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Thannhausen

28.08.2017

„Es gibt keine bestimmten Kerosin-Korridore“

Wenn kurz nach dem Start bei einem Langstreckenflugzeug Probleme auftreten und dadurch nach Einschätzung des Piloten die Sicherheit der Passagiere gefährdet ist, muss muss er schnell wieder landen. Um nicht zuviel Gewicht zu haben, wird dann in einem Notverfahren umweltschädliches Kerosin abgelassen.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Kommunalpolitiker wollen wissen, warum 2015 und 2016 zweimal über der Region Thannhausen Flugbenzin abgelassen wurde. Die Deutsche Flugsicherung liefert Erklärungen.

Wie kann es sein, dass ausgerechnet über der Gegend um Thannhausen dreimal zwischen den Jahren 2010 und 2016 insgesamt fast 130 Tonnen Kerosin abgelassen wurden? Das beschäftigt Kommunalpolitiker, die eine Erklärung dafür fordern. Thannhausens Bürgermeister Georg Schwarz ( CSU) kündigte an, der Stadtrat werde sich mit dem Thema bei der nächsten Sitzung damit beschäftigen. Protestiert hat er wie berichtet bereits bei Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf. In dem zweiseitigen Schreiben beklagt er unter anderem, dass die Betroffenen vor Ort über diese Notmaßnahmen nicht informiert worden sind.

Wenn kurz nach dem Start eines Langstreckenflugzeugs Probleme auftauchen, die die Sicherheit der Passagiere gefährden, ist es das Bestreben des Piloten, schnell wieder zu landen. Doch zu diesem Zeitpunkt ist die Maschine zu schwer „und die Koffer der Passagiere kann man nicht abwerfen“, sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung. Daher wird das Flugbenzin in diesen Ausnahmesituationen mit Hochleistungspumpen in feinste Tröpfchen verwirbelt und durch die Turbulenzen hinter dem Flugzeug in einen feinen Nebel verteilt, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen im Oktober des vergangenen Jahres. Aufgekommen ist das Thema nun auf Landesebene, weil der bayerische SPD-Faktionschef Markus Rinderspacher die Staatsregierung nach der Situation im Freistaat gefragt hatte.

Technisch ist nur vierstrahligen Flugzeugen (Großraumflugzeugen) und einigen Militärmaschinen ein solcher Treibstoffschnellablass möglich. Auf Mittel- oder Kurzstrecken sei nicht soviel Kerosin nötig, erklärt Kelek. Daher stelle auch das Gewicht im Gegensatz zu langen Interkontinentalflügen kein so großes Problem dar.

Anhand einer Boeing 747 erklärt die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, die von Deutschland als „einem der komplexesten Flugräume überhaupt“ spricht, den Gewichtsunterschied. Das maximale Startgewicht betrage 413 Tonnen. Bei der Landung dürfe die Maschine höchstens 296 Tonnen wiegen.

Das geplante Ablassen des Flugtreibstoffs muss der Pilot bei der Deutschen Flugsicherung (Hauptsitz im hessischen Langen) anmelden. Das privatrechtlich organisierte Unternehmen ist mit einer weiteren Tochterfirma bundesweit an 25 internationalen und Regionalflughäfen tätig. Es kontrolliert den Flugverkehr in Deutschland.

Warum wurden nun über dem südlichen Günzburg allein 2015 und 2016 zweimal insgesamt 101 Tonnen Kerosin abgelassen? „Es ist keinesfalls so, dass es dafür bestimmte Korridore gibt“, sagt Sandra Teleki, eine weitere Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, die den süddeutschen Raum betreut. Kelek und Teleki nennen Gründe, die bei der Auswahl des Raumes, über dem der Treibstoff abgelassen wird, eine Rolle spielen: Mit Frankfurt und München gebe es in relativer Nähe zwei große internationale Drehkreuze für den Flugverkehr mit entsprechend vielen infrage kommenden Maschinen. Möglichst wenig Flugverkehr solle im Ablassgebiet herrschen und die Gegend müsse dünn besiedelt sein. Letztlich entscheide der Pilot, er sei in diesem Notfall „Herr des Verfahrens, weil er sich mit den Gegebenheiten vor Ort am besten auskennt“.

Trotz der Erklärung wollen Politiker vor Ort wie Schwarz und die stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab (CSU) von der Staatsregierung schnelle und umfassende Antworten. Zudem fordert die Vizelandrätin, die um die Gesundheit der Bevölkerung fürchtet, dass dieses „fuel dumping“ über dem Landkreis Günzburg sofort verboten wird.

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