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Erinnerungen an Günzburger NS-Opfer am Leben erhalten

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Kommentar Von Rebekka Jakob
26.01.2019

Weshalb es wichtig ist, dass Lebensgeschichten wie die des Günzburger Stadtpfarrers Adam Birner nicht in Vergessenheit geraten. Ein Kommentar.

Es gibt sie noch in Günzburg: Menschen, die Stadtpfarrer Adam Birner kennengelernt haben. Menschen, die mitbekommen haben, wie der Geistliche an Ostern 1941 beim Beten in der Kirche verhaftet und ins Gefängnis nach Augsburg gebracht wurde, wo er wenige Tage später ums Leben kam. Noch gibt es diese Menschen, die darüber erzählen können, wie die Stimmung damals in Günzburg war. Als herauskam, dass es ein Günzburger war, der den Pfarrer verraten hat, weil er „Feindsender“ hörte und sich um Kriegsgefangene kümmerte. Aber diese Menschen werden irgendwann nicht mehr da sein.

In Günzburg gibt es ein Relief und eine Gedenktafel


Deshalb ist es wichtig, Lebensgeschichten wie die Adam Birners am Leben zu erhalten – damit nicht vergessen wird, dass die Schreckensherrschaft auch in Schwaben herrschte. So geschehen ist das diese Woche in Augsburg, wo auch mit Günzburger Beteiligung ein Erinnerungsband enthüllt wurde, an Birners letztem Wohnsitz in der Peutinger Straße. Schülerinnen der neunten Klasse einer Realschule haben an diesem Tag das Leben und Sterben des Günzburger Stadtpfarrers in Erinnerung gerufen. In Günzburg künden bereits ein Relief und eine Gedenktafel an der St. Martinskirche davon.

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Erinnern ist wichtig - trotz aufkeimender Widerstände

Wie wichtig dieses Erinnern ist, gerade trotz aufkeimender Widerstände, hat sich Stunden vor der Enthüllung im Bayerischen Landtag gezeigt. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hatte die AfD beim Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus als verfassungsfeindlich kritisiert. Der Großteil der Abgeordneten der AfD-Fraktion verließ daraufhin den Saal. Weit schlimmer als diese Aktion (der man sicherlich ein gewisses Kalkül unterstellen darf) wiegt jedoch, was danach geschah: Charlotte Knobloch sah sich in den Tagen danach massiven Bedrohungen ausgesetzt. Beschimpfungen und Beleidigungen von Menschen, die ihr die öffentlich geäußerte Kritik an Aussagen von AfD-Mitgliedern übel nehmen und am liebsten verbieten wollen. Menschen, die offenbar vergessen haben, dass es genau dieses Verhalten, genau diese Haltung schon einmal gegeben hat. Und dass daraus unsägliches Leid entstanden ist.

Menschen wie Adam Birner sind für ihre Überzeugung, für ihr Einstehen für Nächstenliebe und Gerechtigkeit gestorben. Erinnern wir uns an sie!

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