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Riedheim

17.11.2017

Entwässerungsgraben und Flutpolder beschäftigen die Riedheimer

Das Thema Wasser stand bei der Bürgerversammlung im Leipheimer Stadtteil Riedheim im Fokus. Es ging um den geplanten Flutpolder im Auwald und um einen Entwässerungsgraben.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Die Pläne des Wasserwirtschaftsamts zum Hochwasserschutz in Leipheim stehen in der Kritik.

Das nächste Hochwasser der Donau kommt bestimmt. Aber wenn es kommt, soll der Leipheimer Stadtteil Riedheim besser geschützt werden. Dafür plant das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth (WWA) einen riesigen, höchst umstrittenen Flutpolder. Klagen gibt es aber auch wegen eines mehr als 50 Jahre alten Entwässerungsgraben.

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Fachleute der Wasserbehörde, der Landratsämter Neu-Ulm und Günzburg sowie vom Bayerischen Elektrizitätswerk informierten bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend etwa 100 Besucher über den aktuellen Stand des Wasserschutzes und der weiteren Entwicklung. Insbesondere der Flutpolder stößt bei den Riedheimer nach wie vor auf große Skepsis. Sie äußerten teils massive Kritik an dem Projekt und wollen es mit allen legalen Mitteln verhindern, weil sie dadurch einen folgenschweren Grundwasseranstieg befürchten.

„Wie ist der Sachstand, wie geht’s weiter“, leitete Leipheims Bürgermeister Christian Konrad das Schwerpunktthema ein. Er selbst hatte im September mit einer Fachgruppe ein derartiges Hochwasserschutzprojekt am Rhein in Rheinland-Pfalz besichtigt. Bei einem Standortvergleich mit Gundelfingen-Süd hatte der Raum Leipheim-Riedheim für den Flutpolder deutlich besser abgeschnitten, erläuterte WWA-Leiter Ralph Neumeier. Das Gebiet umfasst 620 000 Quadratmeter und soll zwölf Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Das bisher vorliegende Konzept sieht unter anderem ein etwa ein Meter hohes Deichbauwerk zum Schutz von Autobahn und Weißingen vor. Das für den Polder notwendige Raumordnungsverfahren könnte bis 2019 eingeleitet werden. Aus dem Publikum kam dazu bereits Widerspruch, denn nach Ansicht von Gutachtern der Bürgerinitiative habe der Flutpolder kaum Wirkung. Neumeier bezweifelte, ob der Gutachter alle Informationen über die geologisch-hydraulischen Bedingungen für den Flutpolder hätte. Die Regierung von Schwaben entscheidet über die Raumverträglichkeit.

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Das Verfahren zieht sich in die Länge

Erst dann kommt es zur Planfeststellung, also der Baugenehmigung mit breiter Öffentlichkeitsbeteiligung. Das werde laut Neumeier bis 2022 dauern. Allein für die Planung ist eine europaweite Ausschreibung erforderlich, was das Verfahren in die Länge zieht hieß es auf die Frage, warum das Projekt so viel Zeit braucht. Kritiker bezweifelten, ob Einsprüche gegen den Polder rechtliche Auswirkungen hätten: „Das ist das gleiche wie beim Dieselskandal.“ „Sie haben ihren Bürgermeister hier“, sagte der WWA-Chef, „der das im Auge behält.“

Eine Sammelklage von Riedheimer gegen den Polder sei nicht möglich, diese könne lediglich ein Verband wie der Bund Naturschutz einreichen, sagte Neumeier. Er räumte ein, dass es Probleme mit hohen Grundwasserständen gebe. Sollte sich bei den Gutachten herausstellen, dass es mit dem Polder nicht funktioniere, käme er nicht. Als Alternative forderte ein Bürger dezentrale Hochwasserschutzmaßnahmen an kleineren Flüssen, der den Flutpolder überflüssig machen könnte. Dieser von betroffenen Kommunen organisierte Hochwasserschutz werde bereits aktiv betrieben, reiche aber nicht aus, so die Antwort.

Entwässerungsgraben macht immer wieder Probleme

Ein weiterer Schwerpunkt bildete der so genannte Hinterland-Entwässerungsgraben. Er wurde beim Bau der Donaustaustufen 1961 angelegt und verläuft vom Riedelsee im Landkreis Neu-Ulm durch das mögliche Flutpoldergebiet bis kurz vor Leipheim. Friedrich Holzwarth aus dem Ortsteil Weißingen sagte, dass es immer dann zu Problemen komme, wenn der Graben nicht in Ordnung sei. Zuvor hatte Ulrich Kost vom Wasserwirtschaftsamt erklärt, wie sich die Aufnahme des Entwässerungsgrabens auf die Grundwassersituation auswirke. Zahlreiche Messungen hätten nachgewiesen: „Der Graben funktioniert.“ Papier sei geduldig, kommentierte Holzwarth diese Informationen.

Kritisch beurteilte er auch Biberbauten im Bereich des Grabens und „Schroppen“ an einem Grabenauslauf im Nachbarlandkreis. Dass dort vom Fischereiverein Nersingen ungenehmigt verbaute Steine den Ablauf behinderten, bestätigte Peter Dieling vom Neu-Ulmer Landratsamt. Sie sollen entfernt werden. Als sich die Diskussion um den Hochwasserschutz in die Länge zog, die Veranstaltung dauerte einschließlich des Rechenschaftsberichtes mehr als drei Stunden, griff Bürgermeister Konrad ein. Er verwies darauf, dass der umstrittene Flutpolder noch eigens behandelt werde: „Das bleibt spannend und wird uns noch einige Jahre beschäftigen.“

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