiasieger im Schwimmen und Tarzan-Darsteller Jonny Weismüller, der Direktor der Wiener Staatsoper Hans Holender, der Schriftsteller Nikolaus Berwanger, der Luftpionier Traian Vuia, der Filmregisseur Robert Dornhelm und der rumänisch- ungarische Pfarrer Lazlo Tökes als Mitinitiator der in die Freiheit der Rumänen führenden Revolution, die in Temeschburg begann.

"Voraussetzung für eine Annäherung von Ost und West ist natürlich, dass man sich versteht und dass man die Erinnerungen nicht verbietet", bedankte Moser sich für die Auszeichnung.

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