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Kötz

15.03.2019

Emotionale Diskussion um die Mittagsbetreuung

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In Kötz übernehmen die Johanniter die Betreuung des Kinderhorts. Eltern kritisieren jedoch die vorgesehenen Kernzeiten.

Beim Infoabend über den Kötzer Hort kritisieren Eltern die vorgesehenen Kernzeiten. So reagiert die Gemeinde jetzt darauf.

Die Wogen gingen hoch. Dass es in Kötz künftig keine Mittagsbetreuung geben soll, sondern nur noch Hortplätze für Grundschulkinder, hat nicht nur beim Informationsabend am Mittwoch für Aufregung gesorgt. Vielfach kritisiert haben die Eltern insbesondere, dass Kinder aus dem Hort dann frühestens um 15.45 Uhr abgeholt werden können. Nach einer eineinhalbstündigen, teilweise sehr emotionalen Diskussion zeichnete sich jedoch ein Weg ab, der den Wünschen vieler Eltern entsprechen könnte.

Michael Schmidt, Bereichsleiter Kinder, Jugend und Familie beim Regionalverband der Johanniter-Unfall-Hilfe, hatte zu Beginn des Abends in der Kötzer Grundschule das pädagogische Konzept des Johanniter-Horts umrissen. Dieser sei eine „familienergänzende Einrichtung“, sagte Schmidt den etwa 40 Gästen, der Hort setze Bildungsziele wie Medienkompetenz, interkulturelle Kompetenz und Sprachkompetenz um. In Kötz werde der Schwerpunkt voraussichtlich auf der Medienkompetenz liegen.

Der Hort soll ab 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet sein

Im Gegensatz zu einer Mittagsbetreuung gebe es im Hortbetrieb nur pädagogische Fachkräfte, sagte Schmidt und verwies auf die große Erfahrung der Johanniter, die in Bayern mehr als 100 Kindertagesstätten betreiben. Wichtig sei den Johannitern auch die intensive Zusammenarbeit mit Eltern und Schule.

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Ab 11 Uhr soll der Hort öffnen, der bis zur Fertigstellung des Neubaus am Großkötzer Schlossplatz vorläufig im Sitzungssaal der Günzhalle unterkommt. Bis circa 13 Uhr ist freies Spiel für die Kinder vorgesehen, dann gibt es Mittagessen, das vorgegart geliefert und vor Ort zubereitet wird. Bis 14.30 sollen die Kinder dann nach Möglichkeit draußen spielen und sich bewegen, bevor es zwischen 14.30 und 15.30 Uhr unterteilt in die Klassenstufen Eins und Zwei sowie Drei und Vier an die Hausaufgaben geht. Nach einer kurzen Aufräumzeit können die Kinder ab 15.45 Uhr abgeholt werden, Ende des Hortbetriebs soll – je nach Bedarf der Familien – spätestens um 17 Uhr sein, sagte Schmidt.

Eltern befürchten, dass Hobbys und Freunde auf der Strecke bleiben

Dass die Kinder, bis auf begründete Ausnahmen, innerhalb der Kernzeit mindestens bis 15.45 Uhr im Hort bleiben sollen, missfiel vielen Eltern. „Warum gibt Kötz einen bestehenden Standard auf?“, fragte ein Vater und sprach von einer Verschlechterung im Betreuungsangebot. Dass die gut laufende und mit 15 Kindern ausgebuchte Mittagsbetreuung abgeschafft werden soll, wurde mehrfach heftig kritisiert. Nur wenige Kinder bräuchten die ganztägige Betreuung, monierten die Eltern, die befürchten, dass Hobbys, Freundschaften aber auch Arzt- oder Therapietermine durch die langen Hortzeiten leiden. „Ich will mich um mein Kind kümmern dürfen“, sagte eine Frau, „wir haben nicht gesagt, dass wir unsere Kinder jeden Tag bis halb vier los haben wollen“, sagte eine andere Mutter und ein Vater: „Ich nehme meinem Kind seine Freunde weg.“

Keinen leichten Stand hatte der Kötzer Bürgermeister Ernst Walter (links) beim Info-Abend zur Hortplatzsituation. Der künftige Träger Johanniter-Unfall-Hilfe, vertreten durch Michael Schmidt (Zweiter von links) und Michael Rettenmaier (daneben) hatten eingeladen, etwa 40 Eltern waren gekommen.
Bild: Irmgard Lorenz

Dass für einen Hort gesetzliche Vorgaben gelten und damit auch nicht unerhebliche Fördergelder verknüpft sind, versuchte Johanniter-Regionalvorstand Michael Rettenmaier den teilweise aufgebrachten Eltern zu erklären. „Luftbuchung“ war hier ein Stichwort. Das Landratsamt prüfe intensiv, ob Buchungszeiten und Abholverhalten kompatibel sind und fordere gegebenenfalls Fördergelder zurück, erklärte Rettenmaier, warum die Mindestbuchungszeit von 15,5 Stunden in der Woche nicht verhandelbar ist. Möglich sei allerdings Hortplatz-Splitting, bei dem sich Familien die Betreuungstage teilen.

Bürgermeister bietet eine Umfrage an

Nachdem sich im Lauf des Gesprächs die Emotionen dann doch etwas beruhigt hatten und die Fakten in den Vordergrund rückten, gab es durchaus manches, was den Kötzer Eltern am Hort-Konzept der Johanniter gefiel. Dazu gehörte auch der monatliche Elternbeitrag, der bei einer täglichen Betreuungszeit von drei bis vier Stunden laut Rettenmaier circa 65 Euro plus Selbstkosten für das Essen betragen soll. Der Vorstand sprach von maximal acht oder neun Schließtagen im Jahr und der Möglichkeit, die täglichen Betreuungszeiten in den Ferien auszuweiten.

Den größten Beitrag zur Beruhigung der aufgebrachten Gemüter aber lieferte wohl das Angebot des Kötzer Bürgermeisters, dass die Gemeinde zeitnah mit einer Umfrage prüfen wolle, ob die Kötzer Eltern eine Hort- oder eine Mittagsbetreuung für ihre Kinder wollen. „Nach dem werden wir uns dann richten“, versprach Ernst Walter, machte allerdings eine Einschränkung: Der Gemeinderat muss zustimmen. Die jetzige Mittagsbetreuung sei nur „ein Notnagel“ gewesen, weil die Hortplätze nicht ausgereicht haben, sagte Walter. Die Gemeinde baut jetzt einen neuen Kinderhort mit 30 Plätzen am Großkötzer Schlossplatz. Mit dem Rohbau soll laut Walter noch in dieser Woche begonnen werden.

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