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Günzburg

10.12.2019

Fernverkehrshalt: Bahn sorgt für böses Erwachen in Günzburg

Bleibt der Fernhalt am Günzburger Bahnhof – oder wird er an einer Neubaustrecke außerhalb der Stadt verlegt? Was die Bahn darüber in einem Flyer zum Großprojekt zwischen Ulm und Augsburg schreibt, bereitet in der Großen Kreisstadt Sorgen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Ein Flyer über das Projekt zwischen Ulm und Augsburg bereitet den Günzburger Stadträten Sorgen. Wird der Fernverkehrshalt vom Günzburger Bahnhof verlegt?

Am Günzburger Ratstisch gab es am Montagabend sorgenvolle Minen zu sehen. Der Anblick einer Broschüre der Bahn mit dem Titel „Das Bahnprojekt Ulm-Augsburg – Aufgaben und Ziele“ hatte den Ratsmitgliedern die Vorweihnachtsstimmung in der letzten Sitzung des Jahres gründlich vermiest. Denn im Inneren der Broschüre ist ein längst begrabener Schrecken wieder aufgetaucht: Der drohende Wegfall des Fernhalts am Günzburger Bahnhof in der Innenstadt.

Wie berichtet, hat die Bahn vor Kurzem mit den Vermessungsarbeiten für das Großprojekt begonnen, das in der Region seit längerer Zeit umstritten ist. Denn im Zuge des Ausbaus dieser Strecke, die Teil der „Magistrale für Europa“ zwischen Paris und Budapest ist, tauchte die Idee einer Schnellstrecke entlang der Autobahn auf, die zwar die Fahrzeit deutlich verringern, den Bahnhof Günzburg aber vom Fernverkehr abkoppeln würde.

Aussagen im Flyer der Bahn zu Günzburg sind alarmierend

Politiker aus der Region wie Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart und die Abgeordneten Alfred Sauter und Georg Nüßlein (alle CSU) hatten sich dafür stark gemacht, am Fernverkehrshalt in der Stadt festzuhalten, der Kreisausschuss verabschiedete bereits vor zwei Jahren eine entsprechende Stellungnahme.

Was die Bahn jetzt in ihrer Broschüre zum Thema schreibt, hat nicht nur die Günzburger Stadträte erschreckt: „Günzburg muss an das Fernverkehrsnetz angebunden sein, das hat der Bund festgelegt. Das bedeutet nicht unbedingt, dass eine mögliche Neubaustrecke über Günzburg führen muss. Auch über eine Verknüpfung zur alten Strecke könnten Züge nach Günzburg gelangen.“

Die Fraktionen sind durch diese Aussagen der Bahn in Alarmbereitschaft versetzt – und taten dies in der Stadtratssitzung am Montagabend, als es um den Regionalplan Donau-Iller ging, auch kund. Thomas Ermer (CSU) machte deutlich: „Dieser Flyer der Bahn gibt uns Anlass, weiter zu kämpfen, da ist wohl noch alles offen.“ Auch SPD-Stadträtin Ursula Seitz deutet den Text als schlechtes Zeichen: „Es scheint tatsächlich so zu sein, dass der Fernhaltepunkt als Anbindung zur neuen Trasse kommen könnte.“ Und Manfred Proksch (FWG) zeigte sich pessimistisch: „Zwischen den Zeilen ist da zu lesen, dass eine andere Lösung kommen könnte, als wird uns das vorstellen.“

Erreichbarkeit des Bahnhofs muss auch für die Bürger gegeben sein

Oberbürgermeister Gerhard Jauernig sprach das Thema am Ende der Sitzung noch einmal an und mahnte zu höchster Aufmerksamkeit. „Genauso wie bei einer Privatisierung von Wasserreserven müssen wir auch hier wachsam sein.“ Günzburg müsse alles dafür tun, dass der Fernhalt in der Stadt erhalten bleibe und nicht an eine Neubaustrecke nach außen verlegt werde. „Es geht ja nicht nur darum, dass Züge den Fernverkehrshalt erreichen – auch die Erreichbarkeit für die Bürger müsse erhalten bleiben. Dass Menschen, die mit der Bahn fahren wollen, erst mit dem Auto aus der Stadt hinausfahren müssen, um den Fernbahnhof zu erreichen, könne nicht das Ziel sein.

Welche Maßnahmen die Stadt ergreifen könne, um die Verlegung des Fernhalts zu verhindern, müsse noch diskutiert werden. „Wir sollten uns auf jeden Fall überlegen, zu Beginn des neuen Jahres erneut eine Resolution zu erarbeiten.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte der Beauftragte der Bahn für dieses Großprojekt, Markus Baumann, Anfang Dezember bekräftigt, dass der Bahnhof Günzburg seine Bedeutung für den Fernreiseverkehr behalten wird. Bislang sei jedoch nicht klar, ob die Aus- und Neubaustrecke zwischen Augsburg und Ulm komplett, teilweise oder gar nicht entlang der bestehenden Trasse verlaufen wird. Auch der Anteil zwischen Aus- und Neubau stehe noch nicht fest.

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