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Landkreis Günzburg

22.01.2017

Elfriede Baur aus Burgau war den Filmstars ganz nah

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6 Bilder
Elfriede Baur kam während ihrer Kindheit mit zahlreichen Stars aus dem Filmgeschäft zusammen. Jetzt möchte die Burgauerin KirkDouglas zu seinem 100. Geburtstag gratulieren.
Bild: Peter Wieser

Von vielen Schauspielern hat die Burgauerin Bilder mit persönlicher Widmung. Auch von Kirk Douglas – dem sie nun schreibt.

Das Bild, das an ihrer Wand hängt, zeigt Kirk Douglas. Entstanden ist es im Jahr 1957 beim Schloss Schleißheim in München, bei den Dreharbeiten zu Stanley Kubrick’s Antikriegsfilm „Wege zum Ruhm“. „Für Elfriede, best wishes, Kirk Douglas“, hat der Hollywood-Star eigenhändig für Elfriede Baur signiert. Ihr Mann Otto war übrigens der Sohn des Burgauer Kunstmalers und Landtagsabgeordneten Anton Baur und dessen Frau Gretl.

Im Dezember feierte Kirk Douglas seinen 100. Geburtstag. In Elfriede Baur wurden damit Erinnerungen wach: an die Zeiten der großen deutschen Filmstars und Schauspiel-Legenden ihrer Kindheit. Viele von ihnen hat die 76-jährige in den 50er Jahren kennengelernt, nicht im Kino oder im Fernsehen, sondern persönlich und hautnah. Doch wie kommt es, dass ausgerechnet eine Burgauerin in die Welt der Filmklassiker mit Größen wie Curd Jürgens oder Heinz Rühmann eintaucht, oder eben mit Kirk Douglas? Elfriede Baur lächelt und beginnt zu erzählen: von München und von der Naupliastraße, wo sie aufwuchs, nicht weit von Geiselgasteig. Und von ihrem Vater Josef Dorrer, der wiederum von seinem Vater das Schneiderhandwerk gelernt hatte.

Fotograf wäre zu brotlos, habe es immer geheißen. Doch auch dies sei, kurz nach dem Krieg, nicht so einfach gewesen. Die Kunden fehlten und das Geld ebenfalls. Eines Tages stand der Schauspieler Karl Schönbeck im Haus. „Mein Vater hatte ihm wohl etwas geschneidert und er kam zur Anprobe oder um etwas ändern zu lassen“, erzählt Baur und fügt schmunzelnd hinzu: „Voller Pickel war er.“ Karl Schönbeck jedoch sei es gewesen, durch den die Kontakte zu den Bavaria Filmstudios in Geiselgasteig zustande kamen. #

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Der Beginn der Begegnungen mit den Filmstars

Von da an arbeitete ihr Vater in der Filmstadt und war mit für die Garderobe zuständig. Für Elfriede Baur war dies der Beginn von Begegnungen mit vielen Menschen, die in der Filmwelt der 50er Jahre Rang und Namen hatten. Sie erinnert sich daran, als sie das erste Mal ihren Vater bei der Arbeit besuchte. Als Kind und als seine Tochter war dies problemlos möglich. So um die zwölf Jahre alt sei sie damals gewesen, als sie zum ersten Mal erlebte, wie ein Film gedreht wird. „Dort stand ein Eisenbahnwaggon, an dem eine Landschaft vorüberzog“, erzählt Elfriede Baur – beeindruckt, mit welchen Tricks die Leute vom Film arbeiteten. Und daneben standen Heinz Rühmann und die Schauspielerin Hertha Feiler, seine damalige Frau. Immer wieder wurden die Szenen wiederholt.

Auch die Besuche in den Filmstudios wurden schließlich zur Regel. Interessiert zeigte sich Elfriede Baur auch für die Aufbauten, viele aus Lattenholz. Bei den Dreharbeiten zu dem Film „Ein Mann geht durch die Wand“, in dem Heinz Rühmann den braven Steuerbeamten dritter Klasse, den Herrn Buchsbaum, spielte, seien die Wände aus Papier gewesen. „Freilich war ich stolz, die Herren und Damen zu sehen, das waren schon besondere Leute“, erzählt Elfriede Baur.

Stolz aber war auch ihr Vater. Denn der stellte seine Tochter diesen „besonderen Leuten“ stets vor, von O. W. Fischer und Joachim Fuchsberger bis hin zu Romy Schneider und Lieselotte Pulver. Apropos Pulver: Beim „Wirtshaus im Spessart“ habe die Lilo am Ende einer Szene einmal ihrem Vater einfach den falschen Busen nachgeworfen und gesagt, dass sie den „jetzt nimmer brauche“. Überhaupt sei ihr Vater durch seine vorausschauende Art sehr beliebt gewesen. Für den Heimatfilm „Der Jäger von Fall“ habe er für die Szene, in der einer der Darsteller ins Wasser fallen sollte, vorsichtshalber eine weitere Uniform bereitgestellt. Tatsächlich musste sich dieser ein zweites Mal hineinstürzen.

Heinz Rühmann rechnete immer genau ab

Manchmal übernahm ihr Vater auch kleine Komparsenrollen, für 20 oder 30 Mark zusätzlich, wie bei dem Film „Heute heiratet mein Mann“. „Es ist scho a Freud’, wenn der eigene Vater im Fernsehen ist und plötzlich bei der Tür herauskommt“, erzählt Elfriede Baur. Oder die Szene bei „König Ludwig II.“, in der ihr Vater kurzerhand ebenfalls im Filmgeschehen landete. Anstatt des Schauspielers Paul Bildt, der zum Dreh nicht erschienen war, saß er kurzerhand mit den anderen Darstellern zusammen am Tisch: als Richard Wagner, wenn auch nur von hinten zu sehen.

Brauchten die Stars einmal auf die Schnelle etwas, ihr Vater besorgte es. Während Heinz Rühmann immer genauestens abrechnete, habe sich Curd Jürgens großzügig gezeigt. Der sei auch der Lieblingsschauspieler des Vaters gewesen. „Da Anzengruber“ habe er ihn immer genannt, vielleicht, weil er so bayerisch aussah. Und am Ende der Dreharbeiten habe es immer ein Trinkgeld gegeben. Und mit dem von Johannes Heesters habe sie sogar Rollschuhe bekommen.

Jetzt möchte sie Kirk Douglas gratulieren

„Mein Vater hat mir immer gesagt, wer gerade im Film ist“, erzählt Elfriede Baur. War sie nicht dabei, gab es ein Bild mit Widmung oder zumindest ein Autogramm. „Für Elfriede mit guten Wünschen“ steht auf dem Bild, das Gert Fröbe mit Zigarette zeigt. „Pour Elfriede“, schreibt Juliette Greco und „Best wishes to Elfriede“, kommen von Gregory Peck. Damals hatte sie sich ein kleines „Heftle“ angelegt. Der Einband ist mit ausgeschnittenen Bildern der Stars beklebt. In alphabetischer Reihenfolge finden sich darin Unterschriften und Widmungen von Mario Adorf bis „Don Camillo“ Fernadel, ebenso wie die von Ernest Borgnine und Tony Curtis. Warum die von Hansjörg Felmy fehlt, kann Elfriede Baur heute nicht mehr sagen. All die Schätze hat sie sorgfältig und sicher verwahrt.

Eben weil Kirk Douglas vor kurzem seinen 100. Geburtstag feierte, möchte sie ihm gratulieren. „Ich würde ihm gerne schreiben, dass ich ihn immer gern gesehen habe. Und vor allem, dass mein Vater immer gerne mit ihm zusammengearbeitet hat“, sagt Elfriede Baur schmunzelnd. Im Internet finden sich zwar verschiedene Adressen, aber: Um Kirk Douglas das zu sagen, sollte es persönlich bei ihm ankommen. Darauf legt die Burgauerin Wert.

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