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Landkreis Günzburg

23.05.2019

Europawahl: Stimmen nach der Abstimmung im Kreis Günzburg

Die Gesichter kommen einem so langsam bekannt vor, auch wenn sich hier nicht Kommunalpolitiker präsentieren. Die Europawahl aber ist seit Sonntagabend gelaufen – mit Ergebnissen, die je nach Parteicouleur entsprechend interpretiert werden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Was die Kreisvorsitzenden relevanter Parteien im Landkreis Günzburg sagen. Von Schockzustand bis zur großen Freude.

Die Europawahl im Landkreis Günzburg ist gelaufen. Auf der Gewinnerseite sind die Grünen, die Sozialdemokraten haben ihr Ergebnis mehr als halbiert. Was sagen die Vorsitzenden der relevantesten Parteien im Kreis Günzburg zu den Resultaten?

Der CSU-Landtagsabgeordnete und Kreischef Alfred Sauter hat „wie üblich“ in der CSU-Landesleitung in München auf Resultate gewartet. Landesweit betrachtet er das Wahlergebnis als „sehr erfreulich“. Der Aufwärtstrend der CSU stabilisierte sich damit, sagt er – ohne das mit früheren Europawahlen zu vergleichen. Sein Gradmesser ist die Landtags- und die Bezirkswahl im vergangenen Herbst. Seiner eigenen Partei im Kreis bescheinigt er, durch einen „engagierter geführten Wahlkampf als früher“ einen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass die CSU mit mehr als fünf Abgeordneten ins Europaparlament einzieht. Deutschland stellt insgesamt 96 Parlamentarier. Sauter freut es auch, dass die Menschen „die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Europa spüren“. Das drücke sich in der deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung aus. „Beim letzten Mal hat es viel mehr Europaskeptiker gegeben als dieses Mal.“

Die Linke: Wir sind nicht uninteressanter geworden

Stefan Balkheimer sieht schon, dass seine Partei prozentual zwar geringfügig verloren hat. „Aber wir haben gegenüber 2014 an Stimmen zugelegt. Und das bei einem deutlich erweiterten Bewerberfeld.“ Er sagt, es wäre vermessen gewesen, mit fünf oder sechs Prozent für Die Linke zu rechnen. „Günzburg ist ein bürgerlich-konservativer Landkreis. Man braucht Geduld, um die Menschen von unseren Ideen zu überzeugen.“ Wenn Balkheimer diese „Rahmenbedingungen“ betrachtet, ist er mit dem Ergebnis „schon zufrieden. Es spiegelt ein Stück weit, wo wir angekommen sind im Landkreis. Wir sind jedenfalls nicht uninteressanter geworden.“

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AfD: Alle anderen Parteien "haben auf uns eingedroschen"

Seit dem vergangenen Dezember ist Walter Metzinger der Kreisvorsitzende der Alternative für Deutschland. Er spricht in einer Stellungnahme auch die erhöhte Wahlbeteiligung an. Deshalb habe seine Partei mit 10,9 Prozent wesentlich mehr Menschen erreicht als noch 2014. „Unser Ergebnis ist ja auch leicht gestiegen im Landkreis. Dennoch wäre etwas mehr drin gewesen. Das gilt auch für die Bundesebene.“ Die Vorgänge in Österreich seien nicht hilfreich gewesen. Alle Parteien seien massiv gegen die AfD gewesen „und haben auf uns eingedroschen“. Diese Praxis gelte auch für das Kreisgebiet. „Dass wir Populisten und Rechtsextreme sind, weise ich strengstens zurück.“ Zur Analyse in größerer Runde wird sich der Kreisverband diese Woche treffen. „Am Wochenende werden wir das dann auf schwäbischer Bezirksebene in Niederraunau tun.“ Die Zuwächse von den Grünen haben Metzinger nach eigenen Worten „massiv schockiert. Wer die Grünen gewählt hat, der wählt auch eine CO2-Steuer. Das wird garantiert auf die Menschen zukommen.“

Kreisvorsitzender Herbert Blaschke findet: „Eine Verbesserung des Ergebnisses – in diesem Fall von 2,4 auf 3,1 Prozent im Landkreis – ist immer gut. Ich hätte mir gewünscht, dass es noch besser ausfällt.“ Aber die FDP sei bei der Europawahl von Haus aus etwas schwächer als bei anderen Wahlen. Das liege unter anderem daran, dass es keine Fünf-Prozent-Hürde gebe. Davon profitierten die neuen und die ganz kleinen Parteien, die so zum Zuge kämen. „Das ist meines Erachtens nicht dramatisch. Dennoch macht diese Zersplitterung für das Europaparlament alles ein bisschen komplizierter“, sagt Blaschke.

SPD: Es fehlt an sozialdemokratischer Politik

Die SPD hat nur etwa halb so viele Stimmen bekommen im Landkreis wie bei der Europawahl 2014. Sie liegt bei 7,1 Prozent im Landkreis Günzburg gegenüber 14,6 Prozent damals. SPD-Kreisvorsitzender Achim Fißl kommentiert dies so: „Die müssen wieder mehr sozialdemokratische Politik machen in Berlin, dann schaut die Sache schon wieder ganz anders aus. Es werde zwar besser, etwa beim sozialen Wohnungsbau und bei den Renten, aber die SPD müsse auch liefern, was einem kleineren Koalitionspartner im Bund eben deutlich schwerer falle.

„Da freuen wir uns sehr, dass wir nun auch im Kreis Günzburg deutlich zweitstärkste Kraft hinter der CSU geworden sind“, kommentiert Landtagsabgeordneter Maximilian Deisenhofer aus Niederraunau das Ergebnis seiner Partei. Die Grünen erreichten im Landkreis 14,2 Prozent der Stimmen, in Krumbach gar 16,5 Prozent, wo es quasi ein Heimspiel für den einstigen aktiven Handballer war. 2014 lagen die Grünen noch bei 8,2 Prozent. Man wolle dieses Ergebnis der Europawahl nun vor allem als Ansporn für die Kommunalwahlen nehmen. Ein solches Ergebnis hätte er sich noch vor zwei bis drei Jahren nicht träumen lassen, meint Deisenhofer. „Da stehen wir jetzt schon ganz anders da“, sagt er nicht ohne Stolz in der Stimme.

Erstmals sind die Freien Wähler 2009 bei der Europawahl angetreten, damals hatten sie im Landkreis 6,4 Prozent und 2014 waren es 5,6 Prozent. „Ich finde das super“, sagt die Kreisvorsitzende der Freien Wähler im Landkreis Günzburg, Ruth Abmayr, zum Abschneiden ihrer Gruppierung im Landkreis und deutschlandweit. 6,9 Prozent wurden nun im Landkreis erreicht. „2,3 Prozent haben wir im Bundesdurchschnitt, wir sind hier also eine kleine Hochburg“, freut sich die Günzburgerin am Wahlabend.

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