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Günzburg

20.08.2020

Er ist der neue Kreisheimatpfleger im Landkreis Günzburg

Wolfgang Ott ist der neue Kreisheimatpfleger in Günzburg. Dass ihm Denkmäler und Geschichte viel bedeuten, zeigt sich auch in seinem Haus in Weißenhorn. Dort steht ein Teil der ehemaligen Klostermauer aus dem 17. Jahrhundert.
Bild: Michael Lindner

Plus Wolfgang Ott beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Denkmälern und Museen. Nun ist der 69-Jährige der neue Kreisheimatpfleger in Günzburg. Warum er oft der "Buhmann" ist.

Wolfgang Ott ist der neue Kreisheimatpfleger in Günzburg – dabei wohnt er gar nicht im Landkreis. Sein Zuhause ist seit mehr als 30 Jahren die Fuggerstadt Weißenhorn. Trotzdem kennt er sich im Günzburger Landkreis gut aus, nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit für das Mittelschwäbische Heimatmuseum in Krumbach rund um die Jahrtausendwende. Doch was treibt den Weißenhorner, der in wenigen Wochen seinen 70. Geburtstag feiert, dazu, Kreisheimatpfleger zu werden? Über dieses und viele weitere Themen spricht Ott mit unserer Redaktion in seinem heimischen Garten – ein Ort, wo Geschichte und Denkmalschutz großgeschrieben wird.

Monatelang wurde Wolfgang Otts unter Denkmal stehendes Anwesen saniert

Der 69-Jährige sitzt entspannt in seinem Gartenstuhl, keine fünf Meter dahinter trennt eine Mauer das Grundstück vom Fußweg. Selbst der Laie erkennt, dass diese alt sein muss. Die Steine sind schräg, sie bröckeln, die Mauer ist wellig, zum Teil wird sie gestützt. Doch sie steht – und das seit weit mehr als 300 Jahren. Es handelt sich um ein Teilstück der ehemaligen Kapuzinerklostermauer, die nach dem 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert errichtet wurde.

Die Mauer selbst steht unter Denkmalschutz, genau wie das Wohnhaus von Wolfgang Ott, das um das Jahr 1830 gebaut wurde. Es war einst das Lager einer Spenglerei. „Als ich es mit meiner Frau gekauft habe, war es eine Ruine“, sagt Ott. Doch davon ist nichts mehr zu sehen. In monatelanger Arbeit wurde das Anwesen außen saniert und innen umfassend modernisiert.

Otts Leidenschaft für Heimat und alten Gebäude begann früh

„Es gibt so viele Möglichkeiten, alte Gebäude wieder herzurichten. Man muss nicht alles sofort abreißen und neu bauen“, sagt der 69-Jährige. Seine Leidenschaft für Heimat, alte Gebäude und Museen begann für den in Heilbronn aufgewachsenen Ott bereits in der Schule. Danach machte er eine Ausbildung zum Bauzeichner und arbeitete an Renovierungsarbeiten verschiedener Kirchen mit. Von einem „richtigen Kirchensanierungs-Boom“ spricht der Weißenhorner, der von dieser Tätigkeit so begeistert war, dass er sein Abitur nachholte und in Tübingen Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft studierte.

Weiter ging es nach Ulm und München, wo Ott wissenschaftlicher Mitarbeiter im Brotmuseum beziehungsweise in der Landesstelle für nichtstaatliche Museen war. Danach war er 25 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 2016 Leiter des Weißenhorner Heimatmuseums – allerdings mit einem „unschönen Ende“ vor dem Arbeitsgericht, wie er selbst sagt.

Arbeitszeit endete vor Gericht

2015 hatte es Ärger zwischen Ott und Weißenhorns Bürgermeister Wolfgang Fendt gegeben. Dabei ging es auch um die Inventarisierung der Museumssammlung, die – so der Vorwurf – nicht vorangekommen sei. Der Krach gipfelte in der Entlassung des Museumsleiters und einem monatelangen juristischen Tauziehen um deren Rechtmäßigkeit. Die Entlassung wurde vor Gericht zugunsten eines einvernehmlichen Ende des Arbeitsvertrags zurückgenommen.

Ott will über diese schwierige Zeit kaum sprechen. Er schüttelt nur kurz den Kopf, blickt in seinem Garten umher, nimmt einen Schluck Wasser. Deutlich lieber erinnert er sich an die vielen schönen Jahre zuvor. Über das erstellte Konzepte und die 1996 abgeschlossene Sanierung des Weißenhorner Heimatmuseums. „Man muss die Menschen mitnehmen und ihnen seine Vorstellungen erklären, dann wird man auch als Wissenschaftler akzeptiert“, sagt Ott und lacht.

Trotz Ruhestand bleibt Ott seiner Leidenschaft treu

Wer denkt, dass er nach der Sanierung einen Gang zurückschalten konnte oder wollte, der irrt. Statt restaurieren und inventarisieren in Weißenhorn, kam eine Anfrage aus dem Landkreis Günzburg, zu der Ott nicht Nein sagen konnte. Von 1996 bis 2003 war er – neben seiner Tätigkeit in Weißenhorn – für die Neukonzeption des Mittelschwäbischen Heimatmuseums in Krumbach zuständig.

An zwei Tagen in der Woche war Ott in Krumbach, um dort ein neues Museumskonzept umzusetzen, die anderen drei Tage war er in Weißenhorn. Ein Konzept zu erarbeiten bedeutet sich in die Geschichte der Stadt einzuarbeiten und zugleich die Sammlung beziehungsweise Museumsobjekte anzusehen – und das alles in einen Einklang zu bringen. „Ich kenne also die Leute und die Geschichte des Landkreises Günzburg. Diese Kenntnisse kommen mir nun als Kreisheimatpfleger zugute“, sagt Ott.

Kreisheimatpfleger als Bindeglied zwischen Bürgern und Behörde

Trotz Ruhestands war Ott danach fast zwei Jahre lang der Leiter des Schwäbischen Bauernhofmuseums in Illerbeuren – auf Bitten des damaligen Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert. Ähnlich verhielt es sich nun in Günzburg: Ein Anruf von Bezirksheimatpfleger Peter Fassl war für Ott der Auslöser, das Amt des Kreisheimatpflegers in Günzburg anzunehmen. „Ich will mich in die Gesellschaft einbringen. Das Ehrenamt ist wichtig, mir geht es gesundheitlich gut und deshalb spricht nichts gegen diese Aufgabe“, sagt Ott.

Er bezeichnet sich als Bindeglied zwischen Bürger und Behörde. Wer denkt, dass etwas ein Denkmal sein könnte, kann sich beispielsweise an ihn wenden. Zudem schaut sich der Kreisheimatpfleger neue Bebauungspläne an und gibt eine Stellungnahme ab. Verändert sich der Ortsrand durch das neue Baugebiet und fügt es sich in das bisherige Erscheinungsbild ein?

Das Amt ist aufwändiger als gedacht

Ott schaut sich alles vor Ort an, liest viel über die Geschichte der Kommune. Der Aufwand ist mehr als gedacht: Etwa zwei Tage pro Woche ist er im Schnitt damit beschäftigt. Außerdem gibt es einmal im Monat den Sprechtag des Denkmalamts. Bis zu acht Termine werden an diesem Tag wahrgenommen, an denen sich Ott mit den Bauherrn trifft und alles abgesprochen wird.

„Wir sind schnell die Buhmänner, weil wir wegen des Denkmalschutzes Vorgaben machen“, sagt Ott. Der Großteil halte sich an diese Auflagen, doch es gebe Ausnahmen. So komme es laut Ott vor, dass ein Denkmal bei einem angeblichen Unfall während der Bauarbeiten zerstört wird. Diese Absicht nachzuweisen sei allerdings nur sehr schwer möglich.

Klare Ziele: Heimatschutz, Denkmalpflege, Zersiedelungsstopp

Ott hat klare Ziele, die er als Kreisheimatpfleger erreichen möchte: Einen besseren Stellenwert von Heimatschutz und Denkmalpflege erreichen und die Zersiedelung stoppen. „Man muss das Augenmerk auf die Ortskerne legen und nicht immer neue Baugebiete am Stadtrand ausweisen. Man muss gemeinsam mit den Eigentümern schauen, wie man mit Leerständen vernünftig umgeht und diese zukünftig nutzen kann“, sagt Ott.

Langweilige wird ihm ganz sicher auch in Zukunft nicht, da ist sich der 69-Jährige sicher. Er hält Vorträge, publiziert, liest gerne Romane. Schöne Sätze zu schreiben und Gefühle auszudrücken sei ein Genuss. Wenn es die Zeit zulässt, geht er zusammen mit seiner Frau auf Reisen – innerhalb Deutschlands, aber auch gerne nach Italien. Um sich fit zu halten, geht er mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio oder macht gleich früh morgens Nordic Walking.

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