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Auszeichnung

23.04.2015

Es gibt noch viel zu tun

Das Experimentelle Theater Günzburg ist der fünfte Preisträger in Deutschland seit 1978, der den Korczak-Preis erhält. Vorstandsmitglieder der Deutschen Korczak-Gesellschaft übergaben den Preis bei ihrer jährlichen Mitgliederversammlung, die in der Aula das Maria-Ward-Gymnasiums stattfand. Das Experimentelle Theater zählt unter anderem zu den Initiatoren für die Aufstellung des Korczak-Denkmals am Günzburger Frauenplatz vor zwölf Jahren.
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Das Experimentelle Theater Günzburg ist der fünfte Preisträger in Deutschland seit 1978, der den Korczak-Preis erhält. Vorstandsmitglieder der Deutschen Korczak-Gesellschaft übergaben den Preis bei ihrer jährlichen Mitgliederversammlung, die in der Aula das Maria-Ward-Gymnasiums stattfand. Das Experimentelle Theater zählt unter anderem zu den Initiatoren für die Aufstellung des Korczak-Denkmals am Günzburger Frauenplatz vor zwölf Jahren.

Das Experimentelle Theater Günzburg bekommt den Preis der Deutschen Korczak-Gesellschaft und reiht sich damit in eine internationale Preisträgergruppe ein

England, Israel, Lettland, Polen: Hier sind die Geehrten des Preises der Deutschen Korczak-Gesellschaft (DKG) zu Hause, der seit 1978 vergeben wird. Jetzt stehen auch Günzburger auf der Preisträgerliste. Das Experimentelle Theater erhielt die Auszeichnung, die für „herausragende Leistungen auf den Gebieten der Pädiatrie oder Kinderliteratur, der praktischen Erziehungsarbeit oder der Verbreitung des Vermächtnisses von Janusz Korczak“ vergeben werden.

Durch die Ehrung des Ensembles des Experimentellen Theaters Günzburg, mit seinem Leiter Siegfried Steiger, ging nun die hohe Auszeichnung zum fünften Mal nach Deutschland. Die Preisverleihung bildete den Höhepunkt der jährlichen Mitgliederversammlung der DKG, die am vergangenen Samstag in der Aula des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburg stattfand.

Auf dem Weg dorthin mögen die aus ganz Deutschland angereisten Gäste vor Itzchak Belfers Bronze-Skulptur „Korczak und die Kinder“ verweilt haben, die seit 2003 auf dem Günzburger Frauenplatz steht. Im Gymnasium bestaunten sie dann die Gemälde des israelischen Künstlers, die in der „Korczak“-Ecke präsentiert werden. Die stellvertretende Direktorin Astrid Barnert verwies mit Stolz auf die Korczak-Aktivitäten der Schule, die schon zum dritten Mal als Gastgeber für die DKG-Mitglieder fungierte. Die Schule gab der Veranstaltung mit ihrem Catering-Team und den Musikerinnen von „Mary Roxx“ um Bandleader Raimund Gensbaur den Rahmen. Außerdem verstärkte der Schul-Arbeitskreis Literatur, Film und Theater das Experimentelle Theater bei seiner einfallsreichen Aufführung von „Poetische Miszellen über das Leben mit Kindern“.

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Es ist die singuläre Handschrift des Experimentellen Theaters, das seit fast dreißig Jahren „couragiert, poetisch, kreativ“ arbeitet, mit der es dem Ensemble immer wieder gelingt, das Publikum nachhaltig zu berühren – inhaltlich wie inszenatorisch. In fantasievollem Spiel tänzeln die Akteure souverän auf der Klaviatur komischer Töne, tasten sich feinfühlig an gewichtige Themen heran und umkreisen existenzielle Fragestellungen.

Ein gewichtiges Sujet, dessen sich das Experimentelle Theater nunmehr seit 25 Jahren annimmt, ist das Leben und Wirken des polnischen Juden Janusz Korczak. Sechs Theaterstücke über den Schriftsteller, Pädagogen, Kinderarzt und Waisenhausleiter hat Siegfried Steiger seit 1991 geschrieben und mit seiner Gruppe inszeniert – summa summarum neun Stunden Aufführungsdauer. In zahlreichen Städten im In- und Ausland (unter anderem Israel, Japan, Kanada, Österreich, Polen, Schweiz) wurden die Korczak-Projekte präsentiert. Fünf Publikationen seit 1993 und etliche Vorträge und Workshops über Korczak und seine Pädagogik ergänzen das unermüdliche Schaffen im Gedenken an den Vorreiter der Kinderrechtsdiskussion und sein schier unerschöpfliches, facettenreiches Vermächtnis. So stellte die dichte Inszenierung Korczaks „Gebet der Ohnmacht“ chorisch souverän in surreal anmutenden Wortkaskaden auf die Bühne, ließ mit schmunzelnd erhobenem didaktischen Zeigefinger Warnungen wie „Du wirst Nasenbluten kriegen“ an die Waisenhauskinder aufleben oder sinnierte melancholisch-ironisch über „das Ende der Welt“. Stimmungsvoll ausgeleuchtet vom Techniker-Team Markus Lenz und Jakob Steiger, musikalisch begleitet von Gitarrist Christian Möller und virtuos unterstützt von Max Besold am Marimbafon verdeutlichte die Darbietung der „Poetischen Miszellen“, weshalb der Korczak-Preis an das Experimentelle Theater verliehen wurde: „Für die ausdrucksstarke Umsetzung Korczak´scher Gedanken in Szene und Bild mit der Wirkung einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit diesen Vorstellungen“, heißt es im Text der Urkunde.

Siegfried Steiger arbeitet in diesem Sinne weiter. Zum einen ist das neue Stück „Meldebogen J.K.“ geschrieben und harrt seiner Umsetzung. Zum anderen studiert Steigers Sohn Jakob an der Akademie der Künste in München und steht in engem künstlerischen Dialog mit Itzchak Belfer. Daraus hat sich eine imposante Werkschau entwickelt, die im November letzten Jahres im Rahmen des äußerst engagierten Projekts „Wir sind Straubing“ in der Israelitischen Kultusgemeinde vorgestellt wurde und für die schon zahlreiche Anfragen deutschlandweit und für das Ausland vorliegen. „Und morgen? Und übermorgen?“ lautet die vorletzte Frage der „Poetischen Miszellen“. Diese Frage, gerichtet an den neu gewählten Ersten Vorsitzender der DKG, beantwortet Steiger mit einem Lächeln: „Es gibt noch viel zu tun!“ (zg)

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