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Musikalischer Frühling

10.06.2015

Ergreifend schlichte Schönheit

Das Musica Antiqua Ensemble Günzburg unter der Leitung von Bernhard Löffler (ganz links im Bild) führte die „Missa pastoritia“ des 1819 in Limbach geborenen Karl Kempter in der Frauenkirche in Münsterhausen auf.
Bild: Heinrich Lindenmayr

Musica Antica Ensemble Günzburg führte ein selten gespieltes Werk von Karl Kempter auf

Karl Kempters berühmte „Pastoralmesse in G-Dur“ ist gewiss die an Weihnachten in Schwaben meistgespielte geistliche Musik. Über 200 Werke hat der 1819 im Burgauer Stadtteil Limbach geborene Komponist geschaffen. Das meiste davon wartet in den Archiven von Stift Kremsmünster in Österreich und im Kloster Maria Einsiedeln in der Schweiz auf seine Entdeckung oder Wiederentdeckung.

Eine wunderbare Kostprobe, welche Schätze hier noch zu heben sind, gab die Aufführung der „Missa pastoritia“ Opus 114 durch das Musica Antica Ensemble Günzburg in der Frauenkirche von Münsterhausen. Die kurze Messe verzichtet auf jeglichen Pomp. Dramatik und Reißerisches sind ihr fremd, billige Effekthascherei ohnehin. Kempter bevorzugt eine klare Tonsprache, verleiht der Messe mit einfachen und eingängigen Melodien einen starken Zug ins Innerliche.

Dem lieblichen Vorspiel folgen ein zartes „Kyrie“, eine erste Steigerung ins Jubilierende beim „Christe eleison“, eine weitere Steigerung im „Gloria“. Der Besinnung auf die eigene Schuld schließen sich also, für jeden hörbar, ein Lob dem Erlöser und ein Jubel über den Schöpfer an. Das „Credo“ atmet einen tiefen Glauben, lässt den Hörer im „Crucifixus est“ ein leises Verstummen und beim Erscheinen des Heiligen Geistes den Glanz eines besonders hohen Soprans erfahren. Das „Sanctus“ windet sich spiralförmig nach oben, das „Hosanna“ stufenartig. Es sind viele kleine brillante Einfälle, denen das Werk seinen Charme und seine Aussagekraft gleichermaßen verdankt. Bernhard Löffler führte sein kleines Orchester, die beiden Solistinnen und den Chor sicher durch das Werk und setzte mit seiner Interpretation ganz auf die schlichte Schönheit und Innigkeit dieser Messe. Dass insbesondere die hohen Stellen ihren Glanz und ihre Strahlkraft erhielten, war das Verdienst von Ingrid Fraunholz (Sopran) und Anita Hartinger (Alt). In der 2008 gegründeten Karl-Kempter-Gesellschaft engagiert sich Bernhard Löffler für die Förderung des Werks von Kempter. Derzeit sei er dabei, ein herrliches Weihnachtsoratorium des Komponisten neu zu erschließen. Bereits mehrfach hat Münsterhausens kunstsinniger Pfarrer Mirco Cavar das Günzburger Ensemble zu Auftritten in die Frauenkirche geladen. Die Predigt von Pater Benedikt Grimm, der den musikalischen Festgottesdienst zelebrierte, wirkte wie ein Kommentar zur „Missa pastoritia“: Gottgeweihte Kunst erhebe den Geist über den Alltag, über alle Uniformität, jedwede Rohheit und Gewalt.

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