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Günzburg

05.09.2019

Fahrlehrer Schoch war in Günzburg eine Institution

49 Jahre lang führte Gerhard Schoch in Günzburg seine Fahrschule. Ramona Frischholz hat sie jetzt übernommen. Aus der Fahrschule Schoch ist nun Ramona’s Fahrschule geworden.
Bild: Peter Wieser

Fast 50 Jahre lang führte er den Betrieb. Er dürfte weit über 5000 Schüler gehabt haben. Doch nun feiert er den 81. Geburtstag – und damit ist Schluss für ihn. Wie es weitergeht.

Bis vor Kurzem war der weiße VW Golf GTI mit dem grünen Schriftzug „Schoch“ noch regelmäßig auf den Straßen Günzburgs und in der Umgebung zu sehen. Jetzt ist der Golf Geschichte, Ende August saß Gerhard Schoch, seit 1963 Fahrlehrer, zum letzten Mal auf dem Beifahrersitz seines Fahrschulautos. 49 Jahre lang führte er die Fahrschule. „Den 50er habe ich halt nicht mehr vollgebracht,“ sagt er schmunzelnd.

Die Fahrschule war in Günzburg nicht nur ein Begriff, sondern vielmehr eine Institution. Auf die Frage, wie viele Fahrschüler er in all den Jahren denn zur Fahrprüfung begleitet habe, antwortet Gerhard Schoch, der in diesem Monat seinen 81. Geburtstag feiert: „Ich hab’ se nicht gezählt. Aber so 100 bis 120 dürften es im Jahr schon gewesen sein.“ Damit käme nach fast fünf Jahrzehnten die stattliche Zahl von weit über 5000 Fahrschülern zusammen. Einen Schülerschaden gab es während der 49 Jahre übrigens nie. „Wenn es zu einem Blechschaden kam, dann waren immer die anderen Schuld“, sagt Schoch lachend und erzählt von der Dame, die einst an einer roten Ampel auf das stehende Fahrschulauto draufgeknallt sei, weil sie dieses gar nicht wahrgenommen und es ihr pressiert habe.

Das erste Auto der Fahrschule hatte 34 PS

Sein erstes Fahrschulfahrzeug sei ein VW Käfer mit 34 PS gewesen. Anfangs seien viele ältere Leute zu ihm gekommen, vorrangig „Goggo-Fahrer“, die nur die damalige Führerscheinklasse Vier besaßen und für ein größeres Fahrzeug die Klasse Drei benötigten. Mit einigen Fahrstunden sei das schnell erledigt gewesen. Mit den Jahren stiegen aber auch die Anforderungen, vor allem in der Theorie. Unterstützung erhielt Gerhard Schoch stets von seiner Frau Rosi, die regelmäßig vor den theoretischen Prüfungen die Testfragebögen der Fahrschüler kontrollierte. So mancher habe zur Prüfung gedrängt und er habe daraufhin entgegnen müssen, dass mit 40 Fehlern daran noch gar nicht zu denken sei. Ein gutes Erfolgsergebnis, das sei immer sein Ziel gewesen, fährt Gerhard Schoch fort. „Man freut sich, wenn der Fahrschüler seine Fahrprüfung besteht.“

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Früher sei es das A und O gewesen, dass man den Führerschein mit 18 in der Tasche gehabt habe. Jetzt ließen sich die jungen Leute viel mehr Zeit, sagt Ramona Frischholz, Günzburgerin und für Gerhard Schoch keine Unbekannte. 15 Jahre hat sie in Tübingen als angestellte Fahrlehrerin gearbeitet und führt die Fahrschule nun unter dem Namen „Ramona’s Fahrschule“ in den Pkw-Führerscheinklassen B und BE sowie in allen Motorradklassen weiter. „Ganz im Sinne der Familie Schoch“, wie sie betont.

Ehemalige und künftige Fahrschüler kommen zur Übergabe

Mit Jasmina Topic, derzeit Fahrlehreranwärterin, erhält sie ab März nächsten Jahres Verstärkung. Am Samstag findet in den Räumen der Fahrschule an der Augsburger Straße 17 ab 11 Uhr die offizielle Übergabe statt, zusammen mit ehemaligen und künftigen Fahrschülern. „Wenn du den Beruf nicht mit ganzem Herzen machst, dann machst du den nicht lange“, erklärt Ramona Frischholz. Bei Gerhard Schoch sei das nicht anders gewesen, er habe Ruhe ausgestrahlt. Fahrlehrer zu sein, das sei eine Berufung. Das bestätigten auch seine ehemaligen Fahrschüler: „Der Herr Schoch hat mich nie geschimpft“, habe es immer geheißen.

Und was sagt dieser nach 49 Jahren als Fahrlehrer dazu? „Ich habe eine Frau, ein schönes Haus mit Garten und Enkelkinder. Es hat Spaß gemacht, gesundheitlich ging’s mir gut, aber jetzt ist Schluss.“ Ganz so wird es nicht sein: Die meisten seiner früheren Fahrschüler kennt Schoch noch heute und wenn man sich auf der Straße begegnet, wird man sich auch künftig zuwinken.

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