Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Familie auf der Autobahn ausgebremst

Günzburg

16.11.2019

Familie auf der Autobahn ausgebremst

Fahrzeuge sind mit teils hoher Geschwindigkeit auf der dreispurig ausgebauten Autobahn 8 in Höhe Günzburg unterwegs.
Foto: Bernhard Weizenegger

Ein 64-Jähriger zog den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Sonst wäre es für ihn noch teurer geworden.

Das hätte der Angeklagte einfacher haben können – und auch billiger. Quasi in letzter Minute beschließt der 64-jährige Angeklagte aus Oberbayern zusammen mit seinem Anwalt, den Einspruch auf Strafbefehl zurückzuziehen. Denn es deutete im Laufe der fast zweistündigen Verhandlung am Günzburger Amtsgericht darauf hin, dass die Verteidigungsstrategie nicht aufgeht. Doch was war eigentlich passiert?

In lebensbedrohliche Situation gebracht

Ein Diplomingenieur war von einem anderen Autofahrer angezeigt worden. Nun klagte er gegen den Strafbefehl. Der 64-jährige Angeklagte war mit seinem modernen Hybrid-Sportwagen an einem Freitagmorgen in den Pfingstferien auf der Autobahn A8 bei Günzburg in Richtung Stuttgart unterwegs. Der Geschädigte, ein Familienvater, der an diesem Tag zusammen mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern einen Familienausflug machte, beschuldigte den Sportwagenfahrer, ihn auf der Autobahn genötigt und in eine lebensbedrohliche Gefahrensituation gebracht zu haben.

Die A8 an der Anschlussstelle Günzburg in Richtung Ulm und Stuttgart.
Foto: Bernhard Weizenegger

Der Angeklagte soll den Familienvater, der mit etwa 180 Stundenkilometer auf der Autobahn unterwegs gewesen war, zweimal auf der linken Spur mutwillig ausgebremst haben. Nach dem ersten Vorfall soll der Sportwagenfahrer auf den mittleren Fahrstreifen gewechselt haben. Daraufhin soll er beschleunigt haben und der Familie davon gefahren sein. Wenige Kilometer später soll der 64-Jährige auf Höhe der Anschlussstelle Günzburg erneut vor der Familie aufgetaucht und sie ausgebremst haben. Beim zweiten Mal habe der Geschädigte eine Gefahrenbremsung einlegen müssen. „Ich hatte Angst um unser Leben“, schilderte der Familienvater. Die Aussagen mit der seiner Frau decken sich. „Das ganze Essen ist nach vorne geflogen.“ So etwas habe die Mutter noch nie miterlebt. Geistesgegenwärtig machte sie Bilder.

Als die Zeugin nervös wird

Der Angeklagte dagegen möchte das Geschehen anders wahrgenommen haben. Er sei mit 130 Kilometer auf der linken Spur unterwegs gewesen, um zu überholen. Die Familienkutsche soll auf ihn „mit einer Geschwindigkeit von weit über 200 Stundenkilometer“ aufgeschlossen und ihn mit Lichthupe bedrängt haben. Er habe nicht gebremst und gesehen, wie der hintere Fahrzeugführer kurz vor ihm stark abbremste.

Auch die Ehefrau des Angeklagten war in den Zeugenstand berufen worden – sie war bei dem Vorfall die Beifahrerin im Sportwagen. Doch sie entpuppte sich als scheinbar schlechte Hilfe. Sie will im rechten Rückspiegel gesehen haben, wie der Familienvater sie und ihren angeklagten Mann bedrängte. Spätestens als sie nur noch schwammig die Fragen des Richters beantwortete und immer nervöser zu werden schien, übertrug sich diese Unsicherheit auch auf den Verteidiger und seinen Mandanten. Saß der Sportwagenfahrer zu Beginn lässig auf der Anklagebank, änderte sich das bald. Richter Henle durchschaute die Verhandlungstaktik und sagte unter anderem zum Verteidiger: „Ich möchte Sie bitten, der Zeugin nicht irgendwelche Dinge in den Mund zu legen.“

2400 Euro Bußgeld, drei Monate Fahrverbot

Vor dem Plädoyer gab Richter Henle zu erkennen, dass im Falle einer Verurteilung eine höhere Strafe zu erwarten sei, als sie im Strafbefehl niedergeschrieben war. Nach einer zehnminütigen Beratung zog der Angeklagte seinen Einspruch zurück. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem Vorhaben zu.

Nun muss der mutmaßliche Verkehrsrowdy für sein Fehlverhalten 60 Tagessätze zu je 40 Euro zahlen – insgesamt 2400 Euro. Außerdem darf der 64-Jährige ab sofort drei Monate lang kein Fahrzeug bundesweit im öffentlichen Straßenverkehr führen. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Angesichts des Verhandlungsverlaufs wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Verurteilung und einer noch höheren Strafe gekommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren