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Leipheim

22.11.2019

Fachgespräch in Leipheim: „Banking muss menschlich bleiben“

Das persönliche Beratungsgespräch ist auch durch Informationen aus dem Internet nicht zu ersetzen. Darauf setzen lokale Banken.
Bild: Rido/Fotolia (Symbolbild)

Wie die Zukunft lokaler Banken aussieht und was Fehler der Vergangenheit waren.

Wenn es den Bäcker im Ort nicht mehr gibt und der Metzger auch dicht macht, wird es mit der Versorgung eng. Gesellt sich noch die Bank oder Sparkasse hinzu, ist nicht nur das gewohnte Dorfbild komplett auf den Kopf gestellt, es fehlt auch das Mittel für den Konsum: das Geld. „Die Filialschließungen selbst sind oft gar nicht der große Aufreger. Für Ärger sorgt der Automat, der fehlt“, sagte Tim Pargent, Finanzexperte der Grünen und stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion.

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In einem Fachgespräch in Leipheim debattierten er und drei weitere Vertreterinnen und Vertreter aus dem Finanzwesen über die Zukunft der lokalen Banken, deren Stellenwert Moderator Max Deisenhofer hervorhob. „Kleine Geldinstitute sind hierzulande Teil des öffentlichen Lebens, sie schaffen wertvolle Ausbildungsplätze und treten auch als Unterstützer von Sport und Kultur in Erscheinung“, so der Landtagsabgeordnete der Grünen.

Verständnis für die Reaktion der Kunden

Einen Blick zurück warf eingangs Daniel Gastl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse GünzburgKrumbach. Er äußerte Verständnis dafür, dass die Kundschaft die jüngsten Entwicklungen nicht immer nachvollziehen könne: „Sicher ist es nicht förderlich für das Vertrauensverhältnis, wenn die nächstgelegene Zweigstelle schließt. Und nicht überall haben wir regionale Banken die Antwort gegeben, warum man weiterhin zu uns kommen sollte.“

Fachgespräch in Leipheim: „Banking muss menschlich bleiben“

Nach Gastls Empfinden müssten kleinere Geldinstitute ihre Vorzüge noch deutlicher vermitteln. Und das seien traditionell eben Beratung, Persönlichkeit und Nähe. Eine Ansicht, die der Vorstand der VR-Bank Donau-Mindel, Stefan Fross, teilte: „Wenn wir uns von anonymen Großbanken abheben möchten, müssen wir authentisch sein. Unser Geschäftsmodell darf nicht sein, dass wir rücksichtslos auf den letzten Cent schauen. Wir von der VR-Bank sind keinen Aktionären verpflichtet, sondern den Menschen aus der Region. Banking ist ein Menschengeschäft, Gott sei Dank.“

Dem Wandel, den gerade auch die Digitalisierung mit sich bringt, standen alle aufgeschlossen gegenüber. Eine Abwehrhaltung sei naiv und entspreche nicht der Lebenswelt der Kundschaft.

So soll der Berufsschulstandort Günzburg gesichert werden

Gastl machte die Vorzüge der Sparkassen-App deutlich, die laut Unternehmensangaben zu Deutschlands besten und sichersten Banken-Apps zählt. Eine große Chance für die VR-Bank als Arbeitgeber sah Vorstand Fross: „Der Beruf des Bänkers ist dank technischer Neuerungen spannender und vielseitiger geworden. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen und die Qualität der Bewerber hat sich wieder gebessert.“

Das konnte Barbara Miller, kommissarische Fachbereichsleiterin Bank an der Berufsschule Günzburg, aus erster Hand bestätigen. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler sukzessive zurück gegangen. Nach 31 Schülerinnen und Schülern im abgelaufenen Schuljahr seien es nun wieder deren 32. Miller sprach von einer „Phase der Konsolidierung“ und dankte den Bankvertretern für ihr „Ausbildungsengagement auch in der Zukunft“. Dieses trage maßgeblich zur Sicherung des Berufsschulstandorts Günzburg bei.

Politiker will sich für den Standort einsetzen

Die Schule selbst werde die Auszubildenden für die neuen Herausforderungen fit machen. „Wir arbeiten seit Beginn des Schuljahres neben analogen Lehrbüchern auch mit digitalen. Für die Kompetenz der Auszubildenden ist die Erarbeitung eines fundierten Basiswissens mit beiden Medien erforderlich. Im bevorstehenden Schuljahr kommt nach über 20 Jahren auch ein neuer Lehrplan für den Beruf Bankkaufmann/-frau, der an die Änderungen des Ausbildungsberufs angepasst sein wird“, sagte Miller.

Für den Erhalt des Berufsschulstandorts will sich neben den Diskutanten auch Max Deisenhofer einsetzen. Nachdem das Kultusministerium offenbar erwägt, auf die allgemein rückläufige Zahl der Auszubildenden im Bankensektor zu reagieren (wir berichteten), hat der Grünen-Sprecher für berufliche Bildung ein Empfehlungsschreiben an die Regierung von Schwaben gesandt.

Eine Vision für die lokalen Banken

In Leipheim betonte Deisenhofer: „Als ehemaliger Lehrer an der Berufsschule Günzburg–Krumbach weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die Ausbildung hier sehr fundiert ist. Sparkasse und VR-Bank ziehen an einem Strang, Gasteltern bieten in Blockwochen Übernachtungsmöglichkeiten für die weit Angereisten an und auch der geografische Faktor spricht für den Standort Günzburg.“

Nach seiner Vision für lokale Banken gefragt, appellierte Pargent abschließend auch an die Kommunalpolitik: Nur wenn lebenswerte Ortszentren erhalten oder geschaffen werden, sei eine Bank „Teil eines funktionierenden Ökosystems“. „Dort, wo Bäcker, Metzger, Händler und Wirtschaft beheimatet sind, bleiben kleine Geldinstitute relevant und weiterhin die erste Anlaufstelle bei der Bargeld- und Kreditversorgung“, sagte Pargent. (zg)

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