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09.06.2009

Enttäuscht über die fehlende Hilfsbereitschaft

Günzburg/Ichenhausen Taxifahrer Avni Necan hat die Auswirkungen des Pflegenotstands am eigenen Leib erlebt. Als er vor wenigen Tagen einen Patienten vom Günzburger Dialysezentrum zum Betreuten Wohnen nach Ichenhausen gefahren hatte und den schwergewichtigen Mann nicht mehr alleine aus dem Taxi herausbekam, sei niemand da gewesen, der ihm half, berichtet der 40-Jährige. "Mehrere Pflegekräfte hätten uns unter die Arme greifen können. Es tat aber keiner", so Necan enttäuscht. So dauerte es 45 Minuten, bis der Taxifahrer seinen Fahrgast "abliefern" konnte - allerdings nur mit Unterstützung eines Passanten, der zurzeit selbst Patient der benachbarten Reha-Klinik Ichenhausen ist.

Necan transportierte nach eigenen Angaben den gesundheitlich angeschlagenen Fahrgast am vergangenen Mittwochabend von Günzburg nach Ichenhausen. "Der Patient, der von der Dialyse kam, wog bestimmt über 100 Kilogramm und war etwa 1,90 Meter groß", beschreibt der Taxifahrer seinen Fahrgast. Als man gegen 19.20 Uhr beim Betreuten Wohnen in Ichenhausen angekommen war, konnte der Mann nicht mehr aussteigen. "Er hatte sich verkrampft und zitterte am ganzen Körper", so Necan.

Der Taxifahrer klingelte beim Betreuten Wohnen. "Dort öffnete mir eine Frau. Sie sagte, sie könne die Station nicht verlassen. Sie versprach jedoch, nach einem Rollstuhl zu schauen." Necan wartete - fünf Minuten, zehn Minuten. Keine Reaktion. Nach 15 Minuten vergeblichen Versuchs, den schwergewichtigen Fahrgast aus dem Auto zu hieven, klingelte er nach eigenen Angaben noch einmal. Doch diesmal kam niemand mehr zur Tür.

Der Taxifahrer wandte sich in seiner Verzweiflung an die Reha-Klinik, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Dort lieh man ihm immerhin einen Rollstuhl. Einen oder mehrere Leute, die ihm geholfen hätten - die gab es nicht. "Man sagte mir, man sei für das Betreute Wohnen nicht zuständig", so Necan.

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Ein Passant, der selbst Patient ist, schritt schließlich zur Tat

Nachdem er mehrere Passanten erfolglos angesprochen hatte, griff ihm schließlich ein älterer Mann mit einer Gehbehinderung unter die Arme. "Er erzählte mir, dass er Patient der Reha-Klinik sei und dass es ihm vor einigen Wochen genauso ergangen sei", so der Taxifahrer.

Mit vereinten Kräften gelang es den beiden Männern, den Fahrgast vom Taxi in den Rollstuhl zu hieven und ihn zum Zielort zu bringen. In diesem Moment, so berichtet Necan, seien zwei Pflegekräfte aus dem Betreuten Wohnen gekommen. "Sie haben gestritten - warum, weiß ich nicht. Geholfen haben sie aber auch nicht." Der Taxifahrer war über den Vorfall verärgert und enttäuscht zugleich: Ein Mensch habe Hilfe gebraucht, doch keiner habe sich angesprochen gefühlt.

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