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Gesundheit

28.05.2020

Fachklinik Ichenhausen setzt auf Kompetenz aus den Philippinen

Bislang arbeiten zwölf Frauen und Männer als Pflegekräfte in den verschiedenen Abteilungen der Fachklinik in Ichenhausen. Und es könnten noch mehr kommen.
Bild: Kharla Morena Toston

Plus Aus zwei Pflegekräften sind in eineinhalb Jahren zwölf geworden. Wie das alles gekommen ist.

Es ist nicht neu, dass es deutschlandweit einen enormen Fachkräftemangel im Pflegebereich gibt. Händeringend suchen Kliniken und Pflegeheime nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sogenannte Headhunter werden nicht selten eingesetzt, die im Falle von erfolgreichen Vermittlungsbemühungen ganz ordentlich kassieren.

Mit der inzwischen zwölf Frauen und Männer umfassenden Gruppe aus den Philippinen ist das nicht so. Zwei von ihnen, die im Dezember 2018 in die Fachklinik Ichenhausen gekommen waren, haben in der philippinischen Community in Deutschland für ihren neuen Arbeitgeber so kräftig geworben, dass Ichenhausen und Umgebung für weitere zehn Pflegerinnen und Pfleger zur neuen Heimat geworden ist.

In Manila und im Oman tätig

Mit Grace Verosa – sie hat jahrelang in Manila auf der Intensivstation gearbeitet – und Krankenpfleger Junar Calinao – er war viele Jahre im Oman tätig – fing es vor eineinhalb Jahren an. Da war die Bundesagentur für Arbeit die Vermittlerin mit ihrem Programm „Triple win“.

Die auf der Suche befindliche Klinik ist dabei auf der Gewinnerseite sowie die Arbeitskraft, die ihren Beruf bei angemessener Bezahlung ausüben möchte. Und wer ist der Dritte im Bunde? „Das ist Deutschland und das Entsendeland“, sagt Jenny Schall, Personalchefin der Fachklinik. Auf den Philippinen gebe es einen Pflegeüberhang. „Viele sind dort arbeitslos, dann passt das auch mit der Akquise.“

Nachfrage bei Schwesternkliniken

Der Neubau in Ichenhausen und der wachsende Akutbereich haben die Verantwortlichen der Klinik, trotz des größer werdenden Personalbedarfs, nicht voreilig handeln lassen. Man habe sich zunächst mit Schwesternkliniken ausgetauscht. Die Auskunft lautete ausnahmslos, dass man gute Erfahrungen mit den Philippinern gemacht habe. Das Experiment konnte beginnen. Verosa und Calinao fühlten sich sichtlich wohl und schafften innerhalb eines Jahres die Anerkennung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. „Sie sind hilfsbereit, freundlich, lernbereit. Sie sind eine Bereicherung für das ganze Team“, lobt Schall die Frauen und Männer, die in Ichenhausen über alle Bereiche verteilt sind: in der Akutpflege, in der Rehabilitation, im geriatrischen Bereich.

Das große Herz der Elisabeth Mair

Der Wohlfühlfaktor lässt sich auch außerhalb des Krankenhauses festmachen. Denn dort setzt sich die Autenrieder Kindergartenleiterin Elisabeth Mair für die Gruppe ein. Sie selbst bezeichnet sich als eine Art „Ersatzmama“, die bei der Wohnungssuche, beim Umziehen, bei der Beschaffung von Haushaltsgegenständen und bei schriftlichen Angelegenheiten hilft. „Sie hat diese Menschen ins Herz geschlossen“, bringt Schall das Engagement von Mair auf den Punkt, deren Tochter ebenfalls in der Ichenhauser Fachklinik arbeitet. Mair weiß, dass noch mehr Philippiner kommen wollen, um als Pfleger zu arbeiten. Damit sich die neuen Mitarbeiter wohlfühlen können, brauchen sie baldmöglichst eine Wohnung, Möbel, alles für den Hausstand, sagt sie – und fügt hinzu: „Es ist zu hoffen, dass es Ichenhauser gibt, die diesen aufgeschlossenen, fröhlichen Menschen ein Zuhause geben werden.“

Fachklinik Ichenhausen 250 Köpfe im Pflegebereich, davon 170 Vollzeitbeschäftigte. Die Durchschnittsbelegung liegt bei 370 Betten. Maximal können 400 Patienten versorgt werden.

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